Nichts mehr zum Anziehen: Saddam Hussein
verweigert Teilnahme an seinem Prozess
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Der Prozess gegen den ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte ist am Mittwoch auf den 21. Dezember vertagt worden. Zuvor hatte sich Saddam Hussein geweigert, an dem Verfahren teilzunehmen. Nach mehrstündiger Verzögerung hatte das Gericht am Mittwoch zunächst noch zwei Zeugen vernommen, um kurz später die Verschiebung des Prozesses bekannt zu geben.
Saddam Hussein hatte sich am Dienstag erneut über seine Haftbedingungen beklagt und angekündigt, den Prozess zu boykottieren. "Ich werde mich diesem ungerechten Tribunal nicht stellen! Fahrt zur Hölle!" rief er. An sich kann der Prozess auch ohne die Anwesenheit des Angeklagten stattfinden.
Zeugin bricht in Tränen aus
Unter Tränen hat eine Zeugin am Dienstag berichtet, wie sie einst von den Schergen des Regimes gedemütigt und mit Elektroschocks gefoltert worden sei. Selbst der frühere Parteifunktionär Ali Daim Ali, einer der sieben Mitangeklagten des Ex-Machthabers, kämpfte am Dienstag auf der Anklagebank mit den Tränen, als die Irakerin berichtete, wie Kinder im Gefängnis misshandelt worden seien. Saddam Hussein verzog keine Miene.
Die Zeugin, die in dem Bagdader Gerichtssaal aus Sicherheitsgründen nur mit "Alif" (der erste Buchstabe des arabischen Alphabets) angesprochen wurde, saß während ihrer Aussage hinter einem grauen Vorhang. Ihre Stimme wurde technisch verzerrt. Nach einer ersten Befragung erlaubte der Vorsitzende Richter den Angeklagten jedoch, das Gesicht der Frau aus Dujail zu sehen. Die Kameras der TV-Sender, die den Prozess zeitverzögert ausstrahlen, wurden vorher ausgeschaltet.
Vergewaltigungen und Folter
Nach dem Massaker in der schiitischen Kleinstadt Dujail von 1982, für das Saddam Hussein und seine ehemaligen Getreuen vor Gericht stehen, waren Dutzende von Frauen und Mädchen im Gefängnis vergewaltigt worden. Viele von ihnen haben aus Scham nie darüber gesprochen. Die Zeugin "Alif" sagte bei ihrem Bericht über Folterungen: "Er zwang mich, mich auszuziehen, dann hob er meine Beine hoch und quälte mich mit Elektroschocks."
Nach ihren lautstarken Auftritten am Vortag und zahlreichen Unterbrechungen auch der Zeugen verhielten sich Saddam Hussein und seine sieben Mitangeklagten während der Aussage der Frau weitgehend ruhig.
Im Gerichtssaal hatten sich am Vortag chaotische Szenen abgespielt. Der Ex-Präsident fiel einem Zeugen ins Wort, der unter Tränen schilderte, wie 1982 in Dujail nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf Saddam Hussein Dutzende von Menschen gefoltert und erschossen worden waren.
Geisel-Botschaft auf Video
Vier als Geiseln festgehaltene westliche Friedensaktivisten forderten Großbritannien und die USA unterdessen zum Abzug ihrer Truppen aus dem Irak auf. "Ich bitte Blair, die britischen Truppen aus dem Irak abzuziehen und das irakische Volk seine eigenen Entscheidungen fällen zu lassen", sagte eine männliche Stimme, die vermutlich dem entführten Briten Norman Kember gehört.
"Als Vertreter eines christlichen Friedensteams sind wir der Ansicht, dass die andauernde amerikanische und britische Besatzung nicht im Interesse des irakischen Volkes ist", sagte eine andere männliche Stimme, wahrscheinlich die von Tom Fox. Der Fernsehsender BBC berichtete am Dienstag, es handle sich um einen bisher unveröffentlichten Teil des Videos, das in der vergangenen Woche vom arabischen Fernsehsender "Al Jazeera" gezeigt worden war. Darin drohten die Geiselnehmer mit der Ermordung der vier Männer, wenn bis zum 8. Dezember nicht alle Häftlinge aus den amerikanischen und irakischen Gefängnissen befreit werden.
(apa/red)
