Regierungswechsel in der Steiermark: Erd- rutschsieg für die SP, Voves wird neuer LH!
- FPÖ fliegt aus dem Landtag, KPÖ zieht wieder ein
- Klasnic dankt ab, Voves neuer LH. PLUS: Ergebnisse
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ÖVP verlor direkt zur SPÖ
- Voves holte 15% auf
Zum zweiten Mal seit 1945 ist die SPÖ nach der Landtagswahl vom 2. Oktober stimmenstärkste Partei in der Steiermark. 1953, wo sie auch - sehr knapp um 0,4 Prozentpunkte - vor der ÖVP lag, blieb das Ergebnis aber folgenlos. Die ÖVP sicherte sich auch damals den Landeshauptmannsessel. 2005 sah dies anders aus. Es folgte der erste wirkliche Machtwechsel seit 1945. Franz Voves löste Waltraud Klasnic als Landeshauptmann ab. Die FPÖ, seit dem ersten Antreten 1949 durchgehend Landtagspartei, flog aus dem Landesparlament. Dafür zog die KPÖ - zuletzt 1970 dort vertreten - wieder ein.
Der Abstand zwischen den beiden Großparteien ist diesmal ein wesentlich größerer als 1953: Um 3,01 Prozentpunkte liegt die SPÖ vorne. Sie hat massiv aufgeholt. 2000 war es der ÖVP unter Waltraud Klasnic nämlich gelungen, den 1995 fast auf Null geschrumpften Abstand wieder auf 14,97 Prozentpunkte auszuweiten.
Der SPÖ - die mit dem historisch schlechtesten Ergebnis von 32,32 Prozent in die Wahl ging - gelang es damit erstmals seit 1981 wieder, über die 40 Prozent zu kommen. Nur mehr etwas mehr als ein Prozentpunkt trennt sie von dem Ergebnis vor den Verlusten der Ära Haider. Die 41,67 Prozent sind das fünft beste Ergebnis der SPÖ in den nunmehr 15 Landtagswahlen in der Steiermark.
Die ÖVP fiel nach dem vorübergehenden Hoch wieder auf das zweit-schlechteste Ergebnis seit 1945 (1995 waren es noch weniger) zurück; sie muss auch den - nach 1949 - zweitgrößten Verlust verdauen.
Herbe Verluste für die FPÖ
Das zweit-schlechteste Ergebnis der Zweiten Republik fuhr auch die FPÖ ein - allerdings mit dem größten Verlust, den sie je in der Steiermark hinnehmen musste. Wobei freilich 1,72 Prozent an das BZÖ gingen, das sich im Frühjahr von der FPÖ abgespalten hat und nun erstmals bei einer Landtagswahl antrat. Die FPÖ alleine betrachtet fiel in der Steiermark - wie zuvor nur in Salzburg - erstmals auch auf den Stimmenanteil vor der Ära Haider zurück. 4,59 Prozent waren es 1986, als wenige Wochen nach der Kür Haiders zum Bundesparteichef der Landtag gewählt wurde - und am 2. Oktober kam sie nur mehr auf 4,56 Prozent.
Grüne fahren erstes Minus seit 1999 ein
Für die Grünen war die Geschichte in der Steiermark bisher schon wechselhaft - und blieb es auch: Die Steirer bescherten den Grünen das erste Minus seit 1999. Den Verbleib im Landtag schafften sie allerdings. 1991, bei ihrem zweiten Antreten, war ihnen das nicht gelungen: Damals verloren sie ihre zwei Mandate. Die 4,73 Prozent vom 2. Oktober liegen genau in der Mitte der bisher fünf Wahlen, an denen die Grünen teilnahmen.
Sensationserfolg für Kaltenegger-KPÖ
Einen sensationellen Sieg fuhr die KPÖ bei der Landtagswahl ein: Sie schaffte mit 6,34 Prozent den höchsten Stimmenanteil seit 1945 und - ausgehend von den 1,03 Prozent der letzten Wahl - das größte Plus von 5,31 Prozentpunkten. Der Stimmenzuwachs war der größte, den je eine Partei bei Wahlen schaffte: Die KPÖ bekam mehr als sechs Mal mehr Stimmen als 2000. Erstmals seit 35 Jahren sitzt die KPÖ nun wieder im Landtag - wie zuvor schon von 1945 bis 1953 und von 1961 bis 1970.
Voves neuer LH
Bei der konstituierenden Sitzung des steirischen Landtags ist SPÖ-Landeschef Franz Voves am 25. Oktober zum Landeshauptmann gewählt worden. Voves erhielt die Stimmen von SPÖ, Teilen der ÖVP und - einigermaßen überraschend - der KPÖ, nur die Grünen enthielten sich. Von 56 Abgeordneten stimmten 45 für Voves, der damit der erste gewählte sozialdemokratische Landeshauptmann der Steiermark ist. Am 28. Oktober wurde er in der Wiener Hofburg durch Bundespräsident Heinz Fischer angelobt.
Klasnic zieht sich aus Politik zurück
Landesrat Hermann Schützenhöfer wird zum Landeshauptmann-Stellvertreter gewählt. Waltraud Klasnic ist nach der Wahlniederlage auf dem politischen Abstellgleis. Im März 2006 soll Schützenhöfer Klasnic auch an der Parteispitze ablösen. (apa/red)
