Donnerstag, 8. Dezember 2005

Tolles ÖSV-Ergebnis bei Aspen-Super-G:
"Dorfi" Zweite vor Fischbacher & "Meissi"

  • Schweizerin Styger verhinderte totalen ÖSV-Triumph
  • Obermoser kritisiert Trainer: "Unter Druck gesetzt"

Österreichs Super-G-Damen haben fünf Tage nach dem Dreifach-Triumph in Lake Louise erneut brilliert, den Sieg mussten sie am Freitag in Aspen diesmal aber Nadia Styger überlassen. Hinter der bald 27-Jährigen, die für den ersten Schweiz-Sieg seit März 2004 sorgte, belegten Michaela Dorfmeister (+0,10), Andrea Fischbacher (0,24) und Alexandra Meissnitzer (0,30) die Plätze zwei bis vier. Elisabeth Görgl wurde vor Katja Wirth Achte. Dorfmeister übernahm mit dem vierten Podiumsplatz in Folge auch die Weltcup-Führung.

Damit lag das gleiche ÖSV-Trio, dass in Kanada die Plätze eins bis drei belegt hatte, wieder voran, nur eben nicht ganz. "Ich freu' mich trotzdem total", trauerte Dorfmeister dem um eine Zehntelsekunde erneut nur knapp verpassten, ersten Saisonsieg aber kaum nach. In Lake Louise war die Niederösterreicherin, die nach dieser Saison zurücktritt, gleich drei Mal auf dem Podest gestanden. Ganz nach oben hat sie es aber noch immer nicht geschafft.

"Die Fahrt war nicht ganz fehlerfrei, das ist hier aber ohnehin kaum möglich. Unten hab' ich die Ski dann super laufen lassen", sagte Dorfmeister strahlend. "Ein Tor bin ich unten zu früh angefahren, dann hat mir etwas das Tempo gefehlt. Aber dieses eine Zehntel kommt sicher irgendwann zurück", meinte Dorfmeister und gab sich von sich selbst beeindruckt. "Es ist toll zu spüren, dass ich derzeit nur ganz normal fahren muss, Fehler machen kann und trotzdem vorne mit dabei bin."

Auch Fischbacher, in Lake Louise noch Sensations-Zweite, strahlte. Allerdings hatte die Salzburgerin lange auf die Erfolgsmeldung warten müssen, denn bei ihr und Isolde Kostner hatte die Zeitnehmung auf der Anzeigetafel gestreikt. So lange, dass Lake-Louise-Siegerin Meissnitzer ihre ersten Interviews noch als vermeintlich Dritte gegeben hatte.

"Das tut weh, ich wäre natürlich lieber auf dem Stockerl gestanden", sagte Meissnitzer, nachdem ihr Journalisten die unerfreuliche Botschaft überbracht hatten. "Meine Serie hier in Nordamerika ist natürlich trotzdem weiter gut, aber Podium ist eben Podium", machte die Abtenauerin klar, dass sie ein Platz auf dem Podest mehr gefreut hätte.

Meissnitzer hielt mit ihrer Verwunderung über die streikende Zeitnehmung nicht hinter dem Berg. "So ein Theater habe ich noch nie miterlebt." Sie sprach aber auch die Startnummernproblematik an. Während Styger mit Nummer zehn zum Sieg raste, fuhren Dorfmeister mit 30 und Meissnitzer mit 26. "Es wird hinten schon schwieriger. Man sollte die Nummer wählen dürfen, ein kleines Privileg sollten die Besten schon noch haben", betonte die Salzburgerin.

Fischbacher nahm das Theater um die Zeitnehmung ("Dass erinnert mich an den Schladming-Slalom") mit einem Schulterzucken hin. "Vielleicht war ich einfach zu schnell", scherzte die 20-jährige Salzburgerin über die spinnende Zeitnehmung. Ursprünglich war im Ziel sogar ein Re-Run diskutiert worden. Während Kostner gerne darauf verzichtete, hätte "Fischi" damit kein Problem gehabt. "Es ist so lässig da zu fahren. Und ganz optimal war meine Fahrt ohnehin nicht."

Harte Worte von Obermoser nach Enttäuschung
Renate Götschl und Brigitte Obermoser sind im Super G von Aspen erneut weit unter ihren Erwartungen geblieben. Während die "Speed-Queen" Platz 13 kommentarlos quittierte, brach Obermoser nach Rang 42 bitter enttäuscht in Tränen aus. Denn es könnte ihr letzter Weltcup-Super-G überhaupt gewesen sein.

Schon in Kanada habe man ihr klar gemacht, dass ein gutes Ergebnis in Aspen entscheidend für ihre weitere Karriere sei, sagte Obermoser. "Ich bin dadurch extrem unter Druck gesetzt worden. Kein Wunder, dass ich heute viel zu verkrampft gefahren bin, ich war völlig überfordert", sagte die Salzburgerin unter Tränen und ließ in der ersten Enttäuschung kein gutes Haar an ihren Trainern. "Man will mich weghaben. In Val d'Isere fahre ich sicher nicht mehr, selbst wenn ich dort die Abfahrt gewinne!"

Obermoser, die vor dieser Saison in die neue Weltcup-Gruppe 3 versetzt worden war, kritisierte vor allem die Umgangsweise der Trainer. "Sie demotivieren mich. Eigentlich sollten sie einen ja aufbauen und motivieren, das Gegenteil ist der Fall. Ich bin in Lake Louise in der Abfahrt Sechste geworden, alles was ich gehört habe ist Verwunderung darüber, dass ich so etwas überhaupt noch drauf habe", lautete der verärgerte Kommentar der Altenmarkterin. Dass es im Sommer ohnehin eine psychologische Trainer-Schulung gegeben habe, sei "vergeudete Zeit" gewesen. "Was hilft's, wenn sie's nicht nutzen?"

Starker Tobak also, "aber jetzt, wo es eh bald vorbei ist, kann ich es ja sagen", so Obermoser. "Was soll's, es gibt ja auch ein Leben nach der Karriere."

Endstand des Super G der Damen in Aspen:
1.Nadia StygerSUI1:13,77 Min.
2.Michaela DorfmeisterAUT1:13,87+0,10
3.Andrea FischbacherAUT1:14,01+0,24
4.Alexandra MeissnitzerAUT1:14,07+0,30
5.Kirsten L. ClarkUSA1:14,38+0,61
6.Genevieve SimardCAN1:14,50+0,73
7.Lindsey C. KildowUSA1:14,55+0,78
8.Elisabeth GörglAUT1:14,59+0,82
9.Katja WirthAUT1:14,61+0,84
10.Maria RieschGER1:14,63+0,86
11.Emily BrydonCAN1:14,71+0,94
12.Anja PärsonSWE1:14,73+0,96
13.Renate GötschlAUT1:14,78+1,01
14.Silvia BergerAUT1:14,90+1,13
15.Petra HaltmayrGER1:14,91+1,14
16.Carole Montillet-CarlesFRA1:14,97+1,20
17.Janica KostelicCRO1:14,98+1,21
18.Daniela CeccarelliITA1:15,00+1,23
19.Tina MazeSLO1:15,07+1,30
20.Libby LudlowUSA1:15,11+1,34
21.Martina Ertl-RenzGER1:15,15+1,38
22.Maria-J. Rienda-ContrerasESP1:15,23+1,46
23.Ingrid JacquemodFRA1:15,27+1,50
24.Bryna McCartyUSA1:15,38+1,61
25.Isolde KostnerITA1:15,39+1,62
26.Kathrin WilhelmAUT1:15,48+1,71
27.Marlies SchildAUT1:15,49+1,72
28.Fränzi AufdenblattenSUI1:15,52+1,75
29.Jessica Lindell-VikarbySWE1:15,56+1,79
30.Sylviane BerthodSUI1:15,75+1,98
weiter:
42.Brigitte ObermoserAUT1:16,47+2,70
47.Ingrid RumpfhuberAUT1:17,06+3,29

(apa/red)

8.12.2005 14:27