Wegen Umsatzrückgang: Unilever erwägt kompletten Verkauf der Iglo-Tiefkühlsparte
- FTD: Großkonzern prüft insgesamt drei Optionen
- Finanzinvestor Blackstone zeigt sich interessiert
Der britisch-niederländische Wasch- und Lebensmittelkonzern Unilever-Konzern prüft derzeit drei Modelle für die Zukunft seiner Tiefkühlsparte. Eine Option sieht den kompletten Verkauf des Tiefkühlgeschäfts (Iglo) vor. Britische Medien hatten bereits über einen Einstieg des Finanzinvestors Blackstone spekuliert. Blackstone selbst wollte sich dazu nicht äußern. "Es besteht ein grundsätzliches Interesse", verlautete laut "Financial Times Deutschland" aus Finanzkreisen in London.
Mitte September hatte Unilever eine Untersuchung der "strategischen Optionen" für die Tiefkühlsparte angekündigt. Der britisch-niederländische Konzern (Knorr-Suppen, Langnese-Eis, Omo) befindet sich in einer weltweiten Neustrukturierung. Dazu gehört ein ehrgeiziges Sparprogramm, mit dem Unilever-Chef Patrick Cescau das Unternehmen auf Wachstum trimmen will. Die Tiefkühlsparte macht Cescau dabei wenig Freude. Unilever hatte 2004 mit Eis und Tiefkühlprodukten nur noch 6,5 Mrd. Euro umgesetzt - 500 Mio. Euro weniger als im Vorjahr.
Unilever steht laut FTD mit seinen Problemen im Tiefkühlgeschäft nicht allein da. Auch der US-Konzern Heinz kündigte im September den möglichen Verkauf dieser Sparte an.
Analysten halten diesen Strategieschwenk für konsequent. "Man sollte versuchen, das Tiefkühlgeschäft jetzt zu verkaufen, bevor die Margen wegbrechen", heißt es. Laut einer Bloomberg-Umfrage könnte Unilever aus dem Verkauf 2,2 Mrd. Euro erzielen.
Der Vernehmen nach wird im Unternehmen aber auch erwogen, die Sparte in eine eigenständige Gesellschaft unter dem Dach von Unilever auszulagern. Auf diese Weise könnte sich der Konzern von teuren Tarifverträgen befreien und damit Personalkosten sparen. Neben dem kompletten Verkauf ist auch die bloße Beteiligung eines Finanzinvestors denkbar. Eine Entscheidung soll erst 2006 fallen.
Die Neuausrichtung des Unternehmens wird auch auf einem europaweiten Aktionstag der Unilever-Belegschaft am Donnerstag diskutiert. Es sei zu erwarten, dass sich auch Deutschlandchef Henning Rehder zu den Plänen äußern werde, hieß es in Rehders Umfeld.(apa/red)

