Donnerstag, 15. Dezember 2005

EU-Präsidentschaft und ihre Auswirkungen: Wifo glaubt an massive Zusatzeinnahmen!

  • Profit für Tourismus, Gastronomie, Kongresswirtschaft
  • IHS dämpft: "Effekte werden nicht ins Gewicht fallen"

Die EU-Präsidentschaft Österreichs im ersten Halbjahr 2006 wird der heimischen Wirtschaft einige Zusatzeinnahmen bescheren, glaubt das Wirtschaftsforschungsinstitiut (Wifo). Das Institut für Höhere Studien (IHS) erwartet hingegen kaum Effekte.

Im ersten Halbjahr 2006 seien ähnliche positive Effekte auf die Wirtschaft wie im zweiten Halbjahr 1998 während der ersten EU-Präsidentschaft Österreichs zu erwarten, sagte der Wifo-Tourismusexperte Egon Smeral zur APA. Damals flossen laut Wifo 189 bis 400 Mio. Euro mehr in den österreichischen Wirtschaftskreislauf, als dies ohne EU-Vorsitz zu erwarten gewesen wäre. Besondere Nutznießer waren der Tourismus, die Gastronomie und die Kongresswirtschaft. Neben Hotel- und Catering-Betrieben sowie Restaurants profitierten auch Mietwagenfirmen von der EU-Präsidentschaft.

40 Prozent des Wachstums bei Auslandsgästen im österreichischen Tourismus waren 1998 laut Wifo auf den "Präsidentschaftseffekt" zurückzuführen. In der österreichischen Tourismuswirtschaft wurde laut Wifo im 2. Halbjahr 1998 ein Beschäftigungsplus von 3.200 Personen verzeichnet. Im zweiten Halbjahr 1997 betrug das Plus vergleichsweise 700 Beschäftigte. Insgesamt bescherte die EU-Präsidentschaft Österreich im zweiten Halbjahr 1998 2.800 temporäre zusätzliche Vollarbeitsplätze.

Besonderen Nutzen aus der EU-Präsidentschaft und im speziellen aus dem intensivierten Konferenztourismus im Umfeld der EU-Präsidentschaft könnte neuerlich die Bundeshauptstadt Wien ziehen. Die letzte EU-Präsidentschaft im Jahr 1998 bescherte Wien damals einen Tourismusrekord von 7,7 Mio. Gästenächtigungen (plus 5,6 Prozent). 1998 waren laut Wifo-Umfrage zwei Drittel der Konferenztouristen im Umfeld der Präsidentschaft in Vier- oder Fünfsternhotels untergebracht. Fünf Prozent der Teilnehmer legten auf dem Weg zum Tagungsort einen Zwischenaufenthalt in Österreich ein, acht Prozent schlossen an die Konferenz einen Zusatzaufenthalt an.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Österreich lag bei 3,8 Tagen und 3,2 Nächten. Die Ausgaben der Kongresstouristen im Umfeld der EU-Präsidentschaft lagen laut Wifo bei 269 Euro pro Kopf und Nacht. 80 Prozent der befragten Tagungsteilnehmer aus dem Ausland gaben damals an, dass sie Österreich bzw. die Region der Tagung in Zukunft wieder besuchen wollten. Während der EU-Präsidentschaft 1998 fanden in Österreich insgesamt mehr als 140 Tagungen und Konferenzen statt, allein in der Hofburg wurden 54 Konferenzen abgehalten.

IHS: "Effekte werden nicht ins Gewicht fallen"
"Die Effekte der EU-Präsidentschaft Österreichs werden für die Wirtschaft nicht ins Gewicht fallen", meint hingegen IHS-Wirtschaftsexperte Ulrich Schuh. Es werde zwar einen gewissen, nicht exakt messbaren "Werbeeffekt" für Österreich geben, der Präsidentschaftseffekt auf die Gästenächtigungen werde äußerst gering und daher zu vernachlässigen sein.

1998 habe Österreich stärker von der Präsidentschaft profitieren können, da Österreich neu in der EU gewesen sei und der Wahrnehmungseffekt eine gewisse Rolle gespielt habe, sagte Schuh zur APA. Außerdem hätten die EU-Gipfel damals noch in Wien getagt, seit 2003 finden diese hingegen nicht mehr in den Präsidentschaftsländern statt. Auch die Zahl der informellen Treffen während der Präsidentschaft sei relativ gering, mit einem großen Plus bei den Nächtigungen sei daher nicht zu rechnen. (apa)

15.12.2005 16:08