FORMAT - Spitzenmanagerinnen: Gläserne Decke in Chefetagen bröckelt nur langsam!
- Die Zahl weiblicher Führungskräfte nimmt stetig zu
- Von BA-CA-Vorstand Prehofer bis Riess-Passer
Die Bestellung von Brigitte Ederer zur Nummer eins des Technologiekonzerns Siemens lieferte die frauenpolitische Sensation des heurigen Jahres und ist gleichzeitig Ausdruck dafür, dass hierzulande auch in den noch immer von Männern dominierten Vorstandsetagen schön langsam der Putz von der so genannten "gläsernen Decke" bröckelt.
Der Wechsel an der Spitze des bisher als erzkonservativen Männerverein taxierten Siemens-Konzerns ist längst kein Einzelfall mehr, sondern nur der vorläufige Höhepunkt eines seit wenigen Jahren zögerlich einsetzenden Aufmarsches von Topmanagerinnen in den Schaltzentralen der österreichischen Wirtschaft.
Auffällig dabei: Vor allem in der Finanzwirtschaft nimmt die Zahl der weiblichen Führungskräfte offenbar rasant zu: Den Beginn machte vor zwanzig Jahren die mittlerweile zur Grande Dame des Geldadels avancierte ehemalige Notenbankchefin Maria Schaumayer. Wurde früher hinter vorgehaltener Hand noch vor allem über den Inhalt ihrer mittlerweile legendären Handtasche spekuliert, so liefern Accessoires weiblicher Kolleginnen in Managerkreisen heute kaum mehr Gesprächsstoff.
Ein Beispiel aus den vergangenen Wochen: Gertrude Tumpel-Guggerell, die als Direktorin der Europäischen Zentralbank in Frankfurt maßgeblich die EU-Zinspolitik mitbestimmt, wurde kurzfristig sogar als neue Bawag-Generaldirektorin gehandelt.
Sowohl im Osteuropa- als auch im Firmenkundengeschäft erfreut sich Regina Prehofer eines exzellenten Rufes - der Grund: Sie verantwortet beide Ressorts in der größten Bank des Landes, der Bank Austria Creditanstalt. Weitere prominente Finanzmanagerinnen: Elisabeth Bleyleben-Koren (Erste Bank), Claudia Schmied (Kommunalkredit), Sonja Sarközi (Easybank), Andrea Maller (Hypo Alpe-Adria), Elisabeth Stadler (Uniqa Versicherung) sowie Exvizekanzlerin Susanne Riess-Passer, die in den Diensten von Wüstenrot steht.
ÖBB, ORF und Infineon
Auch in den Bereichen Transport, Medien und Industrie bekleiden inzwischen einige Frauen Top-positionen. So ist die 57-jährige Wilhelmine Goldmann, Herrscherin über alle Lokomotiven und Busse der Österreichischen Bundesbahnen, in eine Männerdomäne vorgedrungen: als Vorstandsvorsitzende der ÖBB Personenverkehrs AG.
Seit dem Regierungswechsel schupft die 61-jährige Monika Lindner die Geschicke des staatlichen TV-Senders ORF. Es waren nicht nur ihre Fachkenntnisse, sondern auch die exzellenten Kontakte zur Regierungspartei mit ÖVP-Chef und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an der Spitze, denen sie ihre Position als erste ORF-Generaldirektorin verdankt.
Fest im Sattel sitzt auch Monika Kircher-Kohl. Die Expolitikerin der SPÖ Kärnten und Freundin der neuen Siemens-Chefin befehligt den Halbleiterhersteller Infineon Österreich - und das mit großem Erfolg. Brigitte Ederer über den Unterschied von Manager und Managerin: "Ich überlege bei jeder wichtigen Entscheidung, wie sich das auf mich als betroffene Person auswirken würde. Dann mache ich automatisch das Richtige."
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