Österreichern fehlt "Europa-Euphorie": EU-Stimmung seit Beitritt von Skepsis geprägt!
- Bei Zustimmung zu EU & Erweiterung Schlusslicht
- INFOGRAFIK: Vertrauen in die EU nach Ländern!
·EU-Zustimmung: Österreich Schlusslicht
Infografik: Bürger wollen auch keine Erweiterung
Auch knapp vor der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Österreich zeigt eine neue Meinungsumfrage ein noch weiter verschlechterte Einstellung der Österreicher zur Europäischen Union. Bei der Frage nach Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft ist Österreich mittlerweile Schlusslicht der 25 EU-Staaten, ebenso bei der Befürwortung neuer EU-Mitglieder. Dies geht aus der Eurobarometer-Herbstumfrage der EU-Kommission hervor.
Allgemein hat sich das Meinungsklima in der EU im Vergleich zum Frühjahr nach der Verfassungskrise und dem Streit um den EU-Haushalt verschlechtert, wie die Umfrage zeigt. Die zuständige EU-Kommissarin Margot Wallström kritisierte, die Bürger hätten "zu viel Egoismus der Mitgliedstaaten erlebt, und zu wenig Vision und Solidarität". Die EU müsse "Entschlossenheit zeigen, um die Herzen ihrer Bürger zurückzugewinnen".
EU-Mitgliedschaft nur für 50% eine gute Sache
Die Frage, ob die EU-Mitgliedschaft "eine gute Sache" ist, beantwortete im europaweiten Schnitt nur jeder Zweite mit Ja. In Österreich sind 32 Prozent der Befragten dieser Ansicht, und damit weniger als in Großbritannien (34 Prozent) und Lettland (36 Prozent). Auch Finnland, das nach Österreich in der zweiten Hälfte 2006 den EU-Ratsvorsitz übernimmt, liegt mit einer EU-Zustimmung von 38 Prozent im unteren Drittel. Am höchsten ist die Unterstützung der eigenen EU-Mitgliedschaft in Luxemburg (82 Prozent), Irland (73 Prozent). und den Niederlanden (70 Prozent).
Nur 35 Prozent der Österreicher sind der Meinung, dass die EU-Mitgliedschaft für das eigene Land insgesamt Vorteile hat. Damit liegt Österreich auf dem vorletzten Platz, gefolgt nur von Schweden mit 32 Prozent. Im Schnitt sind 52 Prozent der Europäer der Ansicht, dass die Mitgliedschaft ihres Landes in der Union vorteilhaft ist. Die meisten Vorteile erwarten sich Iren (86 Prozent) und Luxemburg (75 Prozent). Österreich ist auch Schlusslicht bei der Frage, ob die Union ein positives Bild abgibt. Nur 24 Prozent der Österreicher bejahen dies, gegenüber 44 Prozent im EU-Durchschnitt.
Nur 49% für weitere EU-Erweiterungsrunde
Weniger als die Hälfte der EU-Bürger (49 Prozent) wünscht sich eine zusätzliche EU-Erweiterungsrunde in den nächsten Jahren. Auch in diesem Punkt rangiert Österreich mit 29 Prozent Zustimmung am Ende der Skala. Niedrig ist die Unterstützung für weitere EU-Beitritte auch in Luxemburg und Frankreich (je 31 Prozent), am höchsten ist sie in Griechenland und Slowenien (je 74 Prozent).
Türkei-Beitritt der EU von 80% abgelehnt
Einen Beitritt der Türkei lehnen in Österreich weiterhin 80 Prozent der Befragten ab, in der gesamten EU sind es 55 Prozent. Mehrheitlich ablehnend ist auch die Haltung der Österreicher gegenüber einer EU-Mitgliedschaft Rumäniens (72 Prozent dagegen) und Bulgariens (69 Prozent dagegen). EU-weit ist die Zustimmung für beide Länder mit 43 bzw. 48 Prozent stärker als eine Ablehnung. Unter Österreichs EU-Vorsitz will die Union im Juni über eine Verschiebung der Beitritte Rumäniens und Bulgariens von 2007 auf 2008 entscheiden.
Für eine EU-Verfassung sprechen sich laut der Umfrage mehrheitlich auch die Franzosen (67 Prozent) und Niederländer (62 Prozent) aus, obwohl die Bevölkerung beider Länder das europäische Grundgesetz im Frühjahr abgelehnt hat. EU-weit sind 63 Prozent der Befragten dafür. Österreich zählt auch in diesem Punkt mit 49 Prozent Zustimmung zum unteren Drittel, gefolgt von Finnland (ebenfalls 49 Prozent), Großbritannien (46 Prozent), Dänemark (45 Prozent) und Schweden (44 Prozent). Die Standard-Eurobarometerumfrage wurde zwischen dem 10. Oktober und 5. November durchgeführt. Insgesamt wurden 29.430 Menschen befragt. (apa)
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