Sonntag, 11. Dezember 2005

Wieder Drama um Komaptientin in den USA:
Vater streitet mit Arzt um Lebenserhaltung

  • Mann im Verdacht, Mädchen verprügelt zu haben
  • Stirbt Elfjährige würde mögliche Anklage auf Mord lauten und nicht mehr auf schwere Körperverletzung

Knapp ein Jahr nach dem Drama um Terri Schiavo wird in den USA über das Schicksal einer anderen Komapatientin gestritten. Und der Fall ist nicht nur überaus tragisch wie bei Schiavo, sondern auch außergewöhnlich bizarr. Im Mittelpunkt steht die elfjährige Haleigh Poutre aus Westfield, ein Mädchen, das einst gern sang und tanzte und nun in einem Krankenhaus nahe Boston (Massachusetts) künstlich beatmet und ernährt wird.

Ärzte sehen keine Chance mehr, dass sich ihr Zustand bessert, manche sagen, sie sei praktisch gehirntot. Der frühere Mann der Adoptivmutter der Kleinen will verhindern, dass die lebenserhaltenden Apparate abgeschaltet werden. An sich nichts Überraschendes, stünde er nicht im Verdacht, das Mädchen misshandelt zu haben und dadurch zumindest mitverantwortlich für den Zustand des Kindes zu sein.

Stirbt Mädchen, wird aus Körperverletzung Mord
Noch ist Jason Strickland lediglich wegen Körperverletzung angeklagt, ernst genug, aber würde das Mädchen nicht mehr künstlich beatmet und ernährt werden, könnte daraus eine Mordanklage werden. So wirft denn auch das staatliche Sozialamt, das die Vormundschaft übernommen hat und die Schläuche entfernen lassen will, Strickland vor, er habe nur sein eigenes Wohl im Auge.

Der 31-Jährige bestreitet dies ebenso wie die Misshandlung entschieden und kündigte an, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um das Mädchen am Leben zu erhalten. Inzwischen hat bereits eine Anhörung vor dem höchsten Gericht des Staates stattgefunden, aber wann eine Entscheidung fällt und ob sie endgültig sein wird, ist noch unklar.

Im Schiavo-Drama hatte der Ehemann der Kranken gegen den Widerstand der Eltern am Ende erreicht, dass die künstliche Ernährung eingestellt wird. Die junge Frau war dann am 31. März 2005 gestorben - 13 Tage nach Entfernung des Schlauches aus ihrem Magen.

Mädchen bereits mit vier Jahren misshandelt
Haleigh hatte schon lange im Stillen gelitten, bevor ihr Fall die ersten Schlagzeilen in den US-Medien auslöste. Im Alter von vier wurde sie nach Misshandlungen durch ihre Mutter in die Obhut ihrer Tante Holli gegeben und von dieser 2001 adoptiert.

Wenig später heiratete Holli dann Jason Strickland, und der Anklage zufolge spielte sich im Haus hinter verschlossenen Türen Unsägliches ab. Beide, Mann und Frau, sollen das Kind immer wieder gequält und geschlagen haben, als "Strafe für schlechtes Verhalten". Vor allem die Adoptivmutter wird als Teufel beschrieben: Mit einem Baseballschläger soll sie Haleigh blutig geprügelt haben.

Ärzte von Zustand des Mädchens schockiert
Vor drei Monaten wurde das Kind in eine Klinik gebracht. Das Personal, an viel Leid und Schmerz gewohnt, zeigte sich schockiert: So entsetzlich waren den Beschreibungen zufolge die Verletzungen des Mädchens. Die Zähne waren eingeschlagen, das Gesicht verschwollen, die Brust mit Schnitt- und Brandwunden bedeckt, manche gerade verheilend, andere ganz frisch. Am schlimmsten aber: Das Stammhirn war so schwer geschädigt, dass Haleighs Zustand als aussichtslos eingestuft wurde.

Beide Stricklands wurden angeklagt und gegen Kaution frei gelassen. Wenig später wurde Holli zusammen mit ihrer Großmutter erschossen aufgefunden - die Polizei vermutet Mord und Selbstmord. Derweil zog Jason Strickland vor Gericht, "um Haleigh zu retten", wie er sagt. Adoptiert hat der 31-Jährige das Kind zwar nie, aber er habe sie immerhin vier Jahre lang aufgezogen, argumentiert Stricklands Anwalt John Egan. "Haleigh hat ihn Daddy genannt."
(apa)

11.12.2005 12:00