Sonntag, 11. Dezember 2005

Ära Hickersberger bei Rapid endete mit Niederlage: Jetzt geht's in den Urlaub!

  • Teamchef in spe entspannt sich auf Mauritius
  • Bilanz in Hütteldorf positiv: 'Wunderschöne Erlebnisse'

Die erfolgreiche Ära von Josef Hickersberger als Rapid-Trainer hat am Samstag mit einer 0:2-Niederlage des amtierenden Meisters in Salzburg geendet. Vor seinem offiziellen Amtsantritt am 1. Jänner begibt sich der ehemalige und künftige Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft aber noch in einen wohlverdienten Urlaub auf Mauritius, um nach mehr als dreieinhalb Jahren auf der grün-weißen Kommandobrücke die Batterien wieder aufzuladen.

Auch am Tag nach der schwachen Vorstellung des Titelverteidigers im 130. und vorläufig letzten Meisterschaftsspiel unter der Regie des 57-jährigen Amstetteners hatte Hickersberger die Darbietung in Wals-Siezenheim noch nicht gänzlich verdaut: "Wir waren schlecht organisiert, haben keine Zweikämpfe gewonnen. Biss und Laufbereitschaft haben gefehlt. Alles in allem eine sehr enttäuschende Leistung. Nur in der zweiten Spielhälfte war es besser, nach dem 0:2 gab es aber zwei fragwürdige Abseitsentscheidungen gegen uns und dann vergaben Kincl und Garics noch zwei hundertprozentige Torchancen."

Hickersberger freut sich auf Urlaub
Die Meinung von Teamtorhüter Helge Payer, wonach sich einige Rapid-Spieler geistig bereits im Urlaub befunden hätten, konnte der Meistertrainer aber nicht teilen: "Fakt ist, dass wir nach Champions-League-Spielen und EM-Qualifikations-Partien immer Probleme gehabt haben." Hickersberger selbst freut sich jedenfalls auf seine bevorstehende kurze Auszeit: "Ich habe seit dreieinhalb Jahren so gut wie keinen Urlaub gemacht und vor allem die letzten Monate waren sehr belastend. Die Arbeit bei einem Verein wie Rapid ist nicht so leicht."

Positive Bilanz
Auf Grund des ersten Meistertitels für Rapid seit 1996 und der geschafften Champions-League-Qualifikation fällt das Gesamt-Resümee aber natürlich alles andere als negativ aus: "Es gab wunderschöne Erlebnisse. Für mich persönlich fällt die Bilanz positiv aus. Wie das andere beurteilen, bleibt ihnen unbenommen."

Herausforderung ÖFB-Team
Nach der Rückkehr aus dem Urlaubsparadies wird Hickersberger erneut ausreichend Gelegenheit haben, sich im Umgang mit Erwartungsdruck und Stress zu beweisen. Der Gesamtzustand des österreichischen Fußballs und des ÖFB-Teams im speziellen gibt rund zweieinhalb Jahre vor dem Anpfiff zur Heim-EM 2008 Anlass zur Sorge.

Der Nachfolger von Hans Krankl blickt den Herausforderungen jedoch gelassen entgegen: "Ich habe schon Erfahrungen als Teamchef, kann das sehr gut einschätzen. Bis zur EM ist noch Zeit. Auch die Spieler müssen mit dem gesteigerten Interesse und der Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Medien umgehen können." Auch was die Zusammenarbeit mit den Vereinen betrifft, äußerte sich "Hicke" optimistisch: "Alle wissen um die Bedeutung der EURO 2008 und werden ihr Bestes geben. Ich habe größtes Vertrauen zu meinen Trainerkollegen."

Personelle Fragen noch offen
Bis zum ersten Länderspiel der Ära Hickersberger II gegen Kanada am 1. März (20:30 Uhr) in Wien muss der erklärte Wunsch-Teamchef von ÖFB und Liga noch "alle personellen Fragen unter Dach und Fach bringen". "Das Trainer-Team wird spätestens bis zum Trainingslager in Dubai (19. bis 28. Jänner/Anmerkung) endgültig fixiert sein", kündigte Hickersberger an und lobte sowohl ÖFB als auch Vorgänger Krankl für die bisher erfolgten Termin-Planungen: "Das ist schon sehr viel."

Intensive Gegner-Beobachtung bei WM
Die Exkursion zur Weltmeisterschaft in Deutschland im Juni wird der zweifache Familienvater zur intensiven Beobachtung, "vor allem der europäischen Teams, die 2008 unsere Gegner sein werden", nützen. "Auch die Vorbereitungen der Teams auf das Turnier müssen studiert werden, um dann die besten und auch passenden Dinge herauszufiltern", erklärte der ehemalige Deutschland-Legionär, der mehrere WM-Favoriten hat: "Ich bin ein Freund des brasilianischen Fußballs, aber auch Deutschland, Argentinien und Italien haben sehr gute Chancen."

(apa/red)

11.12.2005 14:45