Montag, 28. November 2005

Ein neuer Konkurrent für Benjamin Raich?Svindal übernimmt Gesamtweltcup-Führung!

  • Maier und Miller in Übersee noch nicht in Top-Form
  • Walchhofer nach Plätzen 7 und 10 sehr nachdenklich

Nach dem Speed-Auftakt der Herren übernehmen diese Woche die Damen in Lake Louise das Kommando. Der Herren-Tross bewegte sich hingegen von Kanada in die USA, wo Schneestürme die Anreise erschwerten und ab Donnerstag in Beaver Creek wieder Abfahrt, Super G, Riesentorlauf und Slalom und damit vier Rennen in vier Tagen anstehen. Ein dichtes Programm, das es - außer Olympia - nur noch beim Finale im März in Aare geben wird.

"Keine besonders glückliche Planung", sieht sich Benjamin Raich als einer der Hautbetroffenen dieses Mega-Programms. "Zuerst vier Wochen nichts, und dann volles Programm inklusive Jet Lag mit dem Rückflug nach Europa", monierte der Pitztaler. Raich ist dennoch einer der heimlichen Sieger des Saisonstarts.

Trotz seines Ausfalls in der Abfahrt liegt er im Weltcup hinter Überraschungs-Leader Aksel Lund Svindal, Hermann Maier und Fritz Strobl auf Platz vier, während Bode Miller weit von seiner Vorjahres-Form entfernt zu sein scheint. "Wäre es im Vorjahr am Anfang auch so gelaufen, hätte es am Saisonende anders ausgeschaut", ist sich Raich bewusst. "Jetzt läuft es bereits sehr gut, aber ich nehme es Schritt für Schritt, das ist mein Weg."

Svindal als neuer Raich-Konkurrent?
Gut möglich aber, dass Raich mit dem Alleskönner Svindal einen neuen Hauptkonkurrenten bekommen hat. Beaver Creek ist der beste Ort, um das zu überprüfen, denn dort geben sich im ersten Weltcup-Jahr mit mehreren Superkombis die Allrounder wie Raich, Svindal und Michael Walchhofer das volle Programm. Im Vorjahr hat Raich im "Vierkampf" die meisten Punkte aller Fahrer geholt.

Giger zieht positive Bilanz
ÖSV-Herrenchef Toni Giger bilanzierte nach den ersten Speed-Rennen positiv, "auch wenn wir in Lake Louise doch einige individuelle Fehler gesehen haben". Dem Abfahrtssieg durch Fritz Strobl ("Ein Jahr nach so einem Sturz zu gewinnen, ist ganz großartig") und zwei starken Mannschaftsleistungen standen doch einige Ausrutscher gegenüber.

Maier mit schlechtestem Super G-Ergebnis überhaupt
Wobei Hermann Maier nach der Irrfahrt im Steilhang das schlechteste Super-G-Ergebnis seiner Karriere (21.) durchaus mit Humor nahm. "Es war ja ein Riesenfehler ausschlaggebend dafür. Wenigstens hatte ich den ganzen Hang für mich", scherzte "Mr. Super G", dessen schlechtestes Resultat in den 43 Weltcup-Rennen seiner Paradedisziplin zuvor ein 19. Platz (Vail 1997) gewesen war.

Maier reagierte erstaunlich gelassen: "Fehler passieren eben. Aber die Saison ist ja noch lange, und skifahrerisch passt's bei mir ebenso wie bei der Material-Abstimmung. Jetzt freu ich mich echt, wenn wieder Kurven kommen." Beaver Creek ist dank der Maier-Seriensiege bekanntlich so etwas wie das "Wohnzimmer" des Salzburgers.

Walchhofer zeigt sich nachdenklich
Michael Walchhofer sah man nach den Plätzen sieben (Abfahrt) und zehn (Super G) hingegen durchaus nachdenklich, hatte der lange Salzburger doch zuvor das interne Training dominiert. "Normalerweise bin ich auch mit Fehlern schnell. Ich hoffe, es waren nur die Verhältnisse. Aber Olympia ist noch weit", sagte Walchhofer.

Miller-Dominanz vorbei?
Blieb in Kanada die Frage, ob Bode Millers Selbstvertrauen tatsächlich einen Knacks bekommen hat. Zumindest in den Speed-Disziplinen scheint es mit der Dominanz des Weltcup-Titelverteidigers vorerst vorbei zu sein, vielfach wird Miller sogar schon mangelnde Fitness unterstellt.

"Er hat jetzt natürlich Druck, das ist für ihn eine neue Situation. Aber er ist nach wie vor sehr stark und sehr schnell", schwächte ÖSV-Alpinchef Hans Pum ab und sein Herrenchef Toni Giger ergänzte: "Bode macht momentan Fehler, aber das kann sich schnell wieder ändern. Außerdem muss man endlich zur Kenntnis nehmen, dass auch die Norweger und Schweizer extrem stark sind." (apa/red)

28.11.2005 11:00