Mittwoch, 30. November 2005

Mega-Bank für Österreich? BA-CA & BAWAG sollen sich zu Superkonzern zusammentun!

  • Soll schwarzen Bankengrößen Paroli bieten können
  • Masterplan: Schützenhilfe durch UniCredits Spalt-Plan

In SP-Kreisen wird Medienberichten zufolge an einem brisanten Geheimplan geschmiedet. Demnach solle Österreich wieder eine große "rote" Bank bekommen: Konkret sei an ein Zusammenrücken der BAWAG mit der BA-CA-Österreich gedacht.

Die so entstehende rote Superbank hätte, so die Tageszeitung "Die Presse", in Österreich einen Marktanteil von deutlich mehr als einem Viertel und wäre sowohl in Wien und den Landeshauptstädten, als auch - dank der Postämter, die als Filialen der zur BAWAG-Gruppe gehörenden P.S.K. fungieren - am flachen Land stark vertreten. So breit ist sonst keine andere Bank präsent.

Der Zeitung zufolge wird insbesondere im Wiener Rathaus versucht, ein Gegengewicht zur überwiegend bürgerlichen Bankenwelt (Raiffeisen, Erste Bank plus Sparkassen, Volksbanken) aufzubauen.

Unter Hinweis auf "Branchenkenner" schreibt das Blatt dem neuen BAWAG-Generaldirektor Ewald Nowotny, der beste politische Kontakte hat, eine Rolle als idealer Wegbereiter für eine derartige Superbank zu. Verwirklicht würde der Plan, so höre man, aber vermutlich erst in zwei oder drei Jahren.

Zunächst müsse die BAWAG ihr Refco-Debakel verdaut haben. Haken an dem "SP-Masterplan": Kartellrechtliche Probleme wegen des besonders hohen Marktanteils im Raum Wien.

Vor Jahren gab es mit Länderbank, Postsparkasse, "Z" und BAWAG gleich vier SP-dominierte Banken. Diese Zeiten sind lang vorbei. Mit der Übernahme der BA-CA-Mutter HVB durch die italienische Großbank werden die Karten völlig neu gemischt. Und genau darin sähen die roten Strategen nun eine "historische" Chance, schreibt die "Presse".

UniCredit-Chef Alessandro Profumo will die BA-CA wie berichtet spalten - in eine Gesellschaft, die für das gesamte UniCredit-Ostgeschäft zuständig ist, und eine Tochter BA-CA Österreich. Die Aussicht, aus dem Österreich-Teil der BA-CA und der BAWAG eine im Inland dominierende Großbank zu bilden, könnte - so wird kolportiert - den Widerstand von AVZ Stiftung und Betriebsrat gegen diese Aufspaltung aufweichen.

Umso mehr, wenn UniCredit-Chef Profumo, den das lukrative Ostgeschäft weit mehr interessiere als der österreichische Inlandsmarkt, der AVZ finanziell etwas unter die Arme greife.

Wie die neue Bank gesellschaftsrechtlich strukturiert würde, sei völlig offen. Denn der "Masterplan" ziele vor allem darauf ab, den bürgerlichen Bankenblöcken ein SP-nahes Pendant gegenüber zu stellen. Denkbar wäre, eine Versicherung mit ins Boot zu holen. Einen Verkauf der "BA-CA Österreich" hat Profumo zwar ausgeschlossen. In Stein gemeißelt sei in Mailand Insidern zufolge aber nichts, so das Blatt.

Denkbar wäre auch, dass die AVZ, die ihre HVB-Aktien in Aktien der UniCredit getauscht hat und dort nur 1,5 Prozent der Anteile hält, diese Aktien wieder in BA-CA-Papiere zurücktauscht. Dann hätte die Gemeinde-Wien-nahe AVZ Stiftung, in deren Spitzengremium unter anderem die Ex-BA-CA-Chefs Gerhard Randa und Karl Samstag sitzen, wieder einen namhaften Anteil an der größten Bank Österreichs.

BAWAG: Nichts als Spekulation
Pläne für eine "rote Superbank" aus BAWAG und BA-CA Österreich werden auch in der Gewerkschaftsbank nicht bestätigt: "Aus unserer Sicht ist nichts an dieser Spekulation dran", sagte ein BAWAG-Sprecher zur APA. Die BAWAG P.S.K. konzentriere sich auf ihre Kernstärken in Österreich, "und wir werden diese auch auf benachbarte osteuropäische Länder übertragen".

Wiener Städtische wäre zu Gesprächen bereit
Es sei ihm nicht bekannt, dass ernsthaft Pläne für eine "rote Superbank" gewälzt werden, sagte der Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung, Günter Geyer. "Wir würden zu konkreten Gesprächen bereit sein", so Geyer auf Fragen von Journalisten am Donnerstag in Wien.

Die generelle Bereitschaft für Gespräche gelte auch für eine mögliche Beteiligung an der für nächstes Frühjahr erwarteten Kapitalerhöhung bei der Erste Bank. "Diese Frage stellt sich derzeit aber noch nicht", schränkte Geyer allerdings ein.

Erst wenn diese Fragen zur Diskussion stünden, würden mit dem Partner Erste Bank Gespräche geführt werden. "In allen Fällen gilt: Wir würden in enger Abstimmung mit der Erste Bank zu konkreten Gesprächen bereit sein", sagte Geyer.

Eine kapitalmäßige Verschränkung von Erste Bank und Wiener Städtische würde die gute Partnerschaft zwischen Erste und Städtische nicht verbessern können, ergänzte Erste Bank-Vorstand Franz Hochstrasser beim gemeinsamen Pressegespräch.

Wie berichtet planen laut einem Zeitungsbericht SP-Granden eine "rote" Mega-Bank für Österreich. Konkret sei an ein Zusammenrücken der BAWAG mit der BA-CA-Österreich gedacht. Denkbar wäre dabei auch, eine Versicherung mit ins Boot zu holen. Laut BA-CA und BAWAG sei an dieser Spekulation aber "nichts dran". (apa/red)

30.11.2005 17:57