Mittwoch, 30. November 2005

FIFA-Strafe für Türkei nach Skandal-Spiel: Sechs Heimspiele auf neutralem Boden!

  • Alpay, Emre & Huggel für sechs Pflichtspiele gesperrt
  • PLUS: Urteil im Wortlaut, Pressestimmen und Bilder!

Die Disziplinarkommission des Weltfußball-Verbandes FIFA hat mit harten Strafen auf die Ausschreitungen nach dem WM-Ausscheidungsspiel Türkei - Schweiz am 16. November 2005 in Istanbul reagiert. Der türkische Fußball-Verband muss die nächsten sechs Heim-Pflichtländerspiele vor leeren Rängen und auf neutralem Boden in einem der Europäischen Fußball-Union (UEFA) angeschlossenen Land bestreiten, das mindestens 500 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt ist. Das betrifft damit alle sechs Heimspiele der Türkei in der im September beginnenden EM-Qualifikation für 2008.

Der Verband muss zudem eine Geldstrafe und die Verfahrenskosten in Höhe von 220.000 Schweizer Franken (135.000 Euro) zahlen, teilte die FIFA am Dienstagabend mit.

Darüber hinaus wurden einzelne Akteure beider Mannschaften, die an den heftigen Auseinandersetzungen nach Abpfiff der Partie beteiligt waren, zur Rechenschaft gezogen. Die türkischen Nationalspieler Alpay Özalan und Emre Belozoglu wurden für jeweils sechs Pflichtspiele ihrer Nationalmannschaft gesperrt und müssen je 16.000 Schweizer Franken (9.800 Euro) berappen. Mitspieler Serkan Balci muss zwei Punktspiele zusehen und 5.500 Franken zahlen. Assistenz-Coach Mehmet Özdilek wurde für zwölf Monate für alle fußball-bezogenen Aktivitäten innerhalb des FIFA-Bereichs gesperrt.

Auch der Schweizer Internationale Benjamin Huggel wurde zu einer Zwangspause von sechs Punktspielen in der Auswahl der Eidgenossen verurteilt, das heißt, er wird zumindest bei der WM in Deutschland nur Zuschauer sein. Dazu muss er 15.500 Franken Strafe entrichten. Physiotherapeut Stephan Meyer erhielt eine Sperre für zwei Punktspiele der Schweizer Auswahl und 7.000 Franken Geldstrafe.

Die Schweiz hatte das Playoff-Rückspiel in Istanbul mit 2:4 verloren, buchte nach dem 2:0-Hinspiel-Erfolg aber dank der Auswärtstorregel das Ticket für die Weltmeisterschaft in Deutschland. Nach dem Abpfiff hatte es gewalttätige Szenen zwischen Spielern und Betreuern beider Mannschaften gegeben.

In einer ersten Reaktion hat der türkische Sportminister Mehmet Ali Sahin am Dienstagabend die von der FIFA gegen die Türkei verhängte Strafe als "inakzeptabel" bezeichnet. Beim Relegationsspiel gegen die Schweiz habe es keinerlei Fan-Ausschreitungen gegeben, die eine solche Strafe rechtfertigen würden, sagte der Minister am Abend dem türkischen Nachrichtensender NTV. Sahin kündigte Einspruch gegen die Entscheidung an: "Ich hoffe, dass dieser Fehler behoben wird."

Verbandspräsident "entsetzt"
Der türkische Verbandspräsident Haluk Ulusoy, der das Urteil in Zürich entgegennahm, zeigte sich "entsetzt" über das Urteil der FIFA, das die Chancen auf eine EM-Qualifikation 2008 der Türkei auf ein Minimum reduziert: "Ich kann das harte Urteil gegen den Verband nicht verstehen", erklärte Ulusoy. Die Türkei werde Rekurs gegen das Urteil einlegen und notfalls bis zum Sportgerichtshof CAS in Lausanne gehen. "Ich erwarte auf jeden Fall eine Milderung der Strafe", sagte Ulusoy.

Der Schweizer Verband verzichtete vorerst auf eine Reaktion. "Uns liegt die schriftliche Urteilsbegründung noch nicht vor", erklärte Marco Balmelli, der Anwalt des für sechs Punktspiele gesperrten Schweizers Benjamin Huggel. Vorher könne er sich nicht äußern, dennoch bezeichnete Balmelli das Strafmaß als "sehr, sehr hart". (apa)

30.11.2005 14:57