Donnerstag, 15. Dezember 2005

Italiens Bankenskandal weitet sich aus: Auch einige Politiker sollen involviert sein

  • Im Mittelpunkt steht Lega Nord-Politiker Calderoli

Die Affäre um den Banker Gianpiero Fiorani, der wegen millionenschweren Insider-Geschäften und Markttäuschung festgenommen worden ist, weitet sich aus. Nach Angaben italienischer Medien pflegte Fiorani enge Kontakte zu Spitzenpolitikern der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord, darunter Reformenminister Calderoli.

Die Staatsanwaltschaft wirft Fiorani, früherer Vorstandschef der Banca Popolare Italiana, sowie drei weiteren Festgenommenen vor, im Übernahmekampf um die Banca Antonveneta Unterschlagungen, Betrug und andere Straftaten begangen zu haben. Ihm wird auch ein Plündern der eigenen Bank zu Lasten der kleinen Sparer vorgeworfen.

Zudem werden die Bankiers auch noch beschuldigt, eine "Komplizenschaft" mit den Aufsichtsbehörden gepflegt hätten. Vor allem Reformenminister Calderoli gerät dabei ins schiefe Licht. Die Lega Nord wollte aus BPI-Antonveneta eine Art von Hausbank machen. Finanzierungen von der Bank sollen auch die Parlamentarier der Regierungskoalition, Luigi Grillo und Ivo Tarolli, erhalten haben.

Auch der italienische Nahrungsmittelkonzern Barilla droht in den Sog des Skandals zu geraten. Fioranis Bank wird Insider Trading im Zusammenhang mit der Übernahme der deutschen Großbäckerei Kamps durch Barilla im Jahr 2002 vorgeworfen. Das berichtete die Tageszeitung "La Repubblica". Fiorani, der über Barillas Übernahmeabsichten informiert war, habe Dutzende privilegierte Kunden Millionen von Kamps-Aktien erwerben lassen, hieß es. Die Kamps-Aktien stiegen nach Kundgebung von Barillas Übernahmepläne rasant.

Der Banker zeigte sich nach der Festnahme erleichtert. "Ich habe schreckliche Tage erlebt. Ich wusste, dass man mich festnehmen wurde. Jetzt will ich über das was geschehen ist, nachdenken", sagte Fiorani.(apa/red)

15.12.2005 11:49