Industrie legt sich quer: Allgemeine Offen-
legung der Managergagen ist gescheitert
- Veröffentlichung der Vorstandsgehälter nur freiwillig
·Offenlegung der ÖBB- Management-Gehälter
20 Manager erhalten zusammen 4 bis 5 Mio.
·Hauptverband: Offen- legung der Gehälter
Kandlhofer kommt auf bis zu 194.000 Euro/Jahr
Die geplante Verschärfung bei der Offenlegung der Vorstandsgehälter ist am heftigen Widerstand der Industrie gescheitert. Bis auf weiteres erfolgt die Veröffentlichung von Managergagen in Österreich auf freiwilliger Basis.
Seit Montag ist das Thema individuelle Offenlegung dem "Wirtschaftsblatt" zufolge endgültig vom Tisch. Nur wenige Stunden vor der letzten Sitzung des Arbeitskreises für den Corporate Governance Kodex - das ist ein Regelwerk für das Wohlverhalten börsenotierter Unternehmen - sei die Industrie mit dem Vorschlag vorgeprescht, die individuelle Veröffentlichung der Vorstandsgagen solle im Kodex nicht wie geplant in eine C-Regel, sondern in eine R-Regel gekleidet werden.
Im Klartext heißt das: Die Offenlegung erfolgt auf rein freiwilliger Basis. Die C-Regel, wie sie der Kapitalmarktbeauftragte Richard Schenz ursprünglich vorgesehen hatte, hätte sanften Zwang ausgeübt. "C" steht für "Comply or explain" - wer also der Regel nicht nachkommt, muss dies öffentlich erklären.
Genau das wollten aber einige Manager nicht. Besonders vehemente Verweigerer sollen RHI-Boss Helmut Draxler, Ex-EVN-Chef Rudolf Gruber und Böhler-Uddeholm-Vorstandsvorsitzender Claus Raidl, der sein Gehalt schon seit geraumer Zeit ausweist, gewesen sein.
Markus Fichtinger vom Aktienforum der Industriellenvereinigung (IV) hat dafür Verständnis: "Das persönliche Gehalt ist eben ein privates Anliegen. Außerdem ist der Informationsgehalt für Investoren gering", wie er dem "WirtschaftsBlatt" sagte.
Schenz, dessen Entwurf abgeschmettert wurde, wird in dem Bericht mit den Worten zitiert: "Mein Herz ist nie an der Offenlegung gehangen." Er gibt aber zu bedenken: "Anleger werden sich schon ihre Gedanken darüber machen, wenn ein Vorstand sein Gehalt nicht offenlegt."
International gehen die Uhren anders. In immer mehr Ländern wird die Einzelveröffentlichung der Vorstandsgagen verlangt, in einigen wie in Deutschland sogar per Gesetz. Das will auch die Arbeiterkammer (AK): "Wir werden das jetzt verstärkt betreiben." (apa)

