Freitag, 9. Dezember 2005

ATX-Konzerne fahren 9 Mrd. Euro Profit ein:
FORMAT weiß, wer Rekordgewinne abkassiert

  • Neue Investitionen, Firmenübernahmen & Dividenden
  • Neue Jobs in Österreich entstehen aber nur kaum

Wer die Rekordgewinne abkassiert: Milliardenschwere Investitionsprojekte und Firmenübernahmen, fette Dividenden für die Aktionäre, etwas bescheidenere Prämien für die Mitarbeiter: Jetzt werden die Megagewinne verplant. Neue Jobs in Österreich entstehen kaum.

Zahltag ist erst im nächsten Jahr. Die Hände reiben sich die Aktionäre schon jetzt. Auch der österreichische Staat: Er wird für seine Beteiligung am Stromkonzern Verbund für 2005 wenigstens 75 Millionen Euro an Dividenden kassieren, fünf Euro oder mehr pro Aktie. Böhler-Uddeholm wird zwischen sechs und sieben Euro zahlen. Den großen Privatinvestor Rudolf Fries, der mit seiner Gruppe über 20 Prozent an Böhler hält, erwarten somit 15 bis 20 Millionen - nur an Dividenden.

Noch nie überhäuften Österreichs Großunternehmen ihre Aktionäre mit so viel Geld. Noch nie haben sie so gut verdient. Fast alle jubeln über Rekordgewinne: von der OMV über die großen Banken bis zu voestalpine und Verbund. Ungefähr neun Milliarden Euro Gewinn vor Steuern (EGT) fahren die im ATX vertretenen Konzerne 2005 in Summe ein. Nach alter Währung sind das unglaubliche 120 Milliarden Schilling Profit - für gut 20 Firmen. Mit über zwei Milliarden Euro EGT sprengt der Ölriese OMV alle bekannten Austro-Dimensionen.

In Deutschland haben unter anderem die fetten Konzernüberschüsse zur Heuschrecken-Diskussion geführt. Hierzulande steht den Megagewinnen eine anhaltende Rekordarbeitslosigkeit gegenüber. Die Bosse rechtfertigen die Profite mit der Sicherung des Standorts und der vorhandenen Jobs. OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer: "80 Prozent der OMV-Gewinne fließen in Investitionen." Voest-General Wolfgang Eder erklärt: "Der Staat kriegt seine Steuern, unseren Aktionären geht es sowieso gut, an die Mitarbeiter haben wir in den letzten zehn Jahren 250 Millionen an Prämien ausgeschüttet. Den größte Teil verwenden wir aber für die Zukunftssicherung, und zwar atypisch viel in Österreich."

Die Ernte der Internationalisierung
Tatsächlich verwenden die Konzerne den Großteil ihrer Ergebnisse für Investitionen und Akquisitionen. Sie bauen Eigenkapital auf, um dafür mehr Spielraum zu haben. Die Aktionäre verdienen ordentlich mit, die Mitarbeiter ein wenig. Neue Jobs in Österreich entstehen aber kaum.

Die Unternehmen fahren jetzt die Ernte vergangener Rationalisierungsmaßnahmen ein. Vor allem tragen die Auslandsexpansion der heimischen Aushängeschilder und vielfach eine Strategie der Spezialisierung immer reifere Früchte.

Die OMV kündigt an, bis 2010 pro Jahr 1,7 Milliarden Euro investieren zu wollen, großteils in neue Ölförderstätten, aber nicht nur: 400 Millionen für die Kunststoffproduktion in Schwechat sind die größte Einzelinvestitionen in einen österreichischen Standort. 600 Millionen fließen in die Raffinerien der rumänischen OMV-Tochter Petrom.

Voest erneuert Hochöfen, BA-CA verbessert Ausbildung
Voest-Boss Eder lässt zusätzlich zur früher beschlossenen Milliarde bis 2008 noch einmal 500 Millionen Euro für Linz springen: zur Erneuerung der alten Hochöfen. Böhler-Uddeholm wird 2006 bis zu 200 Millionen ausgeben. 50 Millionen kostet ein neues Walzwerk in Brasilien, 27 Millionen Euro eine Presse für Kapfenberg.

Die BA-CA gibt Millionen für Ausbildung der Mitarbeiter aus. Die Zahl der Bildungstage wurde um 40 Prozent auf 42.000 erhöht. BA-CA-General Erich Hampel: "Die Investition in Ausbildung und verbesserte Kundenbetreuung bringt bereits einen Return: Bislang haben wir 20.000 neue Kunden gewonnen."

Auf Akquisitionen liegt der Fokus bei der Erste Bank. Für den erhofften Zuschlag beim rumänischen Institut BCR sind rund drei Milliarden Euro reserviert. Auch eine ukrainische Bank steht auf dem Einkaufszettel. Erste-Chef Andreas Treichl hat seit dem Börsengang 2,5 Milliarden für den Erwerb von Banken aufgewendet.

Zu den wenigen Konzernen, deren Geldregen auch nennenswert Jobs in Österreich schafft, gehört die voestalpine. Eder: "Bis 2010 entstehen in Linz nochmals rund 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze." Die OMV hat ihren Personalstand hierzulande 2005 wenigstens um 300 erhöht. Der Lebensmittelproduzent Agrana hat 50 Leute aufgenommen, nochmals 50 Jobs soll eine neue Bioethanolanlage in Niederösterreich bieten.

Die meisten Investitionen bringen aber kaum Neueinstellungen. Die Presse von Böhler in Kapfenberg verschlingt 27 Millionen und schafft zwölf neue Arbeitsplätze. "Ich bin selber überrascht, wie gering der Beschäftigungseffekt ist", wundert sich Böhler-Chef Claus Raidl. An der Kostenschraube wird mittlerweile auch in guten Zeiten kräftig gedreht.

Die meisten Jobs entstehen im Ausland, vor allem in Osteuropa. Ruttenstorfer: "Es stammt ja auch ein erklecklicher Teil des OMV-Ergebnisses aus Märkten außerhalb Österreichs." Allein die Petrom lieferte heuer in den ersten neun Monaten 524 Millionen Betriebsgewinn ab.

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9.12.2005 16:44