Tempo 160 spaltet Österreich: 45 Prozent halten Gorbachs Versuchsplan für sinnvoll!
- Aber 50% sprechen sich gegen eine Teststrecke aus
- PLUS: Schüssel hält sich nicht immer an 130 km/h
UMFRAGE: Soll Tempo 160 auf Autobahnen kommen?
·NETWORLD-UMFRAGE
Soll Tempo 160 auf Autobahnen erlaubt sein?
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Vor allem Frauen und Ältere sind skeptisch
·Tempo 160: Test auf A2 spricht dagegen!
Für Gorbach ist KfV-Test "nicht repräsentativ"
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45 Prozent der Österreicher finden den Plan von Verkehrsminister Hubert Gorbach sinnvoll, eine Teststrecke für Tempo 160 auf Autobahnen einzurichten. 50 Prozent sprachen sich bei einer OGM-Umfrage im Auftrag der ORF-Sendung "Report" gegen das Vorhaben aus.
Die Befragten glaubten, dass 61 Prozent der Österreicher sowieso das Tempolimit von 130 auf den Autobahnen um zumindest zehn bis 20 km/h überschreiten. Nur 39 Prozent der Lenker würden sich an die Limits halten.
Schüssel stärkt Gorbach den Rücken
An Tempo 160 auf Autobahnen und für das kommenden Jahr geplanten Pilotversuch auf der Autobahn in Kärnten scheiden sich weiterhin die Geister. Während Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) kein Problem mit der von Verkehrsminister Vizekanzler Hubert Gorbach (B) ausgewählten Teststrecke hat, verabschiedete die Kärntner Landesregierung mit den Stimmen von ÖVP und SPÖ eine Resolution gegen den Versuch auf der Tauernautobahn. Schüssel gab sogar freimütig zu, selbst nicht immer nur 130 zu fahren. Ähnlich wie Gorbach, der hinzufügte: "Ich habe mich dabei nie allein gefühlt."
Die steirische Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V) wendet sich mit dem Vorschlag an Gorbach, den "idealen Autobahnabschnitt der A2 zwischen Lieboch und Mooskirchen einer genaueren Prüfung zu unterziehen, nachdem VP-Klubobmann Christopher Drexler "außerordentlich bedauert" hatte, dass das "Autoclusterland" nicht "Gastgeber" für den Pilotversuch sein werde. SPÖ und Grüne äußerten sich ablehnend, sie führen die Feinstaub-Problematik sowie Verkehrssicherheit ins Treffen.
Die Unfallzahlen auf Österreichs gut ausgebauten Autobahnen sei im Gegensatz zu jenen von Bundes- und Landesstraßen rückläufig, erklärte der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, der mit seinen zwei BZÖ-Regierungskollegen gegen die Resolution der Landesregierung gestimmt hatte. Er sprach von einer "heuchlerischen Diskussion" um Tempo 160. Der Kärntner ÖVP-Obmann Josef Martinz äußerte sich so: "Die Bevölkerung kann sich nicht als Versuchskaninchen für die Hirngespinste eines orangen Verkehrsministers herhalten."
Heftige Reaktionen auf Tempo 160-Pläne
Ein Eingeständnis von Schüssel und Gorbach, mitunter selbst schneller als die erlaubten 130 km/h auf Autobahnen gefahren zu sein, hat am Dienstag zum Teil heftige Reaktionen hervorgerufen. "Sicher ist schon so mancher einmal mehr als 130 km/h gefahren. Daraus aber den Schluss zu ziehen, dass man das Tempolimit anheben muss, ist hanebüchen", meinte SPÖ-Verkehrssprecher Kurt Eder. "Denn wenn man das Limit auf 160 km/h anhebt, ist die Folge, dass es in Zukunft darum geht, ob man schon schneller als 160 unterwegs war."
Schüssel decke Gorbach "bei der verkehrspolitischen Geisterfahrt mit Tempo 160", meinte die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig. "Für den Versuch, dem bereits klinisch toten BZÖ noch etwas Leben einzuhauchen, riskiert die ÖVP schwerste Verkehrsunfälle bis hin zu Menschenleben", erklärte die Politikerin. Der Gipfel des Zynismus sei aber, wenn der Bundeskanzler Gorbach beispringe, indem er öffentlich augenzwinkernd erklärt, sich nicht an Gesetze halten zu wollen.
Strache: Projekt "offenbar gestorben"
FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache sieht Tempo-160-Projekt "offenbar gestorben" und konzedierte Gorbach "politischen Dilettantismus der Sonderklasse". Die FPÖ bekenne sich zu einer flexiblen Temporegelung durchaus auch jenseits der 130 km/h.
Greenpeace forderte die beiden Politiker zur Selbstanzeige auf. Der VCÖ verwies auf mehr als 350 Verkehrstote infolge zu hoher Geschwindigkeit im vergangenen Jahr, forderte einkommensabhängige Strafen und appellierte an Schüssel und Gorbach, ein Monatsgehalt an "Licht ins Dunkel" zu spenden.
(apa/red)
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