Montag, 12. Dezember 2005

Burgenland wurde noch etwas "röter": SPÖ holte erstmals seit 1987 wieder Absolute!

  • Zuwachs auf für die ÖVP, Grüne & FPÖ verlieren
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Noch etwas "röter" ist das seit 40 Jahren SPÖ-dominierte Burgenland mit der Landtagswahl am 9. Oktober geworden. Denn die SPÖ unter LH Hans Niessl hat es geschafft, die 1987 verloren gegangene Absolute in Stimmen und Mandaten wiederzuerobern. Der ÖVP gelang ihr erster Zuwachs im Lande seit 1956. Dennoch liegt sie fast 16 Prozentpunkte hinter der SPÖ. FPÖ und Grünen gelang es, im Landtag zu bleiben - wobei die FPÖ kräftige Einbußen, die Grünen geringfügige Verluste hinnehmen mussten. Das im Frühjahr gegründete BZÖ trat im Burgenland nicht an.

Das Burgenland ist - neben Wien, Salzburg und Steiermark - eines der vier derzeit roten Bundesländer. Dort hatte sich 1964 der erste Machtwechsel der Zweiten Republik von der ÖVP zur SPÖ abgespielt. Seither war die SPÖ unangefochten stimmenstärkste Partei.

Bei den fünf ersten Wahlen der Zweiten Republik - von 1945 bis 1960 - wählten die Burgenländer "schwarz"; zwei Mal errang die ÖVP in diesen Jahren - in denen von 1945 bis 1956 auch die KPÖ und seit 1949 die FPÖ im Landtag vertreten waren - sogar die absolute Mehrheit. Danach ging es ständig bergab - bis 1964 die SPÖ schließlich stimmenstärkste Partei wurde.

Die SPÖ startete 1964 - unter Hans Bögl - mit der relativen Mehrheit und wurde dann unter Theodor Kery vier Mal mit der "Absoluten" ausgestattet. Diese verlor sie 1987 nach einer kräftigen Niederlage bei gleichzeitig deutlichem Zugewinn der FPÖ. Seither lag die SPÖ deutlich unter 50 Prozent; ihren bisher letzten Stimmenverlust musste sie 1996 hinnehmen.

Im Jahr 2000 hatte sie überraschend schon wieder zugelegt - obwohl eigentlich die ÖVP gehofft hatte, wieder die Mehrheit zu schaffen. Das gelang ihr nicht; sie verlor noch geringfügig und ging somit mit ihrem historisch schlechtesten Ergebnis in die heutige Wahl.

Deutliche Verluste für die FPÖ
Die FPÖ war im Burgenland nicht durchgehend im Landtag vertreten. Bei drei Wahlen - 1968, 1977 und 1982 - gelang es ihr nicht, ein Mandat zu erringen. In der Ära Haider legten die Freiheitlichen - wie in den anderen Ländern auch - zu, bis auf fast 15 Prozent. 2000 mussten sie bereits einen ersten, noch relativ glimpflichen, Verlust hinnehmen. Diesmal verabschiedeten sich mehr als 50 Prozent ihrer früheren Wähler, obwohl das BZÖ gar nicht antrat.

Leichte Verluste für die Grünen
Den Grünen gelang es im Burgenland erst bei der vorigen Wahl, Landtagspartei zu werden. Die Landtagswahl bescherte ihnen nach einer langen Serie von Erfolgen seit dem Jahr 2000 das zweite Minus nach der Steiermark in der Vorwoche.

32 von 36 Stimmen für Niessl
Der burgenländische Landtag hat bei seiner konstituierenden Sitzung am 25. Oktober Hans Niessl (S) zum Landeshauptmann gewählt. Niessl, der damit seine zweite Amtsperiode antrat, erhielt 32 Ja-Stimmen, drei Mandatare stimmten mit Nein, eine Stimme war ungültig. Niessl ist der fünfte SPÖ-Landeshauptmann seit 1964.

Im neuen Landtag stellt die SPÖ 19 Mandatare und verfügt damit über die absolute Mehrheit. Die ÖVP entsendet 13 Abgeordnete, die Freiheitlichen und die Grünen verfügen jeweils über zwei Mandate.

Nach der Einigung auf ein Kooperationsabkommen hatte die ÖVP angekündigt, Niessl zum Landeshauptmann zu wählen. Die Freiheitlichen hatten auf die Teilnahme an Parteiengesprächen verzichtet, mit den Grünen kam es zu keinem Abkommen. (apa/red)

12.12.2005 12:29