Donnerstag, 8. Dezember 2005

"Solche Gespräche bringen nichts": USA verweigern sich weiter dem Kyoto-Prozess

  • UN-Klimakonferenz geht in die Schlussphase
  • Petition der Eskimos gegen sture US-Regierung

Die USA lehnen Verhandlungen zum Klimaschutz weiter ab. "Wir sind der Meinung, dass solche formalen Gespräche nichts bringen", sagte die amerikanische Delegationsleiterin bei der UN-Klimakonferenz in Montreal, Paula Dobriansky. Zuvor hatte der kanadische Ministerpräsident Paul Martin die US-Regierung aufgefordert, sich endlich dem Kyoto-Protokoll anzuschließen. Eine Einigung bei einem der Hauptthemen - verbindliche Werte zur Verringerung der Treibhausgase über 2012 hinaus - war damit auch in der Schlussphase der Konferenz nicht in Sicht.

Der kanadische Umweltminister Stephane Dion hoffte dennoch auf einen Kompromiss. Mehrere Gespräche seien "offen und produktiv verlaufen", sagte Dion. Noch immer könne eine Formulierung gefunden werden, wie auch die USA von einer Beteiligung überzeugt werden könnten.

Mit der Ministerrunde ging die Weltklimakonferenz in ihre Schlussphase. Ministerpräsident Martin begrüßte rund 120 Fachminister aus der ganzen Welt. Deutschland wurde vom neuen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel vertreten. Martin rief in seiner Rede alle Staaten auf, sich auf eine weitere Verringerung der Treibhausgase zu verpflichten. Mit Blick auf die starre Haltung der USA sagte er anschließend zu Journalisten: "Es gibt so etwas wie ein globales Gewissen, und es ist jetzt an der Zeit, darauf zu hören."

Petition der Eskimos gegen sture US-Regierung
Die Eskimos legten am Rande der Konferenz eine Petition an die Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) vor, in der sie die USA zum Hauptschuldigen des weltweiten Klimawandels erklären. Der Anteil der USA am weltweiten Ausstoß der gefährlichen Treibhausgase liegt bei über 25 Prozent. In den daraus für die Umwelt resultierenden Folgen sehen die Inuit, wie sich die Bewohner der Arktis selbst nennen, ihre Menschenrechte verletzt. Die Erderwärmung bedrohe Lebensweise und Kultur der Eskimos, sagte Delegationssprecher Paul Crowley im Namen von 155.000 Inuit aus Kanada, Grönland, Russland und den Vereinigten Staaten.

Eine der Folgen der Klimaveränderung ist das Abschmelzen von Gletschern und Eisbergen. Einer internationalen Studie zufolge ist in der Arktis die Durchschnittstemperatur im Winter in den vergangenen 50 Jahren um fünf Grad Celsius gestiegen.

(apa/red)

8.12.2005 09:15