Dienstag, 13. Dezember 2005

Mega-Wahltag in Tansania: Es wurde über
Präsidenten und über Parlament abgestimmt

  • Minister Kikwete Favorit für das Präsidentenamt
  • Zwischenfällen auf halbautonomen Sansibar-Inseln

Die Wähler in Tansania haben am Mittwoch über einen neuen Präsidenten abgestimmt. Favorit war Umfragen zufolge Außenminister Jakaya Kikwete von der seit vier Jahrzehnten regierenden Partei CCM. Auf den zu Tansania gehörenden Sansibar-Inseln kam es zu Ausschreitungen zwischen der Polizei und Oppositionellen, die Wahlfälschung vermuten. Die Ergebnisse werden für Donnerstag oder Freitag erwartet.

Kikwete wirkte bei der Stimmabgabe gesund, nachdem er am Dienstag bei seiner letzten Veranstaltung in diesem Wahlkampf erschöpft zusammengebrochen war. "Ich bin zuversichtlich, dass ich gewinnen werde", sagte der 55-Jährige in seiner Heimatstadt Chalinze. Tatsächlich lag er in Umfragen weit vor seinen neun Gegenkandidaten. Er hat angekündigt, die marktwirtschaftlich orientierte Politik seines Vorgängers, Benjamin Mkapa, fortzuführen.

Zu Zwischenfällen kam es auf den halbautonomen Sansibar-Inseln, auf denen die Opposition traditionell besonders stark ist. Auf der Insel Unguja hinderten Anhänger der Partei CUF mit Gewalt Wähler an der Stimmabgabe, die ihrer Darstellung nach nicht dort wohnen. "Die Paramilitärs bringen Scheinwähler hierher und unsere jungen Männer haben reagiert. Ich sah sie in die Luft schießen", sagte ein CUF-Kandidat. Einem Mann wurde ins Bein geschossen.

Die CUF kritisierte auch, dass viele Bürger mehrmals Stimmen abgegeben hätten. Zudem seien fünf Parteimitglieder am Vorabend der Wahl festgenommen worden. Eine Gruppe einheimischer Journalisten berichtete, Sicherheitskräfte hätten sie angepöbelt und Augenzeugen geschlagen. "Wir sahen, wie sie Leute vor einem Cafe schlugen. Sie verboten uns, Bilder aufzunehmen, und sagten, sie würden uns fertig machen, wenn wir unsere Kameras in die Hand nähmen." Die Polizei wollte zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen.

Der gegenwärtige Präsident Mkapa tritt nach zwei Amtsperioden in Übereinstimmung mit der Verfassung nicht mehr an. Damit ist er bei afrikanischen Staatschefs eher die Ausnahme. Meist haben diese versucht, ihre Macht mit allen Mitteln zu behalten. Es sind die dritten Mehr-Parteien-Wahlen in Tansania seit der Unabhängigkeit 1961. Unter dem sozialistischen Gründungsvater des Landes, Julius Nyerere, vereinigten sich die Inseln Sansibar im Indischen Ozean mit dem Staat Tanganjika 1964 zu Tansania.

(apa)

13.12.2005 22:23