Freitag, 16. Dezember 2005

Tiroler LH-Stellvertreter Eberle tritt zurück:
56-Jähriger hat jetzt genug von der Politik

  • Landwirt war seit 1989 für die VP in der Regierung
  • SP-Gangl tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück

Eine regelrechte Rücktrittswelle hat es am Freitag in der Tiroler Landesregierung gegeben: Mit Landeshauptmann-Stellvertreter Ferdinand Eberle und Soziallandesrätin Christa Gangl (S) kündigten zwei langjährige Regierungsmitglieder mehr oder weniger überraschend ihren Rückzug an.

Der gelernte Landwirt Eberle (56) war seit 1989 in der Regierung. Zuletzt war er für die Bereiche Finanzen, Wirtschaft und Energie zuständig. Zu den Gründen für seine Entscheidung sagte er gegenüber dem lokalen ORF-Radio: "Ich bin jetzt jenes Regierungsmitglied in Tirol, das am längsten in der Regierung tätig ist. Ich glaube, jede Zeit geht irgendwo zu Ende." Er denke, dass es notwendig und richtig sei, während der Legislaturperiode Weichenstellungen vorzunehmen, die es dem Landeshauptmann ermöglichten, für die kommende Wahlperiode ein neues Team zu formen.

"Ich habe diese Entscheidung nach eingehender Überlegung getroffen und gehe ohne Verbitterung", meinte Eberle. Seine Funktion in der Regierung habe er mit sehr viel Freude erfüllt. Den genauen Zeitablauf im Sinne einer geordneten Fortführung der Regierungsgeschäfte werde er mit Landeshauptmann Herwig van Staa (V) besprechen. Dieser gab zu dem Rücktritt vorerst keine Stellungnahme ab. Eberle will der Politik den Rücken kehren. Auf ein Abgeordnetenmandat möchte er verzichten.

Nur eine Sunde nach dem angekündigten Rückzug von Eberle (V) gab auch Gangl (57) ihr Ausscheiden aus der Landesregierung bekannt. Sie begründete ihren Schritt bei einer Pressekonferenz mit einem schweren Bandscheibenleiden am Halswirbel. Den Rücktritt habe sie sich reiflich überlegt, sagte Gangl. Im Vordergrund stehe jetzt ihre Gesundheit, verwies sie auf eine "gewisse Auszeit". Für sie sei auch seit längerem klar gewesen, dass sie nicht mehr kandidieren werde: "Ich habe schon länger überlegt, wie lange man so was macht". Wichtig sei ihr gewesen, noch das Grundsicherungsgesetz und das Budget abzuschließen, erklärte Gangl. Die Nachfolge werde geordnet über die Bühne gehen. Als nächst möglichen Termin dafür nannte Landesparteivorsitzender LHStv. Hannes Gschwentner die Landtagssitzung am 8. Februar. Gangl gehörte seit 1999 der Regierung an.

Dass sowohl Gangl als auch Eberle am selben Tag ihre Rücktritte erklärten, sei ein Zufall, sagte Gschwentner. Er selbst habe am Vormittag von Eberles Rückzug erfahren, zeigte er sich überrascht.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Spekulationen über eine vorzeitige Regierungsumbildung gegeben. Sowohl eine Ablöse bzw. ein Ausscheiden von Eberle als auch von Gangl wurde für möglich gehalten. Auch Gerüchte, wonach Van Staa demnächst andere Regierungsmitglieder im Hinblick auf die nächste Landtagswahl austauschen könnte, reißen nicht ab. (apa)

16.12.2005 11:28