Sonntag, 18. Dezember 2005

Verheugen: "Österreichs Präsidentschaft
muss Antworten auf große Fragen geben"

  • Ex-Kommissar legt Latte für Kanzler Schüssel hoch
    Vize-Präsident sieht Krise der EU nicht überwunden
  • Zentrales Thema wird Aufnahmefähigkeit der EU sein
    PLUS: Jacques Chirac will totale Unions-Erneuerung

Der Vizepräsident der EU-Kommission, Verheugen, sieht die EU auch nach dem jüngsten Finanzkompromiss in einer schwierigen Situation. "Die Krise der EU ist nach diesem Gipfel noch nicht bewältigt", sagte Verheugen der "Bild am Sonntag". "Die österreichische Präsidentschaft muss jetzt Antwort auf die großen Fragen geben. Dazu gehört vor allem: Wie viele Mitglieder kann die EU noch verkraften?"

Verheugen kritisierte zudem Polens Ministerpräsidenten Kazimierz Marcinkiewicz, der den deutschen Verzicht auf 100 Millionen Euro zu Gunsten von Polen mit den Worten kommentiert habe, der Sieg schmecke wie guter französischer Champagner. Verheugen sagte dazu: "Mein Rat an Polen wäre, sich immer der Tatsache bewusst zu sein, dass es ohne eine vorbehaltlose Unterstützung der deutschen Regierung 2004 keinen EU-Beitritt (Polens) gegeben hätte." Der deutsche Sozialdemokrat war als EU-Erweiterungskommissar (1999-2004) maßgeblich an der erfolgreichen Vorbereitung und Durchführung der größten Erweiterung in der Geschichte der Union um zehn Staaten beteiligt gewesen.

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder hatten am Samstag in der Früh unter deutscher Vermittlung einen Kompromiss im EU- Budgetstreit gefunden. Österreich übernimmt am 1. Jänner für ein halbes Jahr den Vorsitz im Rat, dem wichtigsten Entscheidungsgremium der Union. (apa)

18.12.2005 08:15