Montag, 5. Dezember 2005

Nach Vorfällen in Bundesliga: FIFA fordert Nachprüfung der deutschen WM-Stadien

  • Baumängel in Nürnberg, Frankfurt & Kaiserslautern
  • Blatter: "Wir werden das OK jetzt ins Gebet nehmen"

Joseph Blatter hat die deutschen WM-Organisatoren zu einer nachträglichen Tauglichkeits-Prüfung aller zwölf WM-Stadien verdonnert und als Konsequenz aus den Fan-Zwischenfällen am Samstag eine Verbesserung der Sicherheitskontrollen gefordert. "Wir werden das OK jetzt ins Gebet nehmen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", kommentierte der Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA zum Auftakt der Sitzungswoche in Leipzig, die in der Endrunden-Auslosung am Freitag gipfelt, die jüngsten Vorfälle im WM-Land.

Nach der Spielabsage in Kaiserslautern wegen eines Dachschadens im Fritz-Walter-Stadion sowie den Wurf-Attacken bei den Bundesliga-Spielen in Hamburg und Mönchengladbach sieht der Schweizer die von Franz Beckenbauer angeführten WM-Ausrichter in der Pflicht: "Beim deutschen Organisations-Komitee brennt jetzt die Rote Lampe."

Gravierende Baumängel bei drei WM-Arenen
Zwar bewertete Blatter den Stand der Vorbereitung noch immer mit der ansehnlichen Schulnote "zwei plus". Doch der 69-Jährige mahnte in punkto Stadien: Nachdem in Nürnberg, Frankfurt und jetzt Kaiserslautern binnen weniger Monate drei WM-Arenen gravierende Baumängel aufwiesen, sollen Anfang kommenden Jahres alle Stadien noch einmal überprüft werden. Zudem werde man einen Termin festlegen, bis wann die Arenen definitiv WM-reif sein müssen.

Auch was die Sicherheit betrifft, sieht der FIFA-Chef den Veranstalter am Zug. Er forderte bessere Einlasskontrollen, damit nicht wie am Samstag in Hamburg und Mönchengladbach Spieler durch fliegende Trommelstöcke oder andere Wurfgeschosse verletzt werden können. Den Einwand, die Fans bräuchten Feuerzeuge auch, um Zigaretten anzuzünden, wischte Blatter kurzerhand mit einer neuen Idee vom Tisch. "In den Stadien sollte nicht geraucht werden", sagte er, weiß aber auch, "dass nicht wir das entscheiden können, sondern die Regierung."

Ticket-Verkauf "zu perfektionistisch"
Das OK bekam von Blatter auch beim Thema Ticket-Verkauf noch einen Schuss vor den Bug. "Etwas zu perfektionistisch", urteilte der Schweizer: "So viele Sitzungen haben stattgefunden, die optimale Lösung muss erst noch gefunden werden. Wenn jeder seinen Ausweis zeigen muss, wird es vier Stunden dauern, bis die Zuschauer im Stadion sind."

Am Abspielen der Nationalhymnen soll nun aber doch festgehalten werden, seine Idee der Abschaffung hat Blatter bereits wieder verworfen. Vielmehr will er Vorfälle wie in den WM-Relegationsspielen zwischen der Schweiz und der Türkei, als die Eidgenossen mit dem Abspielen der türkischen Hymne ein gellendes Pfeifkonzert starteten, künftig mit Sanktionen gegen den betreffenden Verband ahnden. (apa/red)

5.12.2005 16:17