Mittwoch, 7. Dezember 2005

Schwere Trainingsstürze und schwache Ergebnisse: Skikönigin Götschl am Grübeln!

  • 'Speed Queen' spürt zu wenig Vertrauen von Trainern
  • Damenchef Mandl wirsch: "Blödsinn, das ist unfair"

Österreichs Ski-Damen haben am vergangenen Wochenende ein wahres Speed-Feuerwerk abgeschossen und die starke Vorstellung in Lake Louise mit dem Dreifachsieg im Super G durch Alexandra Meissnitzer vor Andrea Fischbacher und Michaela Dorfmeister abgeschlossen. Ausgerechnet "Speed Queen" Renate Götschl hatte bei den ÖSV-Festspielen aber weitgehend gefehlt. Nach den Plätzen 17 und 5 (Abfahrten) sowie dem Sturz im Super G kam die Skikönigin grübelnd nach Aspen.

"Es ist nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Es hat einfach die Sicherheit gefehlt", gab Götschl ununwunden zu. Die Gründe? Noch im Sommer hatte sich die Siegern von 32 Speed-Weltcuprennen nach dem Neuseeland-Training ausgezeichnet gefühlt, dann aber hatten mehrere schwere, teilweise unerklärliche Stürze im Training den Aufbau für die Olympia-Saison zunichte gemacht.

Sogar eine Knieoperation hatte nach einem Überschlag im Oktober auf dem Gletscher kurzfristig gedroht. Zuletzt hatte Götschl auch noch im Super-G-Training in Sun Peaks bei 100 km/h eingefädelt und war schwer gestürzt. Kein Wunder also, dass die "Speed Queen" irritiert ist. "Man sieht, ich bin auch nicht der Herrgott, der über allem steht", versuchte sich Götschl nach ihrer Ankunft in Aspen, wo die ÖSV-Damen wie schon in Kanada von Eiseskälte (minus 18 Grad) empfangen wurden und am Freitag schon der nächste Super G ansteht, in Galgenhumor.

Der Kampfgeist der "Löwin" aus Obdach ist aber ungebrochen. "Bei der ersten Abfahrt hatte ich Pech mit dem Licht, die zweite war schon recht okay und im Super G habe ich bis zum Sturz gespürt, dass es eigentlich eh schon wieder passt und das Gefühl wieder da ist. Ich muss mich jetzt Schritt für Schritt wieder heranarbeiten, darf nicht die Geduld verlieren", betonte Götschl.

Mandl: "Renate hat bei uns alle Möglichkeiten"
Dass der Weggang ihres langjährigen Spezialtrainers Walter Hlebayna mit ein Grund für ihre Verunscherung ist, ist aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen. "Es war sicher eine enorme Umstellung für mich", gab Götschl zu. Ein Privattrainer sei aber kein Thema, versicherte die Steirerin. "Wir müssen gemeinsam einen Weg finden, auch wenn von der anderen Seite das richtige Vertrauen fehlt."

Diese doch recht deutliche Kritik an den Trainern löste bei Damenchef Herbert Mandl prompt einen "Grant" aus. "Blödsinn, das ist unfair. Renate hat bei uns alle Möglichkeiten, sie muss sie nur annehmen", sagte Mandl. "Wir haben 20 Mädchen im Team, dabei fünf bis sechs auf einem ähnlichen Niveau. Es ist nicht zu rechtfertigen, für eine einen Einzeltrainer abzustellen. Die Situation ist sicherlich neu für Renate. Aber vielleicht auch gut für ihre Entwicklung, wenn sie sie endlich annimmt."

Den nächsten Schritt zurück kann Götschl am Freitag auf dem anspruchsvollen Hang in Aspen tun, wo auch noch ein Riesentorlauf (Samstag) und ein Slalom (Sonntag) auf dem Programm stehen. Am Sonntag gibt Fischbacher überraschend ihr Slalom-Debüt im Weltcup. Bis zum Riesentorlauf in Sölden, wo sie grandiose Fünfte geworden war, hatte die hochtalentierte Großcousine von Hermann Maier überhaupt nur Speed-Bewerbe im Weltcup bestritten.

Immer mehr zur Allrounderin wird auch Elisabeth Görgl, seit heuer in der Abfahrtsmannschaft und in Aspen als Götschls steirische Zimmerkollegin zur "Speed-Prinzessin" geadelt. Die Plätze 11, 12 und 9 in Kanada waren beachtlich für die einstige Technik-Spezialistin. Dabei hatte sie in Lake Louise ihre gute Startnummer im Super G "verschwitzt", weil sie die Nummernvergabe wegen eines Saunabesuchs verpasst hatte und dann als 32. starten musste. "Das kann nur passieren, wenn man neu in der Speed-Mannschaft ist", meinte Görgl.

(apa/red)

7.12.2005 10:11