Montag, 5. Dezember 2005

Wieder Entführung im Irak: Französischer Ingenieur wurde von drei Männern entführt

  • Neuer Appell von Familie der Deutschen Osthoff
  • Britischer Minister: Abzug aus dem Irak Anfang 2006?

Im Irak ist nach Polizeiangaben ein französischer Ingenieur entführt worden. Wie ein Sprecher der irakischen Polizei am Montag mitteilte, umstellten Bewaffnete mit drei Fahrzeugen das Auto des Mannes, als dieser von einem Haus im Nobelviertel Mansour zur Arbeit fahren wollte. Das Außenministerium in Paris bestätigte das "Verschwinden" des französischen Ingenieurs Bernard Planche.

Der arabische TV-Nachrichtensender Al-Jazeera berichtete am Montag, in Bagdad sei ein französischer Ingenieur entführt worden. Dies sei von der Polizei bestätigt worden. Vor zehn Tagen war die Deutsche Susanne Osthoff entführt worden. Von ihr fehlt jede Spur. Zudem befinden sich vier christliche Menschenrechtsaktivisten aus Großbritannien, Kanada und den USA in der Hand von Geiselnehmern.

Der Franzose wurde am Montagmorgen gegen 9.20 Uhr Ortszeit (7.20 MEZ) im westlichen Stadtviertel Mansour aus seinem Auto geholt, wie Polizeivertreter mitteilten. Die Entführer hätten ihn an einen unbekannten Ort gebracht. Im zurückgelassenen Fahrzeug des Entführten wurden demnach Papiere gefunden, denen zufolge er als Ingenieur in einem Klärwerk der Stadt tätig war.

Drei französische Journalisten befanden sich im Irak bereits monatelang in der Hand von Geiselnehmer. Georges Malbrunot, Christian Chesnot und Florence Aubenas kamen unversehrt auf freien Fuß.

Neuer Appell von Familie der im Irak entführten Deutschen Osthoff
Die Familie der entführten Deutschen Susanne Osthoff hat erneut einen eindringlichen Appell an die Geiselnehmer im Irak gerichtet: "Meine Tochter ist mehr Irakerin als Deutsche. Reden Sie mit ihr. Lernen Sie Susanne kennen. Dann können Sie sich schnell davon überzeugen, dass sie im Irak nur eins wollte: den Menschen dort helfen", erklärte Osthoffs Mutter Ingrid Hala in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Ihre Tochter sei ein guter, barmherziger Mensch. "Ich bitte Sie, seien Sie gnädig zu ihr und sagen Sie Susanne, dass wir mit unseren Herzen bei ihr sind und sie lieben", erklärte Hala. Sie appellierte zugleich an die Entführer, Kontakt mit den irakischen oder deutschen Behörden aufzunehmen. Es müsse eine friedliche Lösung gefunden werden: "Lassen Sie Susanne frei."

Die Mutter dankte im Namen der Familie für die große Anteilnahme der irakischen und deutschen Bevölkerung am Schicksal der Archäologin: "Es hat uns in dieser schwierigen Situation Mut und Kraft gegeben, dass sich sogar der irakische Präsident Dschalal Talabani persönlich um ein Ende des Geiseldramas bemüht." Auch die Verurteilung der Entführung durch kurdische, schiitische und sunnitische Persönlichkeiten und Parteien mache Hoffnung, dass die Entführer zur Einsicht gelangen würden.

Der Zeitung zufolge soll der neuerliche Appell vom irakischen Präsidialamt ins Arabische und Kurdische übersetzt und in allen irakischen Medien veröffentlicht werden.

Rückzug Anfang 2006?
Der britische Verteidigungsminister John Reid hat einen möglichen Beginn des Rückzugs aus dem Irak für das kommende Jahr angekündigt. Möglicherweise könnten die irakischen Sicherheitskräfte dann im Süden des Landes die Kontrolle übernehmen, sagte Reid in London. Er räumte zwar Probleme wie Korruption bei der Ausbildung von irakischen Soldaten und Polizisten ein, betonte jedoch, dass der Prozess grundsätzlich zufrieden stellend verlaufe.

(apa/red)

5.12.2005 09:18