Grüne Vizechefin Eva Glawischnig im NEWS- Interview: "Kinder kriegen ist eine Falle"
- Attacke auf "desaströse" Frauenpolitik der Regierung
- "Wir wollen genauso arbeiten wie die Männer"

Eva Glawischnig, grüne Vizechefin und im fünften Monat schwanger, will nun Galionsfigur von berufstätigen Müttern werden. Dafür attackiert sie in NEWS Kanzler Schüssels Frauenpolitik und sagt, warum Frauen "genauso arbeiten wollen wie Männer".
NEWS: Sie haben im Parlament einen dringlichen Antrag zur Frauenpolitik an den Kanzler gestellt. Wieso ist Ihnen dieses Thema plötzlich so wichtig?
Glawischnig: Weil sich die Situation der Frauen dramatisch verschlechtert hat. Es ist das erste Mal, dass Schüssel als Kanzler dazu Stellung nehmen muss. Bislang war das immer nur Sache der Frauenministerin. Uns geht es dabei um Schüssels Verantwortung: Er hat seit dem Jahr 2000 ein Desaster zu verantworten.
NEWS: Die Frauenpolitik des Kanzlers ist ein Desaster?
Glawischnig: Ja, die Zahl der arbeitslosen Frauen ist von 80.000 im Jahr 2000 auf 120.000 2005 gestiegen. Das
ist ein Desaster. Das sind 18 Frauen pro Tag. Wenn man die alle vors Bundeskanzleramt stellen würde, wäre der Ballhausplatz voll. Und das ist seine Verantwortung.
NEWS: Die ÖVP vermarktet sich doch immer gern als Familienpartei, und die hat ja auch das Kindergeld eingeführt. Trotzdem gibt es einen Geburtenrückgang. Kann man dafür wirklich die Politik verantwortlich machen, wie es die Grünen tun?
Glawischnig: Natürlich, der Geburtenrückgang ist ja kein Wunder. Diese Bundesregierung macht doch eine völlig rückwärts gewandte Politik und hat modernen Familien nichts anzubieten. Der Mann gilt als Haupternährer und die Frau, selbst wenn sie super ausgebildet ist und bereits Karriere gemacht hat, sobald sie ein Kind kriegt, nur mehr als Dazuverdienerin. Für Frauen ist Kinderkriegen teilweise zur Arbeitsfalle geworden, weil die Frauenbeschäftigung nur mehr im Teilzeitbereich steigt und der Wiedereinsteig nach einer Karenz immer schwerer wird.
NEWS: Immer mehr Frauen entscheiden sich tatsächlich aus beruflichen Gründen bewusst gegen ein Kind. Wie kann man dem gegensteuern?
Glawischnig: In den letzten Jahren wurden Frauen nicht nur Steine, sondern ganze Felsbrocken auf den Lebensweg gestellt. Es ist nicht nur verständlich, es lässt sich auch klar belegen, dass sich immer mehr Frauen deswegen gegen Kinder entscheiden. Wenn man gut ausgebildeten Frauen nach ein, zwei Jahren Babypause nur eine Berufsorientierung als Maßnahme anbietet, ist das lächerlich. Das sind Frauen, die am Arbeitsmarkt ihre Frau gestanden sind und dann aufgrund von Erfahrungen in ihrer Umgebung Angst um ihren Job haben. Frauen sind dann tatsächlich mit Problemen konfrontiert. Das Auseinanderklaffen von Kindergeld und Kündigungszeit ist eine klassische Falle.
NEWS: Aber was würden die Grünen anders machen, sollten sie tatsächlich in eine Regierung kommen?
Glawischnig: Wir würden das Karenzgeld völlig verändern. Es gibt kein sinnvolles Argument, es nicht einkommensabhängig zu machen. Also gerade Frauen, die an der gläsernen Decke kratzen, sich etabliert und durchgesetzt haben, kann man doch nicht mit 460 Euro nachhause schicken. Das ist eine Verhöhnung.
NEWS: Sie sind eine Karrierefrau, die im fünften Monat schwanger ist und weiter arbeiten will. Glauben Sie, dass man Müttern in Österreich ein schlechtes Gewissen einreden will, wenn die gleich wieder arbeiten? In Frankreich ist es ja gesellschaftlich voll akzeptiert, dass Mütter sofort in den Beruf zurückkehren.
Glawischnig: Ich habe es bei meinem Einkommen sicher leichter. Es gibt für Abgeordnete nicht einmal einen Mutterschutz. Ich will allerdings gleich wieder arbeiten. Der Mutterschutz ist eine wichtige Errungenschaft. Ich will und werde auch mit Baby voll in den Wahlkampf einsteigen. Da brauchen sich die politischen Gegner keine falschen Hoffnungen machen. Und das Baby wird auch im Wahlkampf dabei sein. Natürlich wird hier immer versucht, einem ein schlechtes Gewissen einzureden, nach dem Motto, Frau sei eine Rabenmutter. Aber Sie haben Recht, in Frankreich oder den skandinavischen Ländern ist nicht nur die Kinderbetreuung wesentlich umfassender und schon im Babyalter möglich, auch die Einstellung gegenüber berufstätigen Müttern ist weitaus besser. In Österreich ist die Entwicklung eher nach hinten gegangen, zurück zu den 60er Jahren.
Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen NEWS!
