Mittwoch, 7. Dezember 2005

Vatikan vs. Italiens linke Opposition: Streit um Ehe ohne Trauschein voll entbrannt

  • Prodis Partei will "zivilen Solidaritätspakt" einführen
  • Vatikan sieht verheerende Folgen für Gesellschaft

In Italien ist ein neuer Streit zwischen der Mitte-Links-Opposition und dem Vatikan über "Homo-Ehen" und Ehen ohne Trauschein entbrannt. Die Vatikan-Zeitung "L'Osservatore Romano" reagierte mit Empörung auf die Ankündigung des linken Oppositionschefs Romano Prodi, die Einführung eines so genannten "Zivilen Solidaritätspaktes" (PACS) nach dem Vorbild Frankreichs zu unterstützen. "Auf der Suche nach Wählerstimmen zerreißen Sie die Familie", kommentierte das Blatt.

"Wir wollen die Partnerschaften ohne Trauschein regeln, sowohl jene der Homosexuellen, als auch jene die Heterosexuellen, die die meisten sind", kommentierte Prodi. Schon im September hatte er in einem Brief an den italienischen Schwulenverband Arcigay signalisiert, in seinem Wahlprogramm eine Lösung für die Frage des PACS finden zu wollen.

In Frankreich gilt das Gesetz seit 1999: Demnach können Erwachsene, wenn sie zusammen leben und füreinander einstehen möchten, einen "Pact Civile de Solidarité" schließen. Dadurch werden eine gemeinsame steuerliche Veranlagung, eine Gütergemeinschaft und bevorzugte Erbbestimmungen möglich.

"Die erste Sorge der Gesetzgeber sollte der Schutz der legitimen Familie sein", betonte der Präsident der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Camillo Ruini. Er warnte vor einer angeblich drohenden "Gefahr der sozialen Auflösung", die verheerende Folgen für "Kinder, schwächere Individuen und für die Zukunft der gesamten Gesellschaft" hätte. Eine demokratische Gesellschaft, die die Familie nicht verteidige, habe keine Zukunft, betonte Ruini.

Bisher war in Italien jeglicher Versuch zur Legalisierung unverheirateter Paare gescheitert. Der Vatikan hatte in den vergangenen Monaten öfters vor Gesetzen gewarnt, die "die auf der Ehe begründete Familie" gefährden und "nicht mit dem Plan Gottes übereinstimmen". Der Papst warnte auch vor Gesetzen, die Ehen unter Homosexuellen legalisierten und die Einheit der Familie gefährdeten.
(apa)

7.12.2005 11:03