Montag, 28. November 2005

"Jung-Elch" Svindal siegt erstmals: Der Weltcup hat damit ein neues Sieger-Gesicht!

  • 22-Jähriger übernimmt Gesamtweltcup-Führung
  • Raich: "Hatte ihn schon immer auf der Rechnung"

Der alpine Ski-Weltcup hat ein neues Sieger-Gesicht. War im Vorjahr Bode Miller nach Siegen in den ersten drei Saisonrennen als überlegener Leader nach Beaver Creek gekommen, so gibt es im Olympia-Winter nach Sölden und den beiden Speed-Rennen in Lake Louise in Aksel Lund Svindal einen neuen und unerwarteten Spitzenreiter. Und viele trauen dem 22-jährigen Norweger sogar zu, diese Führung auch nach der "Mini-WM" in Colorado mit nach Europa zu nehmen.

Svindal ist in der Szene schon lange mehr als nur ein Geheimtipp. Trotzdem war der frühere Junioren- und aktuelle Vize-Weltmeister in der Kombination hinter Benni Raich ("Ich hatte ihn schon immer auf der Rechnung") vor seinem Super-G-Sieg in Lake Louise nur in der Kitz-Kombi 2003 als Zweiter ein Mal im Weltcup auf dem Podest gelandet. In einem Einzelrennen war der 22-jährige aus der Nähe von Oslo über Platz vier nicht hinaus gekommen.

Vor seinem ersten und längst fälligen Sieg hatte Svindal ein unangenehmes Erlebnis zu überstehen. Er war im Abfahrts-Qualitraining disqualifiziert worden, weil er seinen Rennanzug mit einem neuen Sponsoraufkleber versehen hatte und dieser damit die Luftdurchlässigkeitsregel nicht mehr erfüllt hatte.

Zwei Tage später gewann er den Super G und übernahm damit sogar die Führung im Weltcup. "Nichts, worüber ich wirklich nachdenke. Die Weltcup-Führung zählt ohnehin nichts, so lange du dafür nicht auch eine Glaskugel bekommst", gab sich Motocross- und Wassersport-Fan Svindal cool wie fast alle Norweger. Wirklich "geil" findet er hingegen Siege. "Da bist du der Mann des Tages! Wichtig ist ohnehin nur, schnell Ski zu fahren. Dann kommt alles andere von selbst."

Dabei hatte Svindal kurz schon überlegt, angesichts der jahrelangen Sieglosigkeit die eine oder andere Disziplin sausen zu lassen, um sich nicht zu verzetteln. "Andererseits mag ich es, alle Disziplinen zu fahren. So hat man mehr Möglichkeiten, zu gewinnen. Auch bei Olympia kriege ich so fünf Chancen", schmunzelte der potenzielle Nachfolger von Kjetil Andre Aamodt und Lasse Kjus.

Das Training mit seinen "großen Brüdern" Aamodt und Kjus helfe natürlich viel, so "Jungelch" Svindal. "Ich bewundere sie, seit ich ein Kind bin. Als ich ins Team kam war es fast irreal, plötzlich mit ihnen zusammen zu sein. Ich habe aber schnell begriffen, dass ich eine Menge von ihren lernen kann. Oft hilft es einfach, zu sehen, was und wie sie es tun."

Aamodt kommentierte den Svindal-Triumph so: "Aksel ist schnell, klug und sieht auch noch gut aus. Mein Gott, wenn ich das so sage, könnten die Leute glauben, ich sei homosexuell". (apa/red)

28.11.2005 11:13