Nach dem Rückzug der Hypobank: Auch Raiffeisen bietet nicht für Bank Burgenland!
- Kriterien der Ausschreibungsunterlagen "nicht fair"
- Burgenland: Privatisierung wird weiter fortgesetzt
·Kovats bietet nicht für Bank Burgenland!
Nach geplatztem Verkauf und neuer Ausschreibung
·Bank Burgenland: 18 Kauf-Interessenten!
Mehr als die Hälfte der Bieter aus dem Ausland
Im Bank Burgenland-Verkaufsprozess sorgte der Ausstieg eines weiteren Bieters aus dem laufenden Verfahren für einen Knalleffekt: "Wir legen kein indikatives Angebot", nahm RLB Burgenland-Generaldirektor Julius Marhold das Raiffeisen-Konsortium aus dem Rennen. Dessen Kritik, die Kriterien der Ausschreibungsunterlagen seien "unserer Meinung nach nicht fair", wiesen Landeshauptmann Hans Niessl (S) und Finanzlandesrat Helmut Bieler (S) umgehend zurück. Beide erklärten, der Verkaufsprozess werde fortgesetzt.
Nicht einmal einen Tag nach dem Absprung des westösterreichischen Hypobanken-Konsortiums zog sich mit Raiffeisen ein seit mittlerweile drei Privatisierungsrunden "logischer" Bieter zurück. "Die Bank Burgenland war bisher Mitbewerber am Markt und wird es auch mit einem neuen Eigentümer sein", so Marhold.
Die Kriterien der Ausschreibungsunterlagen entsprächen nach Ansicht des RLB-Chefs nicht den internationalen Gepflogenheiten. So beurteile zwar die HSBC beurteile zwar die Anbote. Das Land behalte sich aber das Recht vor, sich nicht an diese Empfehlung zu halten. Außerdem könne das Land jederzeit den Verkaufsprozess abbrechen oder andere Kriterien einführen. Auch könne später noch jemand ins Bieterverfahren einsteigen. Unstimmigkeiten gab es auch über die Offertfristen.
Privatisierung wird fortgesetzt
Der überraschende Rückzug von Raiffeisen sei für ihn kein Anlass, den Privatisierungsprozess zu ändern, sagte dazu Landeshauptmann Niessl: "Wegen Raiffeisen werden wir doch nichts abbrechen." Das Land werde den Privatisierungsprozess wie geplant fortsetzen. Zum Vorwurf, die Ausschreibungs- und Auswahlkriterien würden nicht den üblichen internationalen Standards entsprechen, meinte Niessl: "Raiffeisen sagt die Unwahrheit." Das Land werde sich bei der Vergabe an internationale Standards halten.
Ähnlich Finanzlandesrat Helmut Bieler: Eine Verschiebung des Verfahrens zur Privatisierung stehe "überhaupt nicht zur Debatte": "Wir werden uns an die Bewertung der HSBC halten. Es wird das beste Angebot zum Zug kommen", so Bieler. Für die Bank Burgenland gebe es "genügend Bewerber". Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl (V) meinte, er habe zu wenige Informationen über den Bieterprozess, um über die Kritik urteilen zu können. FPÖ-Landesparteisekretär Norbert Hofer forderte den Landesrechnungshof auf, den Regierungsbeschluss über den Verkauf der Bank Burgenland einer Prüfung zu unterziehen.
Geheimverhandlungen mit Interessenten
Bis Mittwoch, 24.00 Uhr, lief unterdessen die Frist zur Abgabe indikativer Angebote. HSBC soll dann eine Bewertung durchführen und innerhalb von "acht bis zehn Tagen" einen Bericht abgeben, so Landesrat Bieler. Dann werde entschieden, mit welchen Interessenten weiterverhandelt wird.
Zum Zeitpunkt Ende erstes Quartal 2006 solle ein Interessent feststehen, der die Bank kauft.
Den Bericht der HSBC über die indikativen Angebote erwarte er um den 14. Dezember, so Bieler. Dann werde über die nächste Runde entschieden: "Wir werden sicher nicht sagen, mit wie vielen und mit wem weiter verhandelt wird."
Vor Raiffeisen hatten bereits Mirko Kovats, die Snoras Gruppe, die Kärntner Hypo sowie ein Hypo-Konsortium aus Westösterreich (Tirol, Vorarlberg) abgewunken. Ursprünglich hatten sich im November 18 Interessenten angestellt.
(apa/red)

