Mittwoch, 14. Dezember 2005

Ein dicker Fisch im Netz: Italiens skandal-umwitterter Bankier Fiorani festgenommen

  • Schwarzgelder von bis zu 200 Mio. Euro an Politiker?
  • Weitere drei Finanziers verhaftet

Die Festnahme von vier hochrangigen Bankern erschüttert Italiens Finanzwelt. Der skandalumwitterte Bankier Gianpiero Fiorani, der bereits im Sommer wegen seiner engen Verstrickungen mit Notenbankchef Antonio Fazio für Schlagzeilen gesorgt hatte, ist am Dienstagabend verhaftet worden.

Neben Fiorani, Ex-Chef der Banca Popolare Italiana (BPI), ehemals Banca Popolare di Lodi, wurden drei weitere Finanziers festgenommen. Es handelt sich um den früheren Finanzchef Gianfranco Boni sowie um zwei hohe ehemalige Funktionäre des Bankinstitutes, Fabio Conti und Silvano Spinelli, berichteten italienische Medien. Ein fünfter Verdächtiger, Paolo Maront, flüchtete in die Schweiz.

Weiters wurden die Wohnungen und Büros von weiteren 15 Managern der BPI durchsucht. Die Polizei durchsuchte unter anderem die Wohnungen vom Präsidenten der Banca Popolare Italiana, Giovanni Benevento, und des Vizepräsidenten des Geldhauses, Desiderio Zoncada. Fiorani und die anderen fünf Banker werden beschuldigt, Politikern Schwarzgelder in Höhe von bis zu 200 Mio. Euro zugeschanzt zu haben.

Der Vorwurf lautet auf "Bandenbildung". Nach Erkenntnissen der Mailänder Staatsanwaltschaft arbeitete die Finanzabteilung der BPI wie eine Geheimbank, die auserwählten Kunden Kredite zu Vorzugsbedingungen gewährte. "BPI stand im Mittelpunkt enormer illegaler Geschäfte mit gravierenden Auswirkungen auf das nationale und europäische Banksystem. Dies hat kleinen Anlegern große Schäden zugefügt", betonte Richterin Clementina Forleo.

Gegen Fiorani ermittelt die Mailänder Staatsanwaltschaft bereits seit dem vergangenen Sommer. Fiorani war im August bereits für zwei Monate von seinem Posten an der Spitze der BPI suspendiert worden, danach war er zurückgetreten. Laut Börsenaufsicht besteht der Verdacht, dass Fiorani in gemeinsamer Absprache mit der norditalienischen Bank Antonveneta gegen den Übernahmeversuch der niederländischen ABN Amro vorgegangen sei. Dabei konnte er mit der aktiven Unterstützung von seinem Freund, Zentralbankchef Fazio, rechnen. Dieser wies jeglichen Verdacht entschieden zurück.

"Ich habe stets das Gesetz korrekt angewendet. Wenn Fiorani sich für Illegales verantwortlich gemacht hat, habe ich mir nichts vorzuwerfen", wurde Fazio von der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Mittwoch zitiert.

Da der italienische Bankenmarkt als nach außen weitgehend abgeschottet gilt, hätte ein Erfolg des niederländischen Konzerns bei dem Übernahmeversuch weit reichende Folgen für die Bankenlandschaft in Italien gehabt. Nach langem Ringen schaffte die ABN Amro die Übernahme von Antonveneta.

Erst am Dienstag hatte die EU-Kommission ein Verfahren gegen Italien wegen des Verhaltens der Zentralbank bei grenzüberschreitenden Bankenfusionen eingeleitet. Die Kommission wirft Italien vor, bei der Aufsicht von Fusionen im italienischen Bankensektor gegen den freien Kapitalverkehr sowie die Niederlassungsfreiheit von Unternehmen verstoßen zu haben. ABN Amro hatte sich bei der Kommission beschwert, dass die von Fazio geleitete Notenbank bei der Übernahmeschlacht um die Antonveneta heimische Bieter bevorzugt habe. Die Zentralbank hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die Festnahme Fioranis löste Wellen der Empörung in Italien aus. "Die Verstrickungen zwischen Finanzwelt und Politik ist unannehmbar. Nie wie im letzten Jahr haben die Verstrickungen zwischen diesen beiden Bereichen zugenommen. Dies verstößt gegen die Ethik", so der Chef des Unternehmerverbands Confindustria, Luca Cordero di Montezemolo.

(apa/red)

14.12.2005 10:14