Schriftsteller Milo Dor 82-jährig gestorben: Gebürtiger Budapester starb in Wiener Spital
- War auch Präsident der IG Autorinnen und Autoren
"Doyen europäischer Literatur", "Stimme der Vernunft", "große integrative Kraft" und "Vermittler über die Sprachgrenzen hinweg" - so lauteten die Reaktionen auf den Tod des Schriftstellers Milo Dor, der im Alter von 82 Jahren in einem Wiener Krankenhaus verstorben ist. Betroffenheit herrscht auch in der IG Autorinnen Autoren, deren Gründer und Präsident Dor war. "Er war ein Romanschriftsteller, Erzähler, Filmautor und Übersetzer von außergewöhnlichem Format, ein großer Europäer, ein Weltbürger und ein Ausnahmekönner und Ausnahmekenner der europäischen Literatur und der jüngeren europäischen Geschichte", charakterisierte ihn IG-Geschäftsführer Gerhard Ruiss.
Geboren wurde Dor als Milutin Doroslovac am 7. März 1923 als Sohn einer serbischen Familie aus dem Banat in Budapest. Er wuchs ab 1933 in Belgrad auf, und war als Gymnasiast Mitglied des Bundes der kommunistischen Jugend Jugoslawiens. 1942 wurde Dor nach der Besetzung der Stadt als Widerstandskämpfer verhaftet, gefoltert, in Lager- und Gefängnishaft gehalten und 1943 als Zwangsarbeiter nach Wien abgeschoben. Bei Kriegsende aus der "Schutzhaft" entlassen, blieb Dor in Wien, studierte hier bis 1949 Theaterwissenschaft und Romanistik. Danach begann er als freiberuflicher Schriftsteller und Journalist zu arbeiten, wurde Mitarbeiter der Literaturzeitschrift "Plan" und später Mitglied der "Gruppe 47".
1952 erschien sein autobiografischer Roman "Tote auf Urlaub", der den Weg eines serbischen Jungkommunisten durch Gefängnisse und Konzentrationslager von Belgrad bis Wien beschreibt. "Tote auf Urlaub" bildet zusammen mit "Nichts als Erinnerung" und "Die weiße Stadt" die Trilogie "Die Raikow Saga". Gemeinsam mit Reinhard Federmann verfasste Dor auch eine Reihe von Kriminalromanen (etwa "Internationale Zone" oder "Und einer folgt dem anderen"). Milo Dor hat ein umfangreiches Werk an Erzählungen, Romanen, Übersetzungen, Hör- und Fernsehspielen sowie TV-Reisefeatures geschaffen.
Zuletzt fungierte Dor als Mit-Herausgeber der Literaturedition "Landvermessung. Österreichische Literatur nach 1945. Vergessene, Bleibende, Künftige" (Residenz Verlag). Als "wichtigen Vermittler über die Sprachgrenzen hinweg" bezeichnete Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) den Verstorbenen. Dor habe "durch seine literarische und politische Arbeit viel zum Verständnis der Probleme der Balkanstaaten beigetragen", so Bundespräsident Heinz Fischer. Der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl wiederum meinte, dass Dor "Literatur auch als Sprachrohr zur Verteidigung der Menschenrechte und zur Stärkung des liberalen Denkens in Politik und Alltag genutzt hat". (apa/red)
