Mittwoch, 7. Dezember 2005

Weltrekord durch Markus Rogan! Wiener schwimmt in Triest zu EM-Gold auf Kurzbahn

  • Peirsol-Bestzeit im 200 m Rücken-Finale unterboten
  • PLUS: Jukic über 50 m Brust ohne Medaillen-Chance

Schwimm-Österreich hat erstmals seit 93 Jahren einen Weltrekordler. Markus Rogan kam bei der Kurzbahn-EM in Triest auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere an, indem er die Weltbestleistung des US-Amerikaners Aaron Peirsol über 200 m Rücken um 9/100 Sekunden unterbot. 1:50,43 Minuten lautet die historische Zeit, die in die Annalen des österreichischen Schwimmsports eingehen wird.

Es war ein Rennen nach dem Geschmack von Markus Rogan. Nicht weil er es so dominiert hat, sondern weil er bis aufs Letzte gefordert wurde. Der Russe Arkadij Wjatschanin setzte dem Wiener so sehr zu, dass der Sieg des OSV-Stars beinahe bis zum letzten Armzug in Frage gestanden war. Schließlich war der 21-jährige Hauptkonkurrent Rogans um nur 34/100 langsamer als der Österreicher und blieb nur eine Zehntel über dem bisherigen Europarekord.

Diesen hält nun natürlich weiter Rogan, und der 23-Jährige musste hart dafür arbeiten. Von Anfang an ging Wjatschanin mit dem Titelverteidiger mit und lag bei Halbzeit nur eine einzige Hunderstelsekunde zurück. "Ich habe ihn total unterschätzt. Als er mit mir gleich auf war, habe ich gedacht, wir sind viel zu langsam unterwegs. Ich dachte an 1:51 hoch. Aber das habe ich gebraucht, er hat mich einfach gepusht", erklärte Rogan in einer ersten Stellungnahme.

Dritten 50 Meter entscheidend
Nach 100 Metern schienen die Weltrekordträume des SV-Schwechat-Athleten verpufft, doch seine dritten 50 Meter waren unglaublich. 82 Hundertstel nahm Rogan im Fernduell Peirsol im dritten Viertel des Finales ab und lag plötzlich 3/100 unter der Weltrekord-Durchgangszeit.

Diesen Vorsprung verdreifachte er bis zum Anschlag noch und schrieb sich somit als erster Schwimm-Weltrekordler der Neuzeit in Österreichs Sport-Geschichtsbücher ein. Als bis dahin letzter Österreicher hatte Josef Selmeczy 1912 in Wien über 400 m Rücken eine Weltbestmarke markiert.

"Zuerst war da nur Stille"
"Ich habe riesige Selbstzweifel vor dem Rennen gehabt. Ich hatte Angst davor, wieder nur Zweiter zu werden", erklärte Rogan. Als er in der Weltrekordzeit von 1:52,43 Minuten anschlug, war die Last noch nicht von Rogans Schultern gefallen. "Zuerst war da nur Stille. Die Zeit ist für mich einen Moment still gestanden."

Rogan wähnte den Russen Arkadij Wjatschanin als Sieger, obwohl dieser 34/100 Sekunden nach ihm als Zweiter angeschlagen hatte. Dann kam die Erlösung. "Der Hallensprecher hat vom Weltrekord gesprochen und da habe ich auf den Namen gewartet." Es war sein eigener. Erst dann kam der Jubel und für einen Moment riesige Erleichterung. Rogan: "Aber nur für neun Hundertstel, denn dahinter kommt schon Peirsol und drei Zehntel dahinter Arkadij."

Es ist Rogans fünfte Gold-Medaille nach je zwei bei den beiden Europameisterschaften im Vorjahr. Auf der Langbahn in Madrid wie auch auf der Kurzbahn in Wien war er jeweils über 200 m Rücken und 200 m Lagen erfolgreich geblieben. Dazu kommen in erster Linie die beiden Olympia-Silbernen in Athen 2004 sowie die beiden Vize-Weltmeistertitel über 200 m Rücken 2001 und 2005 als größte Erfolge.

Jukic über 50 m Brust Achte
Der Final-Einzug von Mirna Jukic ist im Trubel um Weltrekordler Rogan total unter gegangen. Doch auch wenn es nur Platz acht wurde, für ihre Hauptstrecken war Jukic' Leistung im Brust-Sprint ein gelungener Test. In 31,61 Sekunden kam die 19-Jährige auf eine Saison-Bestzeit und war danach für die am Freitag angesetzten 200 m Brust sicherer und zuversichtlicher als zuvor.

Als Abstieg im Vergleich zum vierten Platz auf dieser Strecke im Vorjahr in Wien ist die 50-m-Leistung nicht zu sehen, denn die Prioritäten lagen diesmal vor ausländischem Publikum nicht auf dem Erreichen der Medaillenränge. "Ich habe im Finale für die 200 m schon längere Züge gemacht, daher bin ich zufrieden", erläuterte die Studentin die Taktik. Auch der Brust-Part auf dem Weg zu Platz zwölf über 200 m Lagen am Vormittag stimmte zuversichtlich.

Nina Dittrich beeindruckt
Beeindruckend war auch die Leistung von Nina Dittrich über 200 m Delfin. In 2:10,58 steigerte sie ihren erst vor zwei Wochen fixierten OSV-Junioren-Rekord um 3,87 Sekunden und ist damit Zweite in der ewigen OSV-Rangliste. Auf Rekordlerin Petra Zahrl fehlen der 15-Jährigen nur noch 1,29 Sekunden. Trainer-Vater Kurt Dittrich mit Freudentränen überglücklich und überrascht: "Ich habe mit einer 2:12-er-Zeit gerechnet."

Trotz damit erbrachten WM-Limits wird Dittrich bei den Titelkämpfen im April 2006 in Shanghai nicht antreten, da sie sich gezielt auf die Langbahn-Saison im kommenden Sommer vorbereitet. An der WM-Norm um 32/100 vorbei schwamm Maxim Podoprigora über 100 m Brust, in 1:01,22 wurde er 28. Der 27-Jährige war es zu schnell angegangen. "Bis zur Hälfte ist es gut gegangen, dann ging nichts mehr."

Für die 200 m Brust hat der Wiener aber ein gutes Gefühl, ebenso wie David Brandl für die 100 und 200 m Kraul. Über 400 m Kraul schrammte der Perger nur um eine Zehntel an seinem vor zwei Wochen beim Ströck-Qualifying aufgestellten OSV-Junioren-Rekord vorbei. Trainer Helge Gödecke: "Er hat diese Zeit bestätigt, das ist in Ordnung."

Koschischek unterbot ihre bei der EM in Wien erreichte Bestzeit über 100 m Kraul in 55,67 um 5/100 Sekunden, erreichte im Gegensatz zum Vorjahr aber nicht das Semifinale. "Darüber bin ich schon ein bisschen enttäuscht", sagte die 18-Jährige. "Aber im Vorjahr war ich um drei Zehntel langsamer und habe es geschafft. Das Feld ist einfach viel dichter geworden." Die nächste Aufstiegschance hat Koschischek am Samstag über 100 m Delfin.

(apa/red)

7.12.2005 16:38