Dienstag, 6. Dezember 2005

Flugzeugunglück im Iran: Militär-Flugzeug stürzt in Wohnhaus - über 100 Todesopfer!

  • Teheran: Zehnstöckiges Gebäude steht in Flammen
  • Nach Start umgekehrt: Pilot versuchte Notlandung
    PLUS: Alle BILDER von der Unglücksstelle im Iran!

Beim Absturz eines Militärflugzeugs in ein zehnstöckiges Hochhaus in Teheran sind mindestens 116, nach anderen Angaben sogar mindestens 119 Menschen ums Leben gekommen. Die Hercules-Transportmaschine hatte Berichten zufolge direkt nach dem Start vom Zentralflughafen der iranischen Hauptstadt Probleme an einem der Motoren. Sie stürzte beim Versuch einer Notlandung in das Gebäude, das in einem Feuerball aufging.

Von den 106 Insassen an Bord überlebte nach Luftwaffenangaben niemand. Aus dem Wohnhaus wurden weitere Todesopfer geborgen, die meisten Frauen und Kinder. Mindestens 90 Menschen wurden verletzt. Bisher seien 116 Leichen geborgen worden, sagte ein Sprecher des iranischen Innenministeriums. Die Explosion sei sehr stark gewesen, weil die Maschine vollgetankt war. Ein junges Mädchen sei aus Angst vor den Flammen aus dem Haus gesprungen.

Technisches Problem an Bord
Die Maschine vom Typ Hercules C-130 war mit dem Ziel Bandar-Abbas im Süden des Landes gestartet, machte jedoch wegen technischer Probleme kehrt und nahm wieder Kurs auf den Flughafen Mehrabad. Bis dorthin gelangte der Pilot jedoch nicht mehr, seine Maschine ging um 13.45 Uhr (Ortszeit) über dem südlichen Stadtviertel Jaftabad nieder. Ein Polizeisprecher sagte, das Flugzeug sei zunächst gegen Gasleitungen geflogen und dann am Fuße des Hochhauses abgestürzt. Das Flugzeug zerbrach, das Gebäude geriet in Brand, stürzte aber nicht ein.

Rauch aus einem Triebwerk
Aus einem der Triebwerke sei kurz vor dem Absturz dicker Rauch gedrungen, berichtete der Augenzeuge Mohammed Rassuli. Die Maschine sei mit großer Geschwindigkeit abgestürzt. "Es gab eine riesige Explosion, die das Haus verschlungen hat", sagte der 30-jährige Anrainer. In dem Hochhaus lebten nach Behördenangaben mehr als 200 Menschen. Die Rettungsmannschaften riegelten das Viertel großräumig ab. Spezial-Einheiten der Polizei gingen mit Schlägen gegen Schaulustige und Journalisten vor.

"Es war wie ein Erdbeben"
An Bord der Unglücksmaschine waren unter anderen 40 Journalisten und Techniker der staatlichen iranischen Medien, die über Militärübungen in der südöstlichen Stadt Scharbahar berichten sollten. Vermutlich befanden sich auch führende Armeeangehörige unter den Passagieren. "Es war wie ein Erdbeben", sagte der Händler Resa Sadeki. Die Wucht des Aufpralls der Maschine habe ihn drei Meter weit in sein Geschäft geschleudert. Die Hitze und die Flammen seien "wie die Hölle" gewesen, berichtete der 25-Jährige weiter. Das Unglück ereignete sich im Viertel Towhid, einer Hochhaus-Siedlung für Angehörige der Streitkräfte.

Robustes Frachtflugzeug
Die viermotorige C-130 gilt als robustes und zuverlässiges Frachtflugzeug für den Transport ziviler oder militärischer Nutzlasten. Seit Beginn der Produktion vor fast 40 Jahren hat der US-Hersteller Lockheed rund 2.000 Maschinen weltweit ausgeliefert. Die Hercules benötigt zum Starten und Landen nur relativ kurze Pisten. Der Iran besitzt etwa 15 Maschinen vom Typ C-130, die vor der Revolution 1979 in den USA gekauft worden waren und mittlerweile mehr als 30 Jahre alt sind.

Mehrere tödliche Unglücke im Iran
Wegen der Wirtschaftssanktionen gegen das Land fehlt es allerdings an Ersatzteilen. Die Hercules C-130 war bereits mehrfach in tödliche Unglücke verwickelt: 1997 waren beim Absturz einer Maschine dieses Typs auf dem iranischen Flughafen Maschhad 86 Menschen gestorben. Im Februar 2000 kamen bei einem Zusammenstoß mit einem Airbus 300 zehn Menschen ums Leben. Im Juni 2003 forderte ein weiterer Absturz nahe Teheran sieben Menschenleben.

Teherans Zentralflughafen Mehrabad wurde vor rund 50 Jahren gebaut. Mittlerweile liegt er mitten in der Stadt. Die Behörden wollen den Flugverkehr nach und nach auf den neu gebauten Khomeini-Flughafen rund 50 Kilometer außerhalb von Teheran verlegen. Die Sichtbedingungen am Dienstag waren schlecht: Das Arbeiterviertel Jaftabad, in dem die Maschine niederging, liegt seit geraumer Zeit unter einer dichten Smogdecke.

(apa)

6.12.2005 12:00