Arbeitslosigkeit erreicht neuen Rekord-
Wert: Bald 400.000 Österreicher ohne Job?
- Im November waren über 312.000 auf Arbeitssuche
Kritik von AK, ÖGB & Opposition an Regierungspolitik - Frauen & Jugendliche wieder am stärksten betroffen
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MITSTIMMEN: Haben Sie Angst um Ihren Job?
·Österreichs junge Generation in Angst
NEWS: Große Furcht vor Job-Misere und Abstieg
·VA Tech Hydro: In Weiz 300 Jobs weg!
Vor allem Leiharbeiter sollen betroffen sein!
·WHO: Keine Jobs mehr für Raucher!
Maßnahme soll eigene Glaubwürdigkeit stärken
·D: Arbeitslosigkeit ist erneut gesunken!
Um 25.000 weniger Job-suchende als im Oktober
Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter und hat im November einen neuen Rekord erreicht. Nach der offiziellen Statistik des Arbeitsmarktservice (AMS) waren 257.270 Personen arbeitslos gemeldet. Das war der höchste November-Wert der Zweiten Republik. Rechnet man die 54.980 in Schulung befindlichen Arbeitssuchenden zu den offiziellen Zahlen dazu, suchten im November sogar 312.250 Personen einen Job.
Im Jahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit um 4,3 Prozent oder um 10.544 Personen, gegenüber Oktober nahm die Zahl der Jobsuchenden um 8,3 Prozent oder um 19.688 Betroffene zu, geht aus der am Freitag veröffentlichten AMS-Statistik hervor.
Die Beschäftigung stieg im November gegenüber dem Vorjahr um 1,23 Prozent oder um 39.416 auf 3,244.434 Personen. Gegenüber Oktober ging die Beschäftigung um 21.782 Betroffene (-0,67 Prozent) zurück. Die Nationale Arbeitslosenrate stieg im November auf 7,4 Prozent gegenüber 7,1 Prozent vor einem Jahr und 6,8 Prozent im Oktober.
Inklusive der 54.980 in Schulung befindlichen Arbeitssuchenden waren im November 312.250 Personen auf Jobsuche. Das waren um 5,16 Prozent oder um 15.328 Betroffene mehr als 2004. Damit nähert sich die Arbeitslosigkeit in Österreich bedenklich der 400.000er-Marke. Inklusive Schulung betrug die Arbeitslosenquote im November 8,8 Prozent gegenüber 8,5 Prozent vor einem Jahr.
Vor allem Jugendliche und Frauen betroffen
Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren vor allem Jugendliche und Frauen betroffen. Insgesamt waren im November 43.994 Jugendliche unter 25 Jahre ohne Job, das waren um 3.164 oder um 7,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bei den unter 19-Jährigen nahm die Arbeitslosigkeit um 5,71 Prozent oder um 584 auf 10.812 Jobsuchende zu. Bei den 20- bis 24-Jährigen Jugendlichen betrug der Anstieg dramatische 8,43 Prozent oder 2.580 Personen auf 33.182 Arbeitslose.
Die Zahl der Lehrstellensuchenden erhöhte sich lediglich um 0,15 Prozent auf 5.320 Personen. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen stieg dank des Blum-Bonus um 67 Prozent oder um 1.310 auf 3.264 Lehrstellen an. Die Lehrstellenlücke belief sich im November auf 2.056 fehlende Lehrstellen.
Während die Arbeitslosigkeit bei den Männern "nur" um 3,55 Prozent auf 136.962 Betroffene zunahm, stieg die Arbeitslosigkeit bei den Frauen überdurchschnittlich um 5,11 Prozent auf 120.308 Betroffene an.
Tumpel befürchtet 400.000 Arbeitslose im Winter
Heftige Kritik an der Arbeitsmarktpolitik der Regierung kommt von Arbeiterkammer (AK), Gewerkschaft und Opposition. "Ich befürchte 400.000 Arbeitssuchende im Winter", so Tumpel am Freitag nach der Veröffentlichung der aktuellen Arbeitsmarktdaten für November. Tumpel verlangt von der Regierung endlich Maßnahmen, die unmittelbar Beschäftigung und Wachstum ankurbeln.
Die Arbeitslosigkeit steige deswegen permanent, weil die Regierung mit ihren Aktionen auf halbem Weg stehen geblieben sei, so ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch. Die Gegenmaßnahmen der Regierung im Kampf gegen die ausufernde Arbeitslosigkeit seien unzureichend. Ausbildungsmaßnahmen seien zwar gut und notwendig, aber die Menschen in Österreich bräuchten auch Arbeitsplätze.
Arbeiterkammer und Gewerkschaft fordern Infrastrukturinvestitionen. Aus dem am 1. Mai versprochenen Vorziehen von 300 Mio. Euro für Infrastrukturinvestitionen sei bis jetzt nichts geworden, kritisiert Tumpel.
SPÖ: "Regierung ideen- und planlos"
Die Regierung sei nicht in der Lage, eine Trendwende am Arbeitsmarkt einzuleiten, kritisiert SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures: "Noch nie waren so viele Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen, und noch nie war eine Regierung so ideenlos und planlos wie die Regierung Schüssel". Seit November 2000 habe Schüssel die Arbeitslosenzahlen um 90.000 in die Höhe getrieben. Bei den Jugendlichen gab es seit dem Jahr 2000 einen Anstieg um 26.685 beziehungsweise um 70 Prozent. "Die Wende, für die Schüssel verantwortlich ist, war die von einer Politik der Vollbeschäftigung zur Rekordarbeitslosigkeit."
Grüne warnen vor französischen Zuständen
Von knapp 44.000 arbeitslosen Jugendlichen, sind 9.500 schon länger als ein Jahr ohne Job, so der stellvertretende Klubobmann und Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger. Diesen jungen Menschen drohe eine längere Karriere in der Arbeitslosigkeit als im Beruf. Wohin derartige Verhältnisse führen, haben die Unruhen in Frankreich gezeigt. Die Untätigkeit der Regierung schaffe Wut, Hass und Verzweiflung. Bartenstein, Schüssel & Co verbauen einer ganzen Generation den Weg in die Gesellschaft. Millionen Euro für Pseudo-Kurse und Subventionen für Jobs auszugeben schaffen keine Perspektiven ab Arbeitsmarkt. Gebraucht werde eine Aktion 10.000, die Menschen echte Jobs bietet.
ÖVP: "Rekordbeschäftigung erfreulich"
Die Situation am Arbeitsmarkt werde von der Bundesregierung sehr ernst genommen und bilde deshalb auch den Schwerpunkt der Regierungsarbeit, kontert ÖVP-Finanzsprecher Günter Stummvoll. Erfreulich an den aktuellen Arbeitsmarktdaten seien der Anstieg der offenen Lehrstellen, die Rekordbeschäftigung die kürzere Verweildauer in der Arbeitslosigkeit und der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit.
(apa/red)

