Hunderte Entführungen in letzten Jahren: Verschleppt, versteckt und oft ermordet
- Viele Geiseln überlebten die Entführung im Irak nicht
Die erste Entführung einer Deutschen im Irak ist mit der Freilassung von Susanne Osthoff glimpflich zu Ende gegangen. Bei zahlreichen ähnlichen Geiselnahmen wurden in den vergangenen Jahren hunderte Menschen aus fast allen Weltgegenden im Zweistromland verschleppt. Mehrmals waren auch Europäer - meist Journalisten oder Mitarbeiter von Hilfsorganisationen - unter ihnen. Im Gegensatz zu Osthoff überlebten viele ihre Entführung nicht.
Frankreich
26. Mai 2004: Bewaffnete verschleppen ein vierköpfiges Fernsehteam des französischen Senders France 2. Die Journalisten werden einen Tag später wieder freigelassen.
20. August 2004: Die französischen Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot werden von islamistischen Extremisten entführt. Nach vier Monaten Geiselhaft kommen sie am 21. Dezember frei.
Am 5. Januar 2005 verschwinden die französische Journalistin Florence Aubenas und ihr irakischer Übersetzer Hussein Hanun. Bis zu ihrer Freilassung am 11. Juni gibt es fünf Monate lang kein Lebenszeichen von ihr.
Italien
4. Februar 2005: Unbekannte verschleppen die italienische Reporterin Giuliana Sgrena in Bagdad. Genau einen Monat später kommt sie frei. Auf dem Weg zum Bagdader Flughafen wird ihr Wagen von US-Soldaten beschossen. Ihr italienischer Begleiter, der Geheimagent Nicola Calipari, stirbt. Sie selbst wird verletzt.
7. September 2004: Simona Torretta und Simona Pari, Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation, werden entführt. Drei Wochen später werden sie freigelassen. Die italienische Regierung soll Lösegeld gezahlt haben.
19. August 2004: Der italienische Journalist Enzo Baldoni wird entführt. Eine Woche später teilt die extremistische Islamische Armee im Irak mit, dass sie die Geisel getötet hat.
12. April 2004: Der Italiener Fabrizio Quattrocchi wird zusammen mit drei Landsleuten verschleppt. Zwei Tage später erschießen die Entführer den Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma, weil Rom nicht auf die Forderung eines Abzugs seiner Truppen aus dem Irak eingeht.
Großbritannien/Irland
25. November 2005: Der britische Professor und Friedensaktivist Norman Kember wird zusammen mit zwei Kanadiern und einem US-Bürger als vermisst gemeldet. Die britische Regierung geht von einer Entführung aus. Das Schicksal der vier Männer ist bisher ungewiss.
19. Oktober 2005: Der irische Journalist Rory Carroll wird entführt. Der Mitarbeiter der britischen Zeitung "Guardian" wird nur 36 Stunden später unverletzt wieder freigelassen.
19. Oktober 2004: Margaret Hassan, Irak-Chefin der Hilfsorganisation CARE, wird in Bagdad gekidnappt. Mehrere Wochen nach ihrer Entführung wird sie vermutlich Mitte November ermordet.
16. September 2004: Der Ingenieur Kenneth Bigley wird zusammen mit zwei US-Bürgern entführt. Auch er überlebt die Geiselnahme nicht. Am 8. Oktober gibt seine Familie bekannt, dass er ermordet wurde.
Osteuropa
28. März 2005: Die drei rumänischen Journalisten Marie-Jeanne Ion, Sorin Miscoci und Eduard Ohanesian werden verschleppt. Ende April fordern ihre Kidnapper den Abzug der rumänischen Soldaten; trotz der Weigerung Bukarests kommen die Geiseln am 22. Mai wieder frei.
11. April 2004: Die drei tschechischen Journalisten Michal Kubal, Petr Klima und Vit Pohanka werden von Unbekannten verschleppt. Fünf Tage später wird das Trio wieder freigelassen.
9. Juli 2004: Zwei bulgarische Lastwagenfahrer werden entführt. Später werden die enthaupteten Leichen der beiden gefunden.
27. Oktober 2004: Die 54-jährige Teresa Borcz-Halifa wird entführt. Die gebürtige Krakauerin ist mit einem Iraker verheiratet und lebte seit mehr als 30 Jahren im Irak. Nach dreiwöchiger Geiselhaft kommt sie wieder frei. (apa)
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