Montag, 5. Dezember 2005

"Weg mit dem Würschtl": ORF-Publikumsrat beschäftigte sich mit der Causa Seledec!

  • Ergebnis der internen Kommission liegt noch nicht vor
  • H.-C. Strache sieht "völlig unwürdige Menschenhatz"

Die Causa Seledec hat im ORF-Publikumsrat die Wogen hochgehen lassen: Einige Mitglieder bedachten den zentralen Chefredakteur mit deftigen Schimpfwörtern, wobei "Würschtl" (Fritz Muliar) noch harmlos war. Seledec hatte mit seiner Teilnahme an einer Kranzniederlegung am Grab des NS-Luftwaffenoffiziers Walter Nowotny für Aufregung gesorgt. Die ORF-interne Kommission zum Thema ist noch nicht zu einem Ergebnis gekommen.

Muliar plädierte für eine rasche Entscheidung, gepaart mit Gelassenheit. "Der Herr Seledec ist ein Würschtl", meinte er und ließ noch einen bei weitem drastischeren Ausdruck aus der Fäkalsprache folgen. "Er ist nicht würdig, dass man sich mit ihm befasst. Ich will nicht, dass der Herr Seledec verhungert, aber er muss weg, das ist klar. Er muss weg, mit einer Begründung."

Georg Weißmann, Vorsitzender der Kommission und auch des Publikumsrats, stimmte Muliar "in der Quintessenz" zu. Er riet dem Schauspieler allerdings, das deftige Schimpfwort aus dem Protokoll streichen zu lassen. Worauf wieder Peter Karner, evangelischer Kirchenvertreter, protestierte: Es handle sich "um eine zutreffende Bezeichnung für ein Charakterschwein". Karner stellte zur Debatte, ob Seledec "ein Renommee für den ORF" sei.

Weißmann konnte noch "keine Auskunft" über Resultate der Kommissionsarbeit geben, da man "absolutes Stillschweigen" vereinbart habe. Er verwies auf seine eigene Geschichte: "Mein Hass gegen das Nazi-Regime war von Kindheit auf da". Seine Position sei aber: "Ich mache aus dem Herrn Seledec mit Sicherheit keinen Märtyrer, wenn er nicht etwas angestellt hat." Das sei Seledec "dort" (in der rechtsextremene Szene, Anm.) längst, wandte Willi Mernyi (ÖGB) ein. Es gehe in der Causa nicht um die Vergangenheit, sondern um Rechtsextremismus in der Gegenwart und darum, dass diesen "Menschen durch ihre Präsenz stärken".

Die Kommission war im November installiert worden, um "das inkriminierte Verhalten nach rechtsstaatlichen Grundsätzen und umfassend zu beurteilen", hatte der ORF damals erklärt. Seledec wurde beurlaubt, laut ORF eine "übliche und zweckmäßige Verfahrensmaßnahme".

Strache sieht "völlig unwürdige Menschenhatz"
FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache hat die "völlig unwürdige Menschenhatz auf den untadeligen ORF-Chefredakteur" Walter Seledec verurteilt. Die Bezeichnungen "Charakterschwein" oder "Würschtl" im Publikumsrat zeugten von "Pol Pot-Manier", einige Mitglieder agierten "wie Rote Khmer", so Strache in einer Aussendung.

Der ORF nehme durch diese Entwicklung "massiven Schaden", kritisierte er weiter. Die Herrschaften Muliar und Karner seien "offensichtlich das Opfer eines politischen Tollwutanfalles geworden". Auch Georg Weißmann, den Vorsitzenden des Publikumsrats sowie der internen Seledec-Kommission, griff Strache an: Dieser habe sich "völlig disqualifiziert", da er der "Hatz offensichtlich freien Lauf gelassen" habe. Strache zeigte sich überzeugt, dass die Angelegenheit ein "Nachspiel" haben müsse. (apa)

5.12.2005 16:21