Dienstag, 13. Dezember 2005

Irakisches Volk wählte neues Parlament: Landesweit rege Beteiligung an Urnengang

  • Das Ergebnis liegt frühestens in zwei Wochen vor
  • Nur wenige Zwischenfälle: Drei Tote bei Anschlägen

Bei der Parlamentswahl im Irak haben am Donnerstag offenbar mehr als 70 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Zunächst lagen noch keine offiziellen Zahlen vor, doch der Vorsitzende der Wahlkommission, Farid Ayar, sagte gegenüber dem Nachrichtensender Al-Arabiya, etwa zehn bis elf der 15 Millionen registrierten Wähler hätten ihre Stimme abgegeben. US-Botschafter Zalmay Khalilzad betonte, die Zahl der Wähler sei "sehr, sehr hoch" gewesen. Mit dem amtlichen Wahlergebnis wird in rund zwei Wochen gerechnet.

Ayar warnte die Medien davor, den Berichten einzelner Parteien über Teilergebnisse Glauben zu schenken. Ein Al-Arabiya-Reporter in der Provinz Diyala berichtete, das Wahlbündnis von Ex-Regierungschef Iyad Allawi habe in Diyala sehr gut abgeschnitten.

Ein Mitglied der Wahlkommission in der südlich von Bagdad gelegenen Provinz Babylon sagte, in dem mehrheitlich von Schiiten bewohnten Landesteil hätten 70 Prozent der Wähler für die religiöse Schiiten-Allianz gestimmt, die bereits im Übergangsparlament die größte Fraktion gestellt hatte. Das Kommissionsmitglied, das seinen Namen nicht veröffentlicht sehen wollte, sagte, Allawi habe mit seinem überkonfessionellen Bündnis in Babylon 17 Prozent erhalten. Auf Platz Drei sei mit zehn Prozent die sunnitische Irakische Einigungsfront gelandet.

Auszählung hat begonnen
In tausenden Wahllokalen begann am Freitag die Auszählung der Stimmen. In Lastwagen wurden die transparenten Urnen nach dem Zählen in Lagerhäuser in den Provinzen gebracht. Das landesweite Fahrverbot blieb vorläufig in Kraft, die Menschen machten sich zu Fuß auf den Weg in die Moscheen. Die Polizei teilte mit, dass im schiitischen Bagdader Stadtteil Kazimiyah fünf Leichen gefunden worden seien. Die Toten hätten Uniformen des Innenministeriums und der irakischen Streitkräfte getragen.

Der australische Ministerpräsident John Howard meinte am Freitag, die hohe Wahlbeteiligung rechtfertige die Entscheidung der alliierten Truppen, den Irak anzugreifen. Der Premier fügte hinzu, er bewundere das Streben der Iraker nach Demokratie. "Das ist eine Rechtfertigung für die Bemühungen, dem Irak die Demokratie zu bringen, und eine Rechtfertigung für die Ziele der Koalition."

(apa)

13.12.2005 16:54