Dienstag, 13. Dezember 2005

Austria Frost-Tiefkühlwerk geht an die Frenzel-Gruppe: 300 Jobs sind nun gerettet

  • Auch die 300 Gemüsebauern können weiter zuliefern
  • Neuer Eigentümer will länger als zehn Jahre bleiben

Glücklich hat die Pleite des ehemaligen Iglo-Werks in Groß-Enzersdorf niemanden gestimmt - der nun erfolgte endgültige Verkauf an die ostdeutsche Frenzel-Gruppe hat am Mittwoch dennoch nur positive Reaktionen hervorgerufen: Käufer, Belegschaft, Landespolitik und Gläubiger begrüßten - jeder aus seinem Blickwinkel - den Deal. Dabei war die Rettung des Ende Oktober in die Insolvenz geschlitterten Werks keine ausgemachte Sache. Masseverwalter Christoph Stapf hatte schon damit gedroht das Werk zu schließen.

"Die verzwickte Ausgangslage mit den Liegenschaftsbesitzern Immorent/VA Tech und dem früheren Werkseigentümer Unilever hat die Verhandlungen extrem kompliziert gemacht" schildert ein Verhandlungsteilnehmer aus Gläubigerkreisen die wenig hoffnungerweckende Ausgangssituation.

Eine Zerschlagung des Austria-Frost-Werks im Marchfeld, wie es etwa das belgische Unternehmen Pinguin im Fall einer Übernahme geplant gehabt hätte, wäre "tragisch für alle Beteiligten und die gesamte Region gewesen", sagt Austria Frost-Betriebsratsvorsitzender Ewald Müller. Die Belegschaft sei mit der Übernahme des Werks durch Frenzel zufrieden. Die deutsche Gruppe habe eine langjährige Garantie gegeben, ein Großteil der Arbeitnehmer könne weiter beschäftigt werden.

Nach den Sanierungs-Vorstellungen des Eigentümers sollen wenigstens 210 der derzeit 320 Arbeitsplätze erhalten werden, die Gemüseproduktion, an der 300 bäuerliche Zulieferer hängen, voll weitergeführt werden. Die Frenzel-Gruppe ist ein Hersteller von Tiefkühlkost (Gemüse, Früchte, Kartoffelspezialitäten) und Eiscreme mit Sitz im sächsischen Mochau. Mit drei Produktionswerken haben zuletzt 270 Mitarbeiter einen Umsatz von gut 60 Mio. Euro erwirtschaftet.

Neuer Eigentümer will länger als zehn Jahre bleiben
"Wir wollen nicht nur zehn Jahre bleiben, sondern länger. Das Marchfeld ist ein sehr gutes Anbaugebiet", sagt Neo-Eigentümer Volkmar Frenzel. "Wir wollen die Abnahme des Gemüses bei den Bauern eher ausbauen." Wie viele Beschäftigte tatsächlich Rationalisierungen zum Opfer fallen werden, stehe noch nicht fest, meinte Frenzel am Mittwoch in einem Telefonat mit der APA. Die Weichenstellungen dafür würden sich über Wochen hinwegziehen. Der Betriebsrat rechnet mit mittelfristig etwa 270 Werks-Beschäftigten.

Frenzel hat etwa 7,5 Mio. Euro an die Masse gezahlt, dazu kommen noch gut vier Mio. Euro für die Liegenschafts-, bzw. Anlageneigentümer Immorent und VA Tech. Einen weiteren Betrag in dieser Größenordnung dürften Immorent/VA Tech von der niederösterreichischen Ansiedlungsgesellschaft Eco Plus bekommen, die die Hälfte des viel zu großen Fabriksgrundstücks für kommerzielle oder Wohnzwecke entwickeln möchte.

Dazu kommen noch Zahlungen des ehemaligen Fabrikseigentümers Unilever, die beim Verkauf an 11er-Gruppe Garantieerklärungen abgegeben hat. Aus dem Titel soll ein weiterer Millionenbetrag an die Immorent geflossen sein. Diese sei "wirklich gut ausgestiegen, vor allem wenn man bedenkt, dass es sich dabei um eine Pleite handelt", tönte es am Mittwoch aus Gläubigerkreisen. Der für die Masse erzielte Preis sei dagegen nicht besonders ausgefallen - immerhin habe man mit der Lösung einen stückweisen Abcverkauf vermeiden können.

Welche Quote die einzelnen Gläubiger zu gewärtigen haben, wird noch einige Monate nicht feststehen. Diese hängt davon ab, wie viele der angemeldeten Forderungen (42 Mio. Euro) vom Masseverwalter auch anerkannt werden. Derzeit sind nur 12 Millionen anerkannt.

Als "tatkräftig und konstruktiv" beurteilen Gläubigerkreise die Rolle der blaugelben Landespolitik namentlich des Wirtschaftslandesrats Ernest Gabmann (V). Ohne die Bereitschaft der Eco Plus, die Hälfte des Grundstücks zu übernehmen, hätte Frenzel nicht unterschrieben. Gabmann habe sich auch für ein Einlenken der Immorent stark gemacht, als die Verhandlungen wegen einer ausständigen Garantieerklärung ins Stocken geraten waren, war zu hören.

Neben der Erhaltung von "möglichst vielen Jobs" und der guten Aussichten für die bäuerlichen Zuliefer habe vor allem die Bereitschaft der Frenzel-Gruppe in das Werk zu investieren überzeugt, hatte Gabmann am Dienstagabend erklärt. Frenzel soll eine Investition von zwei Mio. Euro in Aussicht gestellt haben, um den Energiehaushalt der Fabrik effizienter zu machen.

(apa/red)

13.12.2005 07:52