Sonntag, 5. November 2006

Von Monarchie über Diktatur zur Demokratie: Die Geschichtes des Iraks

Die irakische Staatlichkeit ist das Ergebnis des britisch-französischen Sykes-Picot-Geheimabkommens (1916), das während des Ersten Weltkriegs die Interessensphären der Siegermächte nach der Zerstückelung des Osmanischen Reiches festlegte und das Entstehen eines gesamtarabischen Staates verhinderte. Die Araber hatten Mesopotamien im 7. Jh. erobert, das zum Mittelpunkt des Bagdader Kalifats der Abbasiden (750-1258) wurde. Im 16. Jh. kam das Gebiet unter türkische Herrschaft.

1917 - Erster Weltkrieg: Britische Truppen bringen die osmanischen Provinzen Basra, Bagdad und Mossul unter ihre Kontrolle.
1920 - Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches erhält Großbritannien auf der Konferenz von San Remo ein Mandat für
den Irak und Palästina (Frankreich für Syrien und Libanon).
1921 - Errichtung der irakischen Monarchie unter König Faisal I.
(Sohn des erblichen Großscherifs von Mekka) aus der
Haschemiten-Dynastie. (Sein Bruder Abdullah wird
Emir von Transjordanien, später erster König von
Jordanien).
1926 - Die "Iraq Petroleum Co." (unter britisch-amerikanischer
Dominanz) erwirbt die Ölkonzessionen.
1930 - Britisch-irakisches Bündnisabkommen mit 25-jähriger Dauer.
1932 - Ende des Mandats und Aufnahme des Irak in den Völkerbund - Souveränität bleibt durch britische Vorrechte beschränkt.
1941 - Staatsstreich achsenfreundlicher Kräfte wird von den Briten niedergeschlagen. Ministerpräsident Gailani flüchtet nach Nazi-Deutschland.
1945 - Der Irak ist Gründungsmitglied der Arabischen Liga.
1948 - Teilnahme am ersten arabisch-israelischen Krieg.
1955 - Nach Auslaufen des Bündnisvertrages mit Großbritannien
pro-westlicher "Bagdad-Pakt" (Irak, Türkei, Großbritannien,
Pakistan, Iran).
1958 - Kurzfristiger Zusammenschluss Irak-Jordanien zur "Arabischen Föderation" (als Gegengewicht zur "Vereinigten Arabischen Republik" Ägypten/Syrien).
- 14. Juli 1958: Blutiger Putsch und Sturz der Monarchie
(König Faisal II., Enkel von Faisal I., wird ermordet) -
linksgerichtete Militärdiktatur unter General
Abdelkarim Kassem - Ende der "Arabischen Föderation" und
Austritt aus dem Bagdad-Pakt
1961 - Mit Hilfe des US-Geheimdienstes Beginn des Kurden-Aufstands im Nordirak.
1963 - Sturz und Ermordung von General Kassem.
General Abdessalam Aref wird Staatschef (er verunglückt 1966
tödlich und wird durch seinen Bruder Abdelrahman ersetzt).
1967 - Teilnahme am Juni-Krieg (Sechs-Tage-Krieg) gegen Israel.
1968 - Machtergreifung der Baath-Partei unter General
Ahmed Hassan al-Bakr -
Der junge Saddam Hussein wird Vize-Staatschef.
1971 - Waffenstillstand mit den Kurden - "Nationaler Pakt"
zwischen Baath-Partei, Kommunisten und Kurden-Partei KDP
für einen "volksdemokratisch-sozialistischen Einheitsstaat"
1972 - Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion
1974/75 - Wiederaufnahme des Kurdenkrieges (bis 1986 werden mehr als eine Million Kurden zwangsumgesiedelt)
1975 - Beilegung des Grenzkonflikts mit dem Iran im Schatt-el-Arab
1979 - Saddam Hussein löst General Bakr als Staatspräsident
ab.
- Der Irak an der Spitze der "Ablehnungsfront" gegen
ägyptisch-israelischen Separatfrieden von Camp David -
Beitritt zur Bewegung der Blockfreien
1980 - Irakischer Angriff auf den Iran:
Erster Golfkrieg (bis 1988)
1990 - Irakischer Überfall auf Kuwait (2. August)
1991 - Zweiter Golfkrieg, Errichtung von "Flugverbotszonen"
durch USA und Großbritannien, UNO-Sanktionen
1998 - Abzug der UNO-Waffeninspektoren
2002 - Rückkehr der UNO-Kontrollore. UNO-Resolution 1441
verpflichtet Bagdad zur Offenlegung aller Waffenprogramme.
2003 - Ohne UNO-Mandat beginnen die USA mit ihren Verbündeten Feldzug gegen den Irak und besetzen das Land.
2004 - Einsetzung einer Übergangsregierung und offizielles
Ende der Okkupation.
2005 - Wahl einer konstituierenden Nationalversammlung.
Der Kurde Jalal Talabani wird Staatspräsident,
der schiitische Politiker Ibrahim al-Jaafari Premier.
Annahme einer föderalistischen Verfassung.

(apa/red)

5.11.2006 10:59