Sonntag, 18. Dezember 2005

Sorge um Ariel Sharon: Israels Premier nach leichtem Schlaganfall im Krankenhaus

  • Mediziner: Keine bleibenden Schäden für 77-Jährigen
  • Ministerpräsident führt Amtsgeschäfte aus Spital weiter

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat eine ruhige Nacht im Krankenhaus verbracht und soll nach seinem leichten Schlaganfall voraussichtlich noch Dienstagnachmittag entlassen werden. Das teilte das Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem mit. Am Vormittag werde der 77-Jährige nochmals untersucht. Die Ärzte gingen von einer vollständigen Genesung des Regierungschefs aus.

Die Zeitung "Haaretz" veröffentlichte am Sonntagabend auf ihrer Webseite ein Zitat aus einem Gespräch mit Sharon. Darin versichert der Regierungschef, dass es ihm gut gehe. "Offensichtlich hätte ich ein paar Tage frei nehmen sollen", wird Sharon zitiert. "Aber wir setzen unseren Weg vorwärts fort", setzte er in einer Anspielung auf seine neugegründete Partei Kadima (Vorwärts) hinzu. Ende März wird in Israel das Parlament neu gewählt.

Kabinettsekretär Yisrael Maimon sagte, Sharon führe die Amtsgeschäfte vom Krankenhausbett weiter. "Er hat selbst gebeten, noch heute Nacht entlassen zu werden. Die Ärzte haben aber vorgeschlagen, ihn zur Beobachtung da zu behalten", sagte er. Die Frage nach einer Stellvertretung stelle sich nicht.

Krankenhausdirektor Yuval Weiss teilte mit, bei der Untersuchung in der Notaufnahme sei festgestellt worden, dass eine Operation nicht erforderlich sei. Sharons Arzt Boleslaw Goldman teilte mit, Sharon werde mit blutgerinnungshemmenden Mitteln behandelt. Der 77-Jährige habe keine bleibenden Schäden durch den Schlaganfall erlitten. Fernsehberichten zufolge scherzte Sharon bereits wieder mit den Ärzten: "So schnell werdet ihr mich nicht los."

Der 77-jährige Sharon hatte sich nach dem Ende einer Arbeitssitzung nicht wohl gefühlt, berichteten zuvor israelische Medien. Alle Straßen rund um das Krankenhaus wurden abgeriegelt, als Sharon dort in die Notaufnahme gebracht wurde. Seine Söhne Omri und Gilead eilten ins Krankenhaus.

Im Krankenhaus trafen Genesungswünsche aus aller Welt ein. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas wünschte Sharon ebenso eine rasche Erholung wie die US-Regierung. Im Gaza-Streifen bejubelten dagegen einige Palästinenser die Nachricht von der Erkrankung des israelischen Ex-Generals und feuerten Freudenschüsse in die Luft. "Tod Sharon", riefen einige. Ultra-konservative Juden, die Sharon mit der Auflösung aller israelischen Siedlungen in dem Palästinenser-Gebiet gegen sich aufgebracht hatte, beteten für seinen Tod.

Der schwer gewichtige Ministerpräsident wirkte nach dem innenpolitisch heftig umstrittenen Gaza-Abzug Israels, der im September abgeschlossen wurde, wiederholt abgespannt. Über eine angeschlagene Gesundheit Sharons war aber nichts bekannt. Im Juli hatte Sharon mit einem Lächeln Gerüchte zurückgewiesen, er habe einen Herzinfarkt erlitten. Experten zufolge hatte seit Staatsgründer David Ben-Gurion kein Politiker in Israel ein so dominierende Rolle eingenommen wie Sharon. "Der Moment, in dem er stirbt, wird alles verändern", sagte Shmuel Sandler von der Bar-Ilan-Universität.

Sharon hatte nach dem Zerwürfnis über den Gaza-Abzug im vergangenen Monat den von ihm gegründeten Likud-Block verlassen und seine neue Partei Vorwärts gegründet. Mit ihr will er bei der vorgezogenen Parlamentswahl antreten und erneut Ministerpräsident werden. Die Partei liegt in den Umfragen klar vorn.

Der 1928 in Palästina geborene Sharon ist seit 6. Februar 2001 Ministerpräsident, am 28. Jänner 2003 wurde er wiedergewählt. Lange Zeit verfocht Sharon als General und Politiker eine harte Linie gegen die arabischen Staaten und im Umgang mit den Palästinensern. Im Fall einer Wiederwahl will Sharon Friedensprozess mit den Palästinensern fortsetzen und dafür auch israelische Siedlungen im Westjordanland aufgeben.

(apa/red)

18.12.2005 19:55