Mittwoch, 30. November 2005

Straches schlagende Burschen

  • FPÖ-Kaderschmiede: Blaues who’s who
  • Von der Pflichtmensur direkt in die blaue Politikszene

Die Burschenschafter sind wieder da: Wer im FP-Nationalratsklub, im Wiener Gemeinderat, in den Uniräten und staatsnahen Aufsichtsräten sowie der Strache-FPÖ wirklich das Sagen hat.

Sie tragen ihre Narben – Schmisse heißt das in dieser Welt – stolz auf ihren Wangen zur Schau. Sie treffen sich auf den „Buden“ ihrer Häuser, um bei reichlich Bier und Kameradenliedern über das „deutsche“ Leben und die „Diktatur der linken Gutmenschen“ zu „philosophieren“. Und sie steigen immer wieder hinab in die Keller diverser Lokale, um dort die „Füchse“ – die Neulinge – ihre Mensuren mit scharfen Klingen ausfechten zu lassen, damit diese „echte“ Männer – pardon: „Burschen“, wie man das dort nennt – werden können. Öffentlichkeit lieben die heimischen Korporierten – schlagende Burschenschafter – freilich weniger. Und doch sind sie dieser Tage in aller Munde, weil ein paar Studenten von Österreichs ältester schlagender und extrem rechts stehender Verbindung, Olympia, als Einlader des mittlerweile in Wien-Josefstadt einsitzenden Revisionisten und Holocaust-Leugners, David Irving, geoutet wurden. Er hätte, plauderte der englische Rechtsextremist aus, „am 11. November beim Stiftungsfest der Olympia einen Vortrag halten“ sollen.

Top-Jobs für schlagende Burschenschafter. Doch wer sind diese Burschenschafter überhaupt, die wie Relikte aus längst vergangenen Tagen wirken? Sind sie nur eine unbedeutende deutschnationale Minderheit, die im Gestern lebt und heute keine Rolle mehr spielt, wie viele glauben? Eine Minderheit sind sie sicher, doch unbedeutend keineswegs. Im Gegenteil: Seit dem Wiedererstarken der FPÖ in Wien sind sie stärker denn je – und vor allem besetzen sie immer mehr Topjobs dieser Republik:

Heinz-Christian Strache, der blaue Bundesparteiobmann, gehört etwa der schlagenden Mittelschulverbindung Vandalia an, mit ihm haben die Burschenschafter ihr großes Comeback in der FPÖ feiern können. Denn der schlagende Burschenschafter Jörg Haider, Albia und Silvania, hatte seine Bundesbrüder ab Mitte der 90er Jahre immer mehr an den Rand gedrängt und sogar einen der Ihren, Harald Stefan, seines Zeichens Wiener Gemeinderat, enger Freund Straches und Mitglied der Olympia, 2004 als FPÖ-Justizminister verhindert. Seit sich Haider abgespalten hat, sind sie wieder ins Zentrum der Macht gerückt. Der Wiener FPÖ-Gemeinderatsklub gleicht einem „Who’s who“ der Burschenschaftsszene.

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30.11.2005 17:58