Mittwoch, 30. November 2005

Am Abstellgleis: Generation Angst

  • NEWS nennt die Zahlen und zeigt die Schicksale.

NEUE JUGENDSTUDIE SCHLÄGT ALARM. Österreichs Teenager fürchten sich vor Arbeitslosigkeit und Abstieg wie nie zuvor. Kaum Chancen und ein immer härter werdender Wettbewerb. Bleiben die Jungen auf der Strecke?

Eileen besucht eine Elite-Schule. Gute Lehrer, praxisnaher Unterricht, Praktika, Berufsvorbereitung. Sabine hingegen wäre schon froh, wenn sie wenigstens eine Lehrstelle fände. Doch nichts, nur Absagen, seit Wochen, seit Monaten. „Viel Glück auf Ihrem weiteren Lebensweg“, diese Zeile kennt Sabine mittlerweile zur Genüge.

Oswald wiederum „darf erst gar nicht daran denken“, wie es nach seinem Lehrabschluss weitergehen soll. Eine fixe Anstellung, endlich etwas Geld in der Tasche oder doch nur wieder ein Vertrösten auf später, wie in all den Jahren zuvor. Manuel erwartet das alles erst. Die nächsten Monate entscheiden. Denn wenn er bis zum Ende des Polytechnikums keine Lehrstelle findet, ist es zu spät. Er weiß selbst, wie schwer die Suche sein wird.

Angst vor dem Abstieg, bevor der Aufstieg begonnen hat. Das Schicksal von vier Jugendlichen – alle zwischen 14 und 19 Jahre alt. So unterschiedlich ihre Herkunft, ihre Wünsche und Träume auch sein mögen, so gleich ist doch das mulmige Gefühl, das sie beschleicht, wenn sie an ihre Zukunft denken. Angst macht sich breit: vor der Arbeitslosigkeit und vor dem Scheitern. Vor dem Absturz, noch bevor der Aufstieg überhaupt erst begonnen hat. Und damit sind die vier nicht allein, wie eine aktuelle Studie des Österreichischen Instituts für Jugendforschung (ÖIJ) belegt. In einer repräsentativen Umfrage wurden 1.300 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren befragt. Und die Ergebnisse zeigen, wie düster Österreichs Jugend die eigene Zukunft sieht.



  • 82 Prozent sind beunruhigt darüber, dass die Zukunft für sie derart unsicher geworden ist. „Ein solch hoher Wert“, so der Geschäftsführer des ÖIJ, Reinhard Zuba, „sollte uns allen Sorgen machen, weil er zeigt, wie groß die Zweifel der Jugend sind“.

  • Hauptquelle der Angst ist die Arbeitslosigkeit. 40 Prozent der Jugendlichen sehen für sich nur wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

  • Und gar 31 Prozent sind derart verzweifelt, dass sie für sich keine Perspektiven mehr in Österreich sehen.

  • In einer Fessel-Studie gaben 61 Prozent der befragten Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren an, dass sie sich vor nichts so sehr fürchten wie der Arbeitslosigkeit. Auch Angst vor Armut und davor, den Anforderungen der Berufswelt nicht mehr gerecht zu werden, prägen die Befürchtungen der Jugendlichen.




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30.11.2005 18:09