Montag, 12. Dezember 2005

Österreich auch 2005 mit neuem Pleiten-Rekord: Heuer schon 13.464 Insolvenzen

  • Heuer 7.018 Firmen- und 6.446 Privatkonkurse
  • Für 2006 Stagnation auf hohem Niveau erwartet

Österreich hat das Jahr 2005 nicht nur die höchste Arbeitslosigkeit der Zweiten Republik, sondern auch einen weiteren Pleitenrekord beschert: Die Zahl der Firmeninsolvenzen kletterte um 11,1 Prozent auf nie da gewesene 7.018 Fälle. Bei den Privatkonkursen fiel der Zuwachs mit plus 15,7 Prozent auf 6.446 Fälle noch kräftiger aus.

"Ein Rekord, den man sich nicht gewünscht hat", so der Insolvenzspezialist im Kreditschutzverband von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz. Für 2006 erwartet Kantner keine weiteren Zuwächse. Er rechne mit Stagnation auf hohem Niveau. Der Zenit sei mittelfristig überschritten.

Steigerung der eröffneten Verfahren um 6,9 Prozent
Im Detail stiegen die eröffneten Verfahren im Jahresvergleich um 6,9 Prozent auf 3.178 Fälle, davon 3.141 Konkurse und 37 Ausgleiche. Während die Ausgleiche weiter um 26 Prozent zurückgingen, nahmen die Konkurse um 7,5 Prozent zu. Dramatisch angestiegen sind wieder die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge, und zwar um 14,8 Prozent auf 3.840 Pleiten.

Die Zahl der betroffenen Dienstnehmer nahm im Jahresvergleich um 3,3 Prozent auf 21.900 Personen zu. Gesunken sind hingegen die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten, und zwar um 4,0 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro was, auf das Fehlen von Großinsolvenzen zurückzuführen ist. Für Kantner müsse man aus dem Pleitenrekord nicht nur negative Schlüsse ziehen. In Österreich werden pro Jahr rund 30.000 Unternehmen neu gegründet. Nach rund 10 Jahren schlittern etwas 20 Prozent davon in die Insolvenz. Bei vielen Gründungen müsse man auch mit vielen Misserfolgen rechnen. Allerdings stehen Österreich bei der Unternehmensdichte gemessen pro 1.000 Einwohner mit 43 Unternehmen vor Deutschland (35) nur an vorletzter Stelle. Spitzenreiter sind die skandinavischen Länder mit 90 bis 100 Unternehmen pro 1.000 Einwohner.

Größter Konkurs war 2005 Modelleisenbahnherstellers Roco
Größte Unternehmenszusammenbrüche waren heuer der Konkurs des Modelleisenbahnherstellers Roco mit Passiva von 55,8 Mio. Euro, gefolgt von Austria Frost mit 42,4 Mio. Euro und dem Elektrohändler Pro Markt mit 34,9 Mio. Euro. Die meisten Pleiten gab es in Wien mit 2.2203 Fällen, gefolgt von Niederösterreich mit 1.014 Pleiten und Oberösterreich (906). Nach Branchen gab es die meisten Fälle bei den unternehmensbezogen Dienstleistungen mit 1.088 Verfahren, gefolgt vom Gastgewerbe (1.072) und der Bauwirtschaft (1.043).

Den starken Anstieg bei den Privatkonkursen im auslaufenden Jahr sieht Kantner positiv. Der Privatkonkurs mache den Weg frei, seine Schulden zu regulieren. Es müssten noch viel mehr der 100.000 bis 150.000 zahlungsunfähigen Personen diesen Weg beschreiten. Bei den Privatkonkursen nahmen die eröffneten Verfahren 2005 um 13,9 Prozent auf 5.321 Fälle zu, bei den mangels Masse abgewiesenen Konkursanträgen betrug der Zuwachs 24,6 Prozent auf 1.125 Fälle. Die Verbindlichkeiten stiegen um 7 Prozent auf 746 Mio. Euro. Für das kommende Jahr erwartet Kantner bei den Privaten eine Steigerung um 10 bis 12 Prozent.
(apa/red)

12.12.2005 12:30