Dienstag, 6. Dezember 2005

Zwei blutige Selbstmordanschläge im Irak: Explosionen fordern rund 30 Todesopfer

  • Attentäter sprengten sich in Polizeischule in Bagdad
  • Amerikaner soll von Rebellen entführt worden sein

Beim schwersten Anschlag auf irakische Sicherheitskräfte seit neun Monaten haben zwei Selbstmordattentäter mindestens 27 Menschen in den Tod gerissen. 32 weitere wurden verletzt, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Anderen Angaben zufolge wurden mindestens 36 Menschen getötet und mehr als 70 verletzt. Die US-Armee hatte ursprünglich von weiblichen Attentätern gesprochen, erklärte dann jedoch, es habe sich um männliche Täter gehandelt. Sie sprengten sich demnach in einer Polizeischule in Bagdad in die Luft. Unterdessen haben Aufständische einen US-Amerikaner entführt. Dies ist die siebte Entführung eines westlichen Ausländers in den vergangenen zwei Wochen.

Bei den Selbstmordattentätern habe es sich vermutlich um Polizeischüler gehandelt, daher seien sie nicht kontrolliert worden, sagte ein Polizeisprecher. Einer von ihnen zündete seinen Sprengsatz nach irakischen Angaben in der Cafeteria der Akademie, der zweite während des Appells. Die US-Streitkräfte erklärten, beide Bomben seien in einem voll besetzten Klassenraum explodiert. Der Anschlag war der schwerste auf irakische Sicherheitskräfte seit dem 28. Februar. Damals hatte ein Selbstmordattentäter in Hilla eine Autobombe gezündet und 125 Menschen getötet.

Bekennerschreiben der Al-Kaida
Die Al-Kaida-Organisation im Irak hat sich zu dem Anschlag auf die Polizeiakademie bekannt. In einem im Internet veröffentlichten Text, dessen Echtheit zunächst nicht überprüft werden konnte, hieß es: "Zwei Brüdern ist eine neue Offensive gegen die Polizeiakademie gelungen, wo Hunde zum Beißen der Sunniten ausgebildet werden."

Zusammenstöße: Drei Tote
Bei Zusammenstößen rivalisierender kurdischer Parteien sind im Norden des Iraks mindestens drei Menschen getötet worden. Elf weitere wurden verletzt, wie ein Funktionär der Islamischen Union Kurdistans am Dienstag mitteilte. Nach seinen Angaben stürmten Anhänger der Demokratischen Partei Kurdistans die Büros seiner Partei in fünf Städten.

Etwa 50 Personen seien wegen der Auseinandersetzungen festgenommen worden. Die Islamische Union Kurdistans hat sich vor kurzem von der Demokratischen Partei Kurdistans unter Massud Barzani abgespalten und will bei der irakischen Parlamentswahl am 15. Dezember mit eigenen Kandidaten antreten.

US-Bürger entführt
Irakische Aufständische haben unterdessen offenbar einen weiteren westlichen Ausländer entführt. Der arabische Sender Al Jazeera meldete die Geiselnahme eines US-Bürgers und strahlte ein Video der Rebellengruppe "Islamische Armee im Irak" aus, auf dem ein gefesselter blonder Mann zu sehen war. Gezeigt wurde außerdem ein US-Personalausweis. Die Authentizität der Aufnahme konnte zunächst nicht überprüft werden.

Sollte sich ihre Aussage bewahrheiten, so wäre es die siebte Entführung eines westlichen Ausländers in zwei Wochen. Neben der Deutschen Susanne Osthoff wurden zuletzt vier Mitarbeiter einer Hilfsorganisation - darunter ein US-Bürger, zwei Kanadier und ein Brite - sowie ein französischer Ingenieur verschleppt.

Anschlag in Afghanistan
Mutmaßliche Aufständische haben im Süden von Afghanistan zwei Zivilpersonen und einen Polizisten erschossen. Zwei weitere Polizisten wurden verletzt, als die Angreifer in der Provinz Helmand am Montagabend aus einem Auto das Feuer eröffneten. Die Täter flohen anschließend, wie die Provinzregierung mitteilte. Die Behörden konnten ihrer vorerst nicht habhaft werden.

Die Behörden machten die Taliban für die Tat im Bezirk Nad Ali verantwortlich. Im Süden und Osten des Landes wurden bei Anschlägen auf Polizei und Streitkräfte seit Anfang des Jahres fast 1.500 Menschen getötet.

(apa/red)

6.12.2005 12:11