Mittwoch, 30. November 2005

Sensations-Comeback im Damen-Tennis: Martina Hingis kehrt auf WTA-Tour zurück

  • "Vermisse Spiel & Herausforderung auf Top-Niveau"
  • Verletzung war Ursache für frühes Karriere-Ende

Die Tennis-Welt der Damen freut sich auf das Comeback eines ihrer großen Stars: Martina Hingis hat sich entschieden, auf die WTA-Tour zurückzukehren. Die ehemalige Weltranglisten-Erste plant, ab Jänner 2006 wieder regelmäßig Turniere zu bestreiten.

In einem Communique ihrer Agentur Octagon begründete Hingis den zum jetzigen Zeitpunkt unerwarteten Schritt so: "Ich war nie glücklich, dass mich die Verletzungen so stark behindert und letztlich sogar gezwungen haben, aufzuhören. Ich habe die Zeit neben dem Platz genossen, eine Zeit, die mir erlaubt hat, eine andere Seite des Lebens kennen zu lernen. Ich vermisse aber das Spiel und die Herausforderung, auf höchstem Niveau Tennis zu spielen. Ich möchte herausfinden, ob ich gesund bleiben und mit den heutigen Topspielerinnen mithalten kann."

Hingis war im zweiten Teil ihrer "ersten Karriere" immer wieder von Problemen an Füßen, Fersen und Gelenken behindert worden. Im Oktober 2001 erlitt sie in Filderstadt im Halbfinale gegen Lindsay Davenport einen doppelten Bänderriss und musste danach auch die Weltranglisten-Spitze abgeben, die sie nie mehr zurückerlangte. Am 20. Mai 2002 folgte eine Bänderoperation mit anschließendem Comeback in Montreal. Nach der klaren Niederlage in Filderstadt gegen Jelena Dementjewa bestritt Hingis 27 Monate lang kein Match mehr. Wegen ihrer Fußverletzungen verklagte sie im September 2002 auch ihren früheren Ausrüster Sergio Tacchini auf 40 Millionen Dollar; die Klage wurde aber abgewiesen, später auch vom Berufungsgericht.

Hingis führte in den Jahren danach ein abwechslungsreiches Leben. Sie besuchte eine Schule, hatte weiterhin viele Verpflichtungen für ihre Sponsoren, wirkte als Co-Kommentatorin für verschiedene Fernsehstationen und als Botschafterin für das WTA-Turnier in Zürich, dazu war sie auch karitativ tätig. Neben dem Tennistraining widmete sie sich ihrer zweiten großen sportlichen Leidenschaft, dem Reiten. Mit einigem Erfolg nahm sie an regionalen Springkonkurrenzen teil.

Seit der Niederlage gegen Dementjewa spielte Hingis nur noch ein Match auf der Tour: Am 1. Februar 2005 unterlag sie in Pattaya (Thailand) der Deutschen Marlene Weingärtner nach klarer Führung in drei Sätzen. Auch nach jener Niederlage hatte sie die Türe nicht ganz zugestoßen. "Ich wüsste, was ich machen müsste, um wieder besser zu werden", meinte sie damals.

40 Einzel-Titel, fünf Grand-Slam-Siege
Hingis hat bisher 40 Einzel-Titel auf der WTA-Tour, davon fünf Grand-Slam-Titel im Einzel, gewonnen, daneben holte sie im Doppel neun Major-Trophäen. Während 209 Wochen war sie die Nummer 1 in der Weltrangliste, länger hatten nur Steffi Graf, Martina Navratilova und Chris Evert diese Position innegehabt. Mit 16 Jahren und 6 Monaten war Hingis die jüngste Nummer 1 seit Einführung des WTA-Rankings. Sie spielte allein an Preisgeldern 18,34 Millionen Dollar ein.

Widmer bestätigte, dass Hingis, falls es die Gesundheit zulässt, plant, 2006 ein "relativ volles" Programm zu bestreiten, einen konkreten Fahrplan gebe es aber noch nicht. Schon bei den Australian Open möchte sie antreten. Turnierboss Paul McNamee hat der Schweizerin jedenfalls schon eine Wild Card für Melbourne angeboten.

WTA-Chef Larry Scott reagierte hocherfreut auf die Ankündigung: "Martina Hingis ist einer der großen Champions unseres Sports und eine einzigartige Persönlichkeit. Für die Fans des Damentennis bedeutet ihre Rückkehr eine weitere Steigerung der Attraktivität. Ihre Leidenschaft für das Spiel war immer da und wir freuen uns auf ihre Rückkehr."

(apa)

30.11.2005 10:21