Dienstag, 13. Dezember 2005

Nacht-Slalom in Madonna vor Aus: 2006
"Dolomiten-Cup" in Gröden und Alta Badia?

  • Zum möglichen Abschied Sieg von Lokalhero Rocca
  • Riesiger Jubel: Auch Carabinieri feierten mit Tifosi

Ausgerechnet bei der womöglich letzten Auflage des Slalom-Klassikers in Madonna di Campiglio hat Giorgio Rocca seinen ersten Weltcup-Erfolg auf italienischem Boden gefeiert. Der Lombarde enttäuschte seine Fans nicht und carvte im abendlichen Schneetreiben zum zweiten Saisonsieg: "Im zweiten Durchgang ging es wie im Traum. In Italien ein Rennen zu gewinnen, ist ein tolles Gefühl. Das ist ein sehr spezieller Sieg für mich."

Der 50. Weltcup-Bewerb der Geschichte in Madonna könnte jedoch der letzte gewesen sein. Bereits im kommenden Winter soll Madonna vom Weltcup-Plan gestrichen werden, Gröden und Alta Badia sollen im Dezember mit je zwei Rennen einen so genannten "Dolomiten-Cup" ausrichten.

"Das wäre schade, Madonna ist ein Klassiker", waren Rocca, 2003 in St. Moritz und 2005 in Bormio WM-Bronze-Gewinner im Slalom, und Raich, amtierender Slalom-Weltmeister und -Weltcup-Sieger, einer Meinung. Auch die Veranstalter haben sich mit dem Ende noch lange nicht abgefunden, sie kündigten an, hart um die Zukunft ihres Rennens zu kämpfen.

Ausgelassen Stimmung nach Rocca-Sieg
Nach dem ersten Madonna-Heimsieg seit Alberto Tomba 1995, "La Bomba" gewann dort auch 1987 und 1989, waren die Tifosi nicht mehr zu halten. "Grande Rocca!" brüllend kletterten sie über sämtliche Absperrung, warfen Knallkörper und feierten bei der Siegerehrung ihren Helden. Die Carabinieri vergaßen an diesem Abend "Dienst nach Vorschrift" und feierten munter mit.

Italiener sind ÖSV auf den Fersen
Der 30-Jährige, der natürlich auch für Olympia 2006 eine der ganz großen italienischen Gold-Hoffnungen ist, hält nun bei acht Slalom-Weltcup-Siegen, damit hat Rocca mit der 70er-Jahre-Legende Gustavo Thöni gleichgezogen. Tomba ist jedoch mit 35 Slalom-Siegen trotz Roccas Superform außer Reichweite. Nicht zuletzt dank Tomba, Thöni und Rocca halten Italiens Ski-Herren nun bei 65 Weltcup-Slalom-Siegen, der Vorsprung der ÖSV-ler (66 Siege) könnte bereits am 22. Dezember in Kranjska Gora dahin sein.

Rocca selbstsicher wie nie zuvor
"Ich habe riesiges Selbstvertrauen, vor allem dank meines Materials", erklärte Rocca, der auf Atomic-Skiern fährt und hofft, dass er mit seinen Siegen Werbung für die noch 2005 anstehenden Weltcup-Bewerbe in Italien in Gröden (Freitag Super G, Samstag Abfahrt), Alta Badia (Sonntag RTL) und Bormio (Abfahrt am 29. Dezember) sowie für Olympia im Februar gemacht hat. "Ich hoffe, das ist ein Schub für den italienischen Skisport."

Für Rocca gab es Lob und Komplimente von allen Seiten, auch vom zweitplatzierten Tiroler Benjamin Raich ("Er fährt fantastisch") und vom drittplatzierten Finnen Kalle Palander. "Es sieht so aus, als hätten wir einen neuen Tomba", meinte Palander.

(apa/red)

13.12.2005 11:40