Iranischer Innenminister: Ahmadinejad mit Holocaust-Äußerungen "missverstanden"
- Präsident habe Angelegenheit nicht ansprechen wollen
- Israel-Aussagen aber auch im Iran nicht unumstritten
·Bush: Iran Teil der
"Achse des Bösen"
Präsident Ahmadinejad
eine "reale Bedrohung"
·Iran: "Märchen vom Massaker an Juden"
Ahmadinejad leugnet den Holocaust, greift Israel an
·Weltweite Empörung über Ahmadinejad
Irans Präsident leugnete Massenmord an Juden
Der iranische Innenminister Mostafa Pur Mohammadi hat erklärt, die weltweit verurteilten Äußerungen seines Präsidenten Mahmud Ahmedinejad zu Israel und dem Holocaust seien vom Westen missverstanden worden. Der Präsident habe "diese Angelegenheit nicht ansprechen wollen", sagte Mohammadi am Rand einer Einwanderungskonferenz in Athen.
"Er wollte sagen, wenn gewisse Leute der jüdischen Gemeinschaft Schwierigkeiten bereitet haben, dann sollten sie die Kosten tragen, und es sind nicht andere, die dafür zahlen sollten", erklärte der Minister.
Ahmadinejad propagiert die Vernichtung des Staates Israel. Am Mittwoch hatte er erklärt, die Europäer hätten den "Mythos" vom Holocaust geschaffen und dazu benutzt, in der islamischen Welt einen jüdischen Staat zu errichten.
Widerspruch im Iran gegen Hetze Ahmadinejads
Die israelfeindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad stoßen im Iran keineswegs auf ungeteilte Zustimmung, sondern auch auf offenen Widerspruch. Die im Iran erscheinende Zeitung "Aftab" zitiert den Abgeordneten Moris Motamed, der die jüdische Minderheit im Parlament vertritt, mit kritischen Worten, berichtet die iranische Publizistin Nasrin Bassiri (60) in einem Beitrag für "Spiegel Online".
Die Äußerungen Ahmadinejads seien eine Beleidigung der Juden in der ganzen Welt, betonte Motamed laut "Aftab". Sie seien deplatziert; einmal weil ein Staatspräsident vermeiden sollte, das Verhältnis des Iran zum Rest der Welt zu belasten und den Iran international auszugrenzen, und zweitens weil es offensichtlich sei, "dass eine historische Tragödie dieses Ausmaßes (sechs Millionen unschuldige Menschen wurden ermordet) durch Fotos und Filme dokumentiert ist".
Die Reformpartei "Jebheye Mosharekat" hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Ilna eine Erklärung herausgegeben, in der Ahmadinejad offen kritisiert wird: "Leider werden die Äußerungen Ahmadinejads als offizielle iranische Politik bewertet, die teuer bezahlt werden muss mit politischen und wirtschaftlichen Rückschlägen und einer Gefährdung der nationalen Interessen und der Sicherheit des Landes."
Ahmadinejads Äußerungen werden als "unbegründete Provokation" gebrandmarkt, die "weder den Iranern noch dem unterdrückten palästinensischen Volk" nützen würden: "Es führt nur dazu, den Zusammenhalt des Westens gegen den Iran zu stärken, wie es sich bereits durch zwei aufeinander folgende Verurteilungen der Äußerungen Ahmadinejads durch den Sicherheitsrat der UNO gezeigt hat."
Amir Farshad Ebrahimi, ein im Exil lebender iranischer Journalist, der als Jugendlicher zusammen mit Ahmadinejad in einer Hisbollah-Gruppe tätig war, sagte heute an seine ehemaligen Kampfgenossen gerichtet: "Alle Welt weiß, dass Sie Staatspräsident im Iran geworden sind - nur sie selbst nicht! Sie reden noch so, als ob Sie in einer kleinen Moschee vor eine Gruppe von Revolutionswächtern sprechen, die sie mit Ihren Äußerungen begeistern wollen!"
Auch das iranische Establishment, so Bassiri, werde offenbar unruhig. Einer der mächtigsten Männer im Iran, Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, Vorsitzender des Schlichtungsrats, der zwischen dem von Revolutionsführer Ali Khamenei geführten Wächterrat und der Regierung vermitteln soll, hat die Äußerungen Ahmadinejads jetzt durch die Blume kritisiert. Während eines Freitagsgebets in Teheran hat er mit ungewöhnlich milden Tönen über die Entwicklung im Nahen Osten gesprochen und die Errichtung eines Palästinenserstaats als einen Fortschritt bezeichnet, der fortgesetzt werden sollte.
Auch deshalb brodle es nun in der Teheraner Gerüchteküche, schreibt die in Deutschland lebende Publizistin. Ahmadinejad könne nicht nur wegen seiner ungeschickten Äußerungen in der Außenpolitik, sondern auch wegen innerpolitischer Probleme vorzeitig abgesetzt werden, flüstere man sich zu. "Seinen Ölminister - wichtigste Figur im Kabinett - konnte er vor einer Woche erst im vierten Wahlgang mit knappem Ergebnis im Parlament durchsetzen. Einem Präsidenten, der fest im Sattel sitzt, wäre das nicht passiert", so Bassiri. (apa/red)
