Montag, 12. Dezember 2005

SP ist der Gewinner bei den Wien-Wahlen: Häupl baut Absolute aus! FP verliert nur 5%

  • Beteiligung geringer: Nur rund 60% an den Urnen
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In Wien sind mit der Gemeinderatswahl vom 23. Oktober die Verhältnisse von vor der Ära Haider fast wieder hergestellt: Die SPÖ hat zwar die 50-Prozent-Marke nicht genommen, aber ihren Platz als erste ausgebaut. Die ÖVP liegt wieder, wie zuletzt vor der Wahl 1991, auf dem zweiten Platz, die FPÖ auf dem dritten, die Grünen auf dem vierten Platz. Das von der FPÖ abgespaltene BZÖ blieb bei der ersten Kandidatur in der Bundeshauptstadt unter der Wahrnehmungsgrenze.

Bei der Wahl 1991 hatten die Veränderungen der Kräfteverhältnisse, die Jörg Haider mit der damals seit fünf Jahren von ihm geführten FPÖ schaffte, auch in Wien voll durchgeschlagen: Die SPÖ fiel damals erstmals seit 1945 unter die 50-Prozent-Marke, die ÖVP wurde von der FPÖ auf den dritten Platz verwiesen. Bei der Wahl 1996 fielen SPÖ (39,15 Prozent) und ÖVP (15,26 Prozent) dann auf den historischen Tiefststand; die SPÖ verlor die - zunächst noch gehaltene - Mehrheit der Mandate im Gemeinderat und selbst die Grünen verloren ein wenig, während die FPÖ mit 27,94 Prozent nie da gewesene Höhen erreichte.

Die Bildung der schwarz-blauen Koalition im Bund beendete diese Entwicklungen. Bei der Wien-Wahl im Frühjahr 2001 holte sich die SPÖ die Absolute in Mandaten zurück, die Grünen legten kräftig, die ÖVP leicht zu - und die FPÖ verlor fast 30 Prozent ihrer Wähler.

Bei der Wahl 2005 wurden die früheren Machtverhältnisse fast wieder hergestellt. In den Stimmenanteilen liegen SPÖ und ÖVP wieder etwas über den Ergebnissen des Jahres 1991, aber nicht auf dem Stand des Jahres 1987 - wo nur einige Wochen nach Haiders Machtergreifung in Wien gewählt worden war. Die jetzige Strache-FPÖ liegt zwischen den FPÖ-Ergebnissen von 1987 und 1991. Die Grünen, die 1991 erstmals den Einzug in den Landtag geschafft hatten, haben ihre Aufwärtsentwicklung fortgesetzt und heuer ihr bestes Ergebnis seit Gründung eingefahren.

Wien: Schlechtes Pflaster für die ÖVP
Für die ÖVP ist, selbst wenn sie jetzt wieder auf Platz zwei liegt, die rote Hochburg Wien allerdings traditionell ein schlechtes Pflaster. Wien und Kärnten sind die Bundesländer, in denen die ÖVP die mit Abstand schwächsten Ergebnisse einfährt. In allen anderen Ländern liegt die ÖVP über 30 Prozent, in Wien und Kärnten sogar unter 20.

H.-C. Strache mit überraschend gutem Ergebnis
Für die FPÖ war Wien neben Kärnten eine der besten Bühnen für ihren Aufstieg unter Jörg Haider - und hat sich mit der Wahl 2005 auch als mögliche Bühne der Konsolidierung der Partei unter Heinz-Christian Strache erwiesen. An die 27,94 Prozent des Jahres 1996 - dem nach Kärnten besten Landes- und Bundesergebnis für die Freiheitlichen seit ihrer Gründung - kamen die Wiener Freiheitlichen am 23. Oktober allerdings nicht heran. Nicht einmal halb so viele Wiener wie damals haben sich jetzt für die FPÖ entschieden.

Grüne Hochburg Wien
Eine Hochburg ist Wien auch für die Grünen: 1987, bei ihrem zweiten Antreten, schafften sie den Einzug in den Gemeinderat, den sie seither nicht mehr verlassen mussten. Die Wahl 2001 brachte ihnen ihr historisches Hoch von 12,45 Prozent, am 23. Oktober setzte es den nächsten Landes-Rekord. Für das österreichweit beste Landtagswahlergebnis - die 15,59 Prozent in Tirol - reichte es allerdings nicht.

Grüne holen zweiten Bezirksvorsteher
Aus den Wiener Bezirksvertretungswahlen sind die Grünen neben der dominierenden SPÖ als große Gewinner hervorgegangen. Sie wurden in zwei Bezirken stimmenstärkste Partei und stellen damit nicht mehr nur in Neubau, sondern auch in der Josefstadt den Vorsteher. In fünf Bezirken eroberten sie erstmals den zweiten Platz. Wien-weit betrachtet waren die Grünen erfolgreicher als bei der Gemeinderatswahl, denn sie konnten der FPÖ den dritten Platz bei Stimmen und Mandaten abnehmen. (apa)

12.12.2005 12:45