Sonntag, 18. Dezember 2005

Spät, aber doch! Marco Büchel erfüllte sich mit Sieg in Gröden seinen Abfahrtstraum

  • Liechtensteiner stieg erst 2000 auf Abfahrtsskier um
  • PLUS: Alle Infos zum Abfahrtsklassiker in Italien

Erst im Alter von 28 Jahren hat Marco Büchel im Jänner 2000 in Kitzbühel seine erste Weltcup-Abfahrt (Platz 22) bestritten. Am Samstag in der Wetterlotterie von Gröden kam der spätberufene "Downhiller", der Basejumping und Harley-Davidson-Fahren zu seinen liebsten Hobbys zählt, vorerst am Ziel seiner sportlichen Träume an: der Liechtensteiner gewann erstmals in der prestigeträchtigsten Alpindisziplin.

Ältere Abfahrts-Sieger als Büchel (34), der im Sommer die härteste Vorbereitung seiner Karriere absolvierte, gab es in der Weltcup-Geschichte nur zwei - die Österreicher Leonhard Stock und Stephan Eberharter.

Nach dem Rennen hatte der Spaßvogel aus dem Fürstentum, der seit zehn Jahren mit den Schweizern mittrainiert, einiges zu erzählen:

....über seinen ersten Sieg in der Abfahrt: "Ich hatte das Glück auf meiner Seite. Die Ski waren fantastisch, auch der Wind spielte entscheidend mit. Und wenn man mit zwei Hundertstel Vorsprung gewinnt, dann ist das Glück. Natürlich bin ich aber auch gut gefahren, ich wollte an diesem Tag 101 Prozent geben."

....über seine späte Berufung zum Abfahrer: "Ich war früher ein Riesentorläufer. Aber nur neun oder zehn Rennen pro Jahr, das war mir zu langweilig. Daher startete ich mit dem Super G und später dann auch mit der Abfahrt. Meine erste Abfahrt war Kitzbühel 2000. Wenn ich diesen Schritt nicht gemacht hätte, wäre ich 2002 zurückgetreten. Die Abfahrt macht mir am meisten Spaß, sie ist die interessanteste Disziplin für mich. Im Riesentorlauf tu ich mir mit 34 Jahren und 100 kg mittlerweile schwer. Da mit den Jungen mitzuhalten, ist alles andere als einfach."

....über seine von Ex-ÖSV-Läufer Rainer Salzgeber geführte Head-Mannschaft: "Head war in allen vier Saisonabfahrten auf dem Stockerl. Rainer Salzgeber hat einen großen Anteil daran, er tut alles für unseren Erfolg. Atomic hat so lange den Weltcup dominiert. Es ist gut, dass die anderen Firmen aufgeholt haben und immer mehr mitmischen."

....über seine Beziehung zum Schweizer Team: "Ich hoffe, dass die Schweizer diesen Sieg als Sieg ihres Teams ansehen. Meine Trainer sind ausschließlich Schweizer Trainer. Das Schweizer Team ist auf einem guten Weg Richtung Olympia."

....über seine harte Saisonvorbereitung: "Nach dem Weltcupfinale Mitte März in Lenzerheide war ich toll in Form. Deshalb war ich nur zwei Wochen in Südafrika und habe seitdem acht Monate durchtrainiert. Das war die bisher längste Trainingsperiode meiner Karriere. Ich hatte schon genug vom Schnee, aber bereits in Lake Louise wurde ich mit Platz drei in der Abfahrt belohnt.

....über seine Heimat Liechtenstein: "Manchmal tu ich mir schwer mit meinen Landsleuten, wenn es nicht so läuft, herrscht schnell Schadenfreude. Aber es ist mir eine Ehre für Liechtenstein zu fahren. Liechtenstein hat eine lange Tradition im Skifahren. Sportler des Jahres war ich trotzdem nur ein Mal, nach Riesentorlauf-WM-Silber 1999. Seitdem habe ich die Wahl trotz etlicher Podestplätze nicht mehr gewonnen. Deswegen habe ich vor einem Jahr bekannt gegeben, dass ich zu dieser Wahl nicht mehr antreten werde. Aus persönlichen Gründen. Doch jetzt steht in den Zeitungen, dass ich ein schlechter Verlierer, überheblich oder unfair sei."

....über Frau Doris und seinen Labrador Jesper: "Auch für meine Frau war der Samstag ein spezieller Tag. Seit wir zusammen sind, war ich neun Mal auf dem Podest, aber nur ein Mal, wenn sie mit dabei war. Deswegen habe ich immer gesagt: 'Bleib weg, du bringst Unglück.' Aber diesmal war sie in Gröden dabei und es hat geklappt. Mein Hund Jesper wartet oft im Zielraum auf mich, er springt wie verrückt herum wenn ich fahre."


Endergebnis
1.Marco BüchelLIE1:27,99 Min
2.Michael WalchhoferAUT+0,02
3.Erik GuayCAN+0,20
4.Kristian GhedinaITA+0,43
5.Fritz StroblAUT+0,47
6.Kjetil-Andre AamodtNOR+0,59
7.Antoine DeneriazFRA+0,62
8.Bode MillerUSA+0,74
9.Didier DefagoSUI+0,86
10.Norbert HolzknechtAUT+0,89
11.Bruno KernenSUI+0,91
11.Scott MacartneyUSA+0,91
13.Johann GruggerAUT+0,97
14.Hermann MaierAUT+1,01
15.Andreas BuderAUT+1,03
16.Manuel Osborne-ParadisCAN+1,05
17.AJ BearAUS+1,12
18.Andrej JermanSLO+1,23
19.Daron RahlvesUSA+1,30
20.Ambrosi HoffmannSUI+1,49
21.Silvan ZurbriggenSUI+1,54
22.Klaus KröllAUT+1,59
23.Patrik JärbynSWE+1,61
24.Andreas SchiffererAUT+1,73
25.Finlay MickelGBR+1,79
26.Aksel Lund SvindalNOR+1,86
27.Justin J. JohnsonUSA+1,89
28.Konrad HariSUI+1,90
29.Stefan Johann ThaneiITA+1,93
30.Christoph GruberAUT+1,99
31.Kurt SulzenbacherITA+2,02
32.Didier CucheSUI+2,07
33.Yannick BertrandFRA+2,09
34.Jürg GrünenfelderSUI+2,11
35.John KuceraCAN+2,50
36.Steven NymanUSA+2,62
37.Marco SullivanUSA+2,94
38.Sebastien Fournier-BidozFRA+3,04
39.Hannes ReicheltAUT+3,14
40.Peter FillITA+4,02

(apa/red)

18.12.2005 10:06