Sonntag, 4. Dezember 2005

Die USA haben eine neuen "Feiertag": 3. 12. ist reserviert für amerikanische Ski-Siege

  • 365 Tage nach Siegen schlugen 'Amis' wieder zu
  • Miller vor Rahlves im RTL, Abfahrtssieg für Kildow

Der 3. Dezember wird schön langsam zum nationalen Ski-Feiertag in den USA. Exakt ein Jahr, nachdem Bode Miller und Daron Rahlves in Beaver Creek für das erste US-Abfahrtsdouble in der Weltcup-Geschichte gesorgt und die aus dem benachbarten Vail stammende Lindsey Kildow in Lake Louise die Abfahrt gewonnen hatte, wiederholte sich am Samstag dieses bemerkenswerte Ereignis. Kildow gewann in Kanada erneut die Abfahrt, Miller vor Rahlves den Riesentorlauf.

"Best in the World" nennt der amerikanische Ski-und Snowboard-Verband USSA mit Hinblick auf Olympia 2006 in Turin seit Jahren in aller Unbescheidenheit sein Programm. Zehn Wochen vor den Spielen, bei denen sie beste Alpinnation sein wollen, hatten die US-Amerikaner allen Grund zum Jubeln. Denn "History Repeating" spielte es nur einen Tag, nachdem Rahlves und Miller bereits in der Abfahrt für einen US-Doppelerfolg gesorgt hatten. Zwei Doppelsiege bei den Herren und ein Abfahrtstriumph bei den Damen innerhalb von nur 25 Stunden, das hatte Dimensionen, die man bisher fast nur aus Österreich kannte.

"Wir wollten hier wirklich ein Statement für den US-Skisport abgeben", sagte Rahlves nach dem Riesentorlauf. In dem er sich trotz einer neuerlichen Bravourfahrt den Ski-Genie Miller geschlagen geben hatte müssen. Wie Miller trotz einer Masse an gravierenden Fehlern auf der fast unfahrbaren Piste gewinnen konnte, muss wohl erst noch analysiert werden. Jedenfalls holte sich Rahlves mit Platz zwei die Weltcupführung und Miller seinen ersten Saisonsieg.

"Sie brauchen offenbar den Druck", war auch Marc Habermann, österreichischer Pressebetreuer der US-Herren, beeindruckt. "Besonders Bode. In Kanada hat man ihn noch zerrissen, er hat aber immer an sich geglaubt. Das ist historisch für die USA", sagte Habermann.

Ohne auf Erik Schlopy zu vergessen. Der 33-jährige Ehemann des ehemaligen Schwimm-Stars Summer Sanders war trotz eines im ersten Lauf erlittenen Mittelhandknochenbruch auf Platz vier gerast, und die USA hatte das erste 1-2-3-Podium um nur 1/100el verpasst. "Er hatte unglaubliche Schmerzen. Bei seiner Fahrt habe ich richtig Gänsehaut bekommen", so Habermann.

"Wir sind aber schon die Alten im US-Team", bemerkte der von Teamkollegen, die über 30 sind, eingekreiste Miller zutreffend und verwies auf seine jüngeren Teammitglieder. "So viele Junge bei uns fahren heute schon besser als wir damals in ihrem Alter", sagte Miller. Der drittplatzierte Finne Kalle Palander, wie Miller 28, sagte: "Ich komme mir vor wie bei den US-Meisterschaften."

Passender Weise stellte Miller am Samstagabend im Vilar-Center von Beaver Creek den ersten Film über sich vor. "Flying Downhill" ist quasi die filmische Ergänzung zu seinem unlängst erschienen Buch ("Bode - Go Fast, Be Good, Have Fun"). Die 1:23 beeindruckende Stunden über Millers Leben und seine bisherige Karriere könnten für die Popularität des Skisports in Nordamerika mehr erreichen als so manche Erfolge. Denn so nebenbei wird dabei den Zuschauern der Alpinsport auf einfachste Weise erklärt. U.a. auch, dass Skifahren in Österreich so etwas wie die NASCAR-Rennen sind. Die Zuschauer waren jedenfalls beeindruckt.
(apa/red)

4.12.2005 15:34