Freitag, 16. Dezember 2005

Verdorbener Fisch bei Cerny und Nordsee: Schon vor drei Jahren Unregelmäßigkeiten!

  • LKA: Ermittlungen auch gegen Magistratsbeamten
  • Lebensmittelpolizei wird die Kontrollen verstärken

Nachdem am Donnerstag aufgeflogen ist, dass es bei der Niederlassung der Cerny und Nordsee FischhandelsgmbH in der Bachstraße in der Stadt Salzburg nicht mit rechten Dingen zugeht, ermittelt das Salzburger Landeskriminalamt weiter. Mitarbeiter würden jetzt zur weiteren Aufklärung einvernommen. Außerdem soll es bei der Nordsee-Niederlasssung in Salzburg schon vor drei Jahren zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein, damals ist es aber zu keiner Anzeige gekommen, wie Chefinspektor Johann Tonis, Leiter des Ermittlungsbereiches Umweltkriminalität, bestätigte.

Bei einer Hausdurchsuchung Donnerstag um 5.00 Uhr wurden in der Niederlassung für Westösterreich unter anderem aufgetaute Fischwaren vorgefunden, die als Frischfisch verkauft werden sollen sowie Räucherlachs, der mit neuem Ablaufdatum versehen war. Im Tiefkühlraum wurden bereits Fisch- und Fleischwaren aus den Jahren 2003 und 2004 entdeckt.

In Bearbeitungs-, Gefrier- und Lagerräumen fanden fanden die Lebensmittelpolizei sowie die Kriminalbeamten neben aufgetautem Fisch und abgelaufenem sowie umdatierten Räucherlachs im Raum für Fleischwaren eine Palette Mayonnaise mit verstrichenem Ablaufdatum. Abgelaufene und verderbliche Fisch- und Fleischwaren wurden aus den Lagerräumlichkeiten entfernt und bei der Tierkörperverwertung entsorgt.

Das Landeskriminalamt ermittelt nicht nur wegen Verdachtes des Betruges, auch weitere vermögensrechtliche Tatbestände nach dem StGB werden geprüft. Nicht bestätigen konnte Tonis, wonach es bereits vor einigen Jahren eine Anzeige gegen eine Nordsee-Tochter am Nachmarkt in Wien wegen ähnlich lautender Vorwürfe gegeben habe.

Ins Visier geraten ist auch ein Magistratsbeamter, der schon mehrmals vor anstehenden Kontrollen in der Nordsee-Niederlassung gewarnt haben soll. Hier muss der Magistrat nun einschreiten und prüfen.

Verschärfte Kontrollen angekündigt
In den nächsten Wochen würden die Kontrollen sensibler Lebensmittel, wie Fisch, Geflügel und sonstiger Frischwaren, noch weiter verschärft, kündigte die für die Lebensmittelpolizei ressortzuständige Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) an. Gerade der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung sowie der Schutz vor kriminellen Manipulationen seien für sie und die Mitarbeiter der Lebensmittelpolizei vorrangig, betonte die Landeshauptfrau.

"Die Lebensmittel auf dem Salzburger Markt sind auch Dank der regelmäßigen Kontrollen unserer Lebensmittelpolizei sicher. Missbrauch und gesetzwidriges Handeln können aber leider selbst durch die beste Kontrolle nur hintangehalten, nicht aber völlig verhindert werden. Wir haben es im Falle der Fischgroßhandelsfirma offenbar mit einem äußerst unappetitlichen Ausnahmefall zu tun", meinte die Landeshauptfrau.

Als Reaktion auf die Donnerstag durchgeführten Kontrollen wurde umgehend ein Verwaltungsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet. Auch die Staatsanwaltschaft wird eingeschaltet um allfällige strafrechtliche Aspekte zu prüfen. Das Unternehmen selbst habe rasch reagiert und inzwischen die interne Revision eingeschaltet, sagte Burgstaller.

Erst die Untersuchungsergebnisse würden Auskunft über das Ausmaß der Missstände geben. Bei der gestrigen Kontrolle erfolgte eine amtliche Probenziehung zur genauen lebensmittelchemischen Analyse von Produkten in 17 Fällen. Mit einem vorläufigen Ergebnis wird nächste Woche zu rechnen sein. Auf Grund des gestrigen Kontrollergebnisses sei eine Schließung des Betriebes nicht erforderlich gewesen, stellte die Landeshauptfrau fest.

Jener Mitarbeiter des Markt- und Veterinäramts im Magistrat Salzburg, der die Geschäftsführung von Cerny und Nordsee über bevorstehende Proben-Ziehungen informiert haben soll, hat am Freitag alle Vorwürfe zurückgewiesen. Der Kontrollor, der für den Rayon des Fischgroßhändlers zuständig ist, wies die Anschuldigungen kategorisch zurück. Die Prüfungstätigkeit finde routinemäßig, unangemeldet, unregelmäßig oder auf Grund eines behördlichen Auftrags statt. Der Lebensmittelkontrollor wohnt zwar ebenso wie der Geschäftsführer des betroffenen Unternehmens in Eugendorf - besondere persönliche Kontakte oder gar das Risiko eine Befangenheit hätten sich nach Angabe des Magistrats-Mitarbeiters aber nicht ergeben, teilte das Info-Z in einer Aussendung mit. (apa/red)

16.12.2005 19:10